Per DNA-Screening zum perfekten Kind?

In den USA bieten Firmen DNA-Screenings von befruchteten Eizellen an. So sollen Krankheiten ausgeschlossen werden, aber auch eine Prognose auf etwa den erwarteten IQ des Babys möglich sein. Darüber berichtet die „Zeit“.
Von Anna Lutz
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Sie heißen „Orchid“, „Nucleus“ oder eben „Herasight“. Ihnen gemeinsam ist das Ziel: Werdende Eltern sollen genau wissen, welche möglichen Krankheiten ihrem Kind bevorstehen oder wie hoch sein IQ werden könnte. Sie sollen einen Embryo sogar danach auswählen können. Denn die Firmen mit den Namen, die klingen wie aus einem Science-Fiction-Film, analysieren die DNA von Embryonen, die außerhalb des Mutterleibs durch künstliche Befruchtung entstanden sind. In den USA ist das im Gegensatz zu Deutschland legal. 

So berichtet die „Zeit“: Zugang zu den Informationen über ihr künftiges Kind können sich Paare erkaufen, die Eizellen im Labor künstlich befruchten lassen. Die zunächst tiefgekühlten Embryonen werden dann vorm Einsatz in den Mutterleib genetisch untersucht. „Durch einen Klick sehen die Kunden Balken, auf denen sich ihre untersuchten Embryonen gruppieren – Risikoverteilungen für Weißen Hautkrebs, Bluthochdruck oder Hodenkrebs. Für ADHS, Schizophrenie oder eine bipolare Störung. Und eine Vorhersage für den erwarteten IQ. Der Embryo, der die Eltern überzeugt, wird in die Gebärmutter eingesetzt und von der Mutter ausgetragen“, berichtet die Wochenzeitung. 

In Deutschland nur in engen Grenzen erlaubt

Im Jahr 2020 sei das erste Mal ein Kind nach einem solchen genetischen Screening geboren worden. Obwohl die oben genannten Firmen auch deutsche Kunden haben, ist das Verfahren an sich in der Bundesrepublik illegal. Sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) ist hierzulande nur in sehr engen Grenzen erlaubt und auch das erst seit 2011. Das Verfahren der PID darf nur dann angewandt werden, wenn ein hohes Risiko für eine schwerwiegende Erbkrankheit besteht oder eine kindliche Schädigung zu erwarten ist, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen würde.

Was den Einsatz der DNA-Screenings besonders heikel macht: Sie geben erstens nur Auskunft über Wahrscheinlichkeiten und sind damit nicht verlässlich. Zweitens können sie Faktoren wie Umwelt, Lebensstil und Soziodemografie beim zu erwartenden Kind nicht miteinbeziehen. Krebsrisiken etwa sind aber in hohem Maße von äußeren Faktoren abhängig. Kritiker erklären deshalb, die Methode gebe Eltern nur scheinbar eine Sicherheit über die Gesundheit und Konstitution ihres Nachwuchses. 

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