Das christliche Medienmagazin

Würdelos durch die heutige Zeit?

Der Journalist Mathias Schreiber hat in einem Buch zusammengefasst, wie er Würde für die heutige Gesellschaft definiert. Der christliche Glaube ist für ihn dabei von besonderer Bedeutung – ein Streifzug durch die Geschichte, Philosophie und Religion.
Von PRO

Foto: Manfred Witt/DER SPIEGEL

„Würde – was wir verlieren, wenn sie verloren geht“, lautet der Titel des Buches, das bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen ist. Dass der Tod der Würde kurz bevorsteht, will Schreiber dem Leser gleich zu Beginn des Buches zeigen: „Das mit diesem Begriff Gemeinte könnte bald für immer verloren sein – vergessen, verplappert, verschlampt, verschwendet, versendet, verkauft.“ Damit weist er indirekt schon auf das, was folgt: Ein Überblick aktueller und historischer Begebenheiten gepaart mit philosophischen Exkursen, die uns auf die Bedeutung der Würde – und damit inbegriffen – auch auf den unbedingten Erhalt dieses Guts aufmerksam machen sollen.

Das Wort fällt schnell, spricht man von einem „würdigen Rücktritt des Papstes“, dem „unwürdigen Auftritt eines Politikers“ oder von „gezielter Würdelosigkeit von TV-Shows“, findet der Autor, der regelmäßig für Spiegel Geschichte schreibt. Grundsätzlich geht Schreiber davon aus, dass es drei Grundformen der Würde gibt: „die Würde, die der Mensch von Geburt an hat, weil er beseelt oder vernunftbegabt ist; die Würde, die er erwirbt, weil er sich vorbildlich verhält und einem meist von Geburt an für ihn als standesgemäß geltenden Kanon gerecht wird; schließlich die Würde, die sich auf fast natürliche Weise als Gesamteindruck eines Individuums einstellt, das sich taktvoll benimmt.“

Bibel als Grundlage

Besonders bedeutsam für die Definition des Begriffs sei die „sozusagen natürliche Würde“, die im Alten Testament der Bibel vorgezeichnet sei, erklärt Schreiber. Dem ersten Buch Mose zufolge schuf Gott den Menschen zu seinem Ebenbild. Daran leiteten schon die frühen Kirchenväter wie Gregor von Nyssa eine Definition von Würde ab, heißt es in dem Buch.

Diese biblische Grundannahme habe sich bis heute in Deutschland fortgesetzt und sei die Basis – in abgewandelter Form – unseres heutigen Grundgesetzes. Denn darin ist festgehalten: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Bei dessen Entstehung war es Bundespräsident Theodor Heuss und dem SPD-Politiker Carlo Schmid wichtig, dass der Staat von Beginn an als Schutzherr der Würde seiner Bürger erscheine. Heuss hielt 1949 in der Präambel fest, das deutsche Volk habe die „neue Ordnung“ im „Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“ beschlossen.

Innere Freiheit wichtig

Deutlich zeigt Schreiber auf, was der Gesellschaft fehlte, wenn die Würde einmal nicht mehr vorhanden sein sollte. „Was wir verlieren, wenn die Würde verloren geht, ist eine Humanität, deren Anhänger innere Freiheit mit sozialer Empathie verbinden, die sich um diese Verbindung aber eher unauffällig und diskret bemühen.“ Würde sei in einer sittlichen Freiheit eines Vernunftwesens begründet, sagte Schreiber in Anlehnung an den Philosophen Immanuel Kant in einem Gespräch mit dem Radiosender WDR5.

