Im Mai vor 350 Jahren starb der wohl bekannteste deutsche Dichter von Kirchenliedern, Paul Gerhardt. Bis heute werden seine Lieder in Chören und Gemeinden gern gesungen, sie bewegen, trösten und erbauen. Was macht sie so besonders?
Da ist die wunderbare poetische Sprache, die Metaphern und Bilder, mit denen er persönliche Glaubenserfahrungen und theologische Erkenntnisse anschaulich zum Ausdruck bringt. Da ist die inhaltliche Tiefe, die seine Verse so dicht und gehaltvoll machen. Dazu kommt eine persönliche, auch emotionale Ebene: Paul Gerhardt dichtet oft in der Ich-Form – und er bezieht sein Gegenüber ein, durch rhetorische Fragen und Aufforderungen. Seine Lieder sind manchmal wie ein Gespräch zwischen dem Dichter und dem, der seinen Text liest und singt. Seelsorgend, von Christ zu Christ.
Und da ist diese innige Glaubensfreude und das trotzige Gottvertrauen, die aus vielen seiner Texte sprechen. Ein Glauben dem Zweifel zum Trotz. Freude der Traurigkeit zum Trotz. Die Entscheidung für eine andere Perspektive – eine weitere Perspektive, die über das Irdische hinaus geht.
Das ist deshalb so überzeugend, weil er das Leid persönlich und in seinem Umfeld erlebte – von seinen fünf Kindern überlebte ihn nur eines, die anderen starben als Kleinkinder; seine Frau starb nach 13 Ehejahren; während seines halben Lebens wütete der 30-jährige Krieg, die Pest inklusive; als Pfarrer in Berlin geriet er in Streit mit dem Kurfürsten, seinem Dienstherren, und wurde seines Amtes enthoben.
Was verbinden Sie mit Paul Gerhardt?
Gerhardt war kein Schönwetterchrist. Eher ein Trotzdem-Christ. Oder ein Gerade-deswegen-Christ? Auf jeden Fall einer, der wusste, dass alles Irdische vorläufig ist. Mit dem Himmel als Heimat im Herzen konnte er den Härten des Lebens begegnen, ohne zu verzagen, auch wenn es ihm sicher oft danach war. Und damit ist er anderen Menschen bis heute ein Tröster und Ermutiger.
Ich bin ein Gast auf Erden
und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden,
da ist mein Vaterland.
Hier reis ich bis zum Grabe;
dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe;
die schließt all Arbeit zu.
Was verbinden Sie mit Paul Gerhardt und seinen Liedern? Welcher Vers, welches Lied hat für Sie eine besondere Bedeutung? Schreiben Sie es uns über dieses Formular.