Täglich tauchen im Internet und in sozialen Medien zehntausende neue Songs auf, die vollständig oder überwiegend von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden. Besonders auf Streaming-Plattformen und Videoportalen wächst die Menge rasant. Allein auf dem Streamingdienst Deezer werden mittlerweile täglich rund 30.000 bis 50.000 vollständig KI-generierte Tracks hochgeladen, was einen großen Teil der täglichen neuen Musik ausmacht.
KI-generierte Musik entsteht durch Algorithmen, die auf der Basis tausender bestehender Lieder neue typische Melodien, Harmonien, Rhythmen und Texte zusammenfügen. Programme auf KI-Basis können inzwischen nicht nur Lieder komponieren und Texte schreiben, sondern auch noch die passenden Stimmen dazu erzeugen, die bekannten Interpreten der Pop-Szene nachempfunden sind.
Kennzeichnung fehlt
Und weil in sozialen Netzwerken die KI-Songs häufig nicht als solche gekennzeichnet werden, vermischen sie sich mit von Menschen komponierter Musik. Dabei spielt sich das Ganze rechtlich in einer Grauzone ab. KI-Musik hat oft keinen klaren Urheber, ist aber mit bestehender Musik, die von Menschen komponiert wurde und Rechte an ihren Werken halten, „gefüttert“ worden. Wer wissen möchte, ob ein Song von der KI oder einem Komponisten geschrieben und produziert wurde, muss genau hinsehen. Etwa, ob ein Song auch auf der offiziellen Homepage eines Interpreten oder einer Band zu finden ist. Aber, weil das in der Regