ZDF-Sendung „Die Anstalt“ kritisiert legale Prostitution

In der aktuellen Folge der Satiresendung „Die Anstalt“ geht es um das Thema Prostitution. Die Comedians kritisieren die deutsche liberale Gesetzgebung und wünschen sich zum Wohl der Frauen ein Verbot.
Von Anna Lutz

„Die Prostitutionsanstalt“ heißt die aktuelle Folge der ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“ und sie thematisiert die Debatte um legale Sexarbeit und die Einführung eines Nordischen Modells, also eines Verbots von Prostitution aufseiten der Freier. Die Comedians ergreifen darin eindeutig Partei für die Argumente der Verbotsbefürworter – darunter sind neben feministischen auch viele christliche Gruppen.

Die Sendung beginnt mit einem Sketch in einem Reisebüro, in das ein französischer Tourist kommt und sich über Sextourismus in Deutschland erkundigt. Der Verkäufer preist das „Bordell Europas“ an, berichtet von der hohen Dichte an Laufhäusern und Bordellen – 2.253 sind es – und dem einfachen Zugang zu Prostituierten für Männer.

Es tritt auch eine Lobbyistin für sogenannte Sexarbeit auf, deren Argumente sich aber im Lauf der Sendung in Luft auflösen. Etwa, dass die Liberalisierung der Prostitution, zuerst juristisch vorangetrieben im Jahr 2002 durch SPD und Grüne, die Arbeit für Frauen sicherer gemacht und die Bedingungen verbessert habe. Zwar seien 33.000 Prostituierte heute offiziell in Deutschland gemeldet, die Dunkelziffer sei aber wesentlich höher, bis zu über 250.000. Sozialversichert angemeldet seien sogar nur 50 Frauen. 

Sechs Freier täglich, für die laufenden Kosten

Um tägliche Fixkosten, etwa ein Zimmer in einem Bordell, zu zahlen, müssten selbständige Prostituierte rund 4.500 Euro im Monat aufbringen. Das bedeute mindestens sechs Freier täglich zu bedienen. „Die Anstalt“ zitiert weiter Zahlen des BKA, nach denen zehntausende osteuropäischer Frauen seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2007 in Deutschland arbeiteten, oft unangemeldet, ohne Deutschkenntnisse und auf Druck von Zuhältern hin. 

Als Bundeskanzler Friedrich Merz auftretend liest Comedian Max Uthoff aus einem Papier zur Arbeitssicherheit von Prostituierten der Bundesregierung vor, das etwa davor warnt, Schals und lange Halsketten zu tragen – offensichtlich wegen der Gefahr, gewürgt zu werden. Darüber hinaus gibt es Tipps zum schnellen Verlassen von Autos der Freier. Außerdem zeigt die Sendung Bilder sogenannter „Verrichtungsboxen“, die sowohl zum Geschlechtsverkehr in Berlin auf Straßenstrichen stehen, als auch als Toiletten genutzt werden. 

„Liebe Diakonie…“

Am Ende der Sendung sitzt Uthoff scheinbar weinend auf der Couch eines Psychiaters und erklärt, es sei für ihn niederschmetternd, sich mit einer Forderung der CDU nach der Einführung des Nordischen Modells gemein machen zu müssen. Auch wenn dies keine perfekte Lösung sei, erscheine sie ihm aber plausibler als die Liberalisierung oder die von linken Parteien vertretene Idee, Sexarbeit sei mit Frauenrechten vereinbar. „Im Grunde finde ich es verglichen mit dem, was wir haben richtig. Leider.“ Dann ruft er: „Ich will kein CDU-Kabarettist sein!“ Die Union hat eine Forderung nach dem Nordischen Modell im Jahr 2024 in den Deutschen Bundestag eingebracht.

Comedienne Maike Kühl fügt in Richtung der Organisationen, die sich gegen ein Nordisches Modell stark machen und zu denen unter anderem die evangelische Diakonie gehört, hinzu: „Liebe Diakonie: (…) Können wir uns nicht wenigstens darauf einigen, dass wir eine Gesellschaft anstreben, in der Frauen sich nicht prostituieren müssen, um ihre Existenz zu sichern?“ Deutschland diskutiere derzeit über digitale sexuelle Gewalt, die Grünen forderten prominent, dass nur ein eindeutiges Ja die Zustimmung zum Sex erkennbar machen soll. Aber trotzdem „sehen wir einfach weg, wenn tausende migrantische Frauen aus blanker Not sich in diesem Land prostituieren müssen und Zuhältern und Freiern ausgeliefert sind?!“

Die Sendung ist in der ZDF Mediathek abrufbar, ist aber aufgrund der derben Sprache und des Themas ab 16 Jahren freigegeben. Im linearen Fernsehen lief sie am 28. April.

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