Als beschämend im ganzen „Fernseh-Elend“ erscheint Schreiber der Wetten dass..?-Moderator Markus Lanz. Dieser kündige Wetten mit „Top, der Hintern quillt“ an, steige in eine mit Schokolade gefüllte Badewanne, während andere Menschen Hunger litten. „Der wendige, charmant und geläufig über alles und jedes plappernde Lanz (…) ist ein besonders emsiger Held der verquasselten Talkshow-Würdelosigkeit. Diese hat schon große Teile der öffentlichen deutschen Gesprächskultur verwüstet.“

„Krasse Herabsetzung des Papstes“

Als ebenfalls würdelos bezeichnet Schreiber eine Veröffentlichung des Satiremagazins Titanic aus dem vergangenen Jahr. Diese hatte des katholische Kirchenoberhaupt Benedikt XVI. im weißen Habit mit einem gefälschten Urinfleck im Schritt abgebildet. Der Titel dieser Ausgabe lautete „Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden“. Schreiber findet: „Krasser und billiger kann die Herabsetzung des Mannes, der nicht als Individuum, sondern qua Amt für eine besondere Würde steht, nicht geraten.“ Mit einer gewissen Spitzzüngigkeit zeigt er an zahlreichen Beispielen auf, dass es nicht nur um eine Belanglosigkeit geht, wenn jemand auf die Würde des Menschen oder eines Amtes pocht.

Pointiert beschreibt und bewertet der Journalist in seinem Buch aktuelle Begebenheiten, die er exemplarisch nutzt, um den vermeintlichen Verfall der Würde aufzuzeigen. Welche Bedeutungsverschiebungen der Begriff seit dem vierten Jahrhundert erlebt hat, macht Schreiber an zahlreichen historischen Begebenheiten und Personen deutlich. Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Philosophie in diesem Buch, die ebenfalls der Begriffsbestimmung dienen soll.

Von Grundbedeutung entfernt

Das sicherlich in einigen Punkten streitbare Buch vermittelt nicht nur ein Gefühl für die Bedeutung von Würde. Es handelt vielmehr von einem Wert, der gesellschaftlichen Einflüssen und Moden unterliegt und sich vielerorts von seiner Grundbedeutung entfernt – auch wenn die von Schreiber aufgezeigten Beispiele teilweise thematisch fragwürdig erscheinen.

Mathias Schreiber war 14 Jahre lang Kulturressortleiter beim Spiegel, zuvor arbeitete er als Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Autor schreibt regelmäßig für Spiegel Geschichte und hat bereits mehrere Bücher verfasst wie „Das Gold in der Seele. Die Lehren vom Glück“, „Was uns bleibt“ oder „Die Zehn Gebote“. Sein aktuelles Buch „Würde – was wir verlieren, wenn sie verloren geht“ ist in Kooperation der Deutschen Verlags-Anstalt mit dem Spiegel erschienen. (pro)

Mathias Schreiber: „Würde – was wir verlieren, wenn sie verloren geht“, 256 Seiten, Deutsche Verlags-Anstalt,  ISBN: 978-3-421-04600-0, 19,99 Euro

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Eine Antwort

  1. Für mich ist der christliche Gott die absolute Würdelosigkeit als Geistwesen.
    Dieser Gott nötigt sein Geschöpf zum Glauben. Einem Atheisten ist die Hölle gewiss.
    Gott ist ein primitiver absolutistischer Herrscher.
    Da schafft er den einzelnen Menschen, nennt sich himmlischer Vater, und verdrückt sich.
    Einem irdischem Vater würde man mit Verachtung begegnen.
    Der Christ sagt: Vertraue Gott.
    Da verbrennen sich Adam und Eva die Finger und werden, wegen dieser Nichtigkeit, davongejagt.
    Würden ein irdischer Vater oder Mutter ihr Kind davonjagen, nur weil es verbotener Weise von der Schokolade gegessen hat.
    Wenn Gott mich geschaffen hat, dann hat er meine Fehlerhaftigkeit miterschaffen.
    Ein paar Jahrzehnte Erdendasein entscheiden dann über ewige Seeligkeit oder Hölle.
    Dieses christliche Konstukt ist barbarisch.
    Hat ein allmächtiger Gott eine derartige primitive Religion nötig?
    Der christliche Gott tritt die Würde des Menschen mit Füßen.
    Ich empfehle dem Autor sich mal mit Hiob auseinander zu setzen.
    Würdeloser kann ein Gott nicht mit seinem Geschöpf umgehen.
    Gott verlangt: Gehorsamkeit, Demütigung …

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