ZDF entschuldigt sich für KI-Video

Das ZDF hat am Sonntag im „heute journal“ ein KI-generiertes Video über ICE-Einsätze in den USA gezeigt – ohne es zu kennzeichnen. Nun hat sich die stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek live im TV entschuldigt.
Von Martin Schlorke
Anne Gellinek

Das ZDF hat sich für zwei Fehler in der am Sonntag ausgestrahlten Ausgabe des „heute journal“ entschuldigt. Am Dienstag sprach die Nachrichtenchefin und stellvertretende Chefredakteurin Anne Gellinek von einem „Doppelfehler“. Sie bat in der Live-Sendung „deswegen ausdrücklich um Entschuldigung“.

Am Sonntag hatte das „heute journal“ ein KI-generiertes Video gezeigt, in dem eine Frau und zwei weinende Kinder von ICE-Einsatzkräften abgeführt werden. Diese Szenen haben sich so jedoch niemals abgespielt. Denn auf den Bildern ist deutlich das Wasserzeichen des „OpenAI“-Videogenerierungstools „Sora“ zu erkennen. Ein Zeichen dafür, dass dieses Video von eben jener KI erstellt wurde. In einem weiteren Video zum gleichen Thema war zu sehen, wie Beamte einen Jungen festnehmen und abführen. Laut „Bild“ handelt es sich dabei jedoch um ein Video aus dem Jahr 2022 und zeigt die Festnahme eines Zehnjährigen nach einer Amokdrohung in Florida.

Zunächst hatte das ZDF beide Videos im Beitrag entfernt. Am Dienstagnachmittag war schließlich die ganze Ausgabe des „heute journal“ in der Mediathek nicht mehr abrufbar.

Fehler bei Verifikationsverfahren

Gellinek erklärte dazu: „Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards“. Zudem sprach sie von „handwerklichen Fehlern“. Das schmerze sehr, weil die Mitarbeiter der ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren, um geprüfte Informationen zu liefern. „Das ist uns diesmal nicht gelungen.“

Zudem erklärte ein Beitrag in der selben Ausgabe des „heute journal“ vom Dienstag, dass die Verwendung solcher KI-Bilder in ZDF-Nachrichtensendungen den KI-Regeln des ZDF widerspreche. Die Verwendung solcher Bilder und Videos sei nur möglich, wenn es im entsprechenden Beitrag um KI-Themen geht. Deswegen hätte eine Kenntlichmachung des Videos als KI-Video in dem konkreten Fall nicht gereicht. Zunächst hatte das ZDF noch erklärt, man bedauere, „dass dabei nicht deutlich genug wurde, welche Bilder real sind und welche nicht“. Zu dem Video aus dem Jahr 2022 heißt es in dem Einspieler: Für Bilder und Videos aus sozialen Medien habe das ZDF Prüf- und Verifikationsverfahren entwickelt. „Sie wurden in diesem Fall zu spät angewandt.“

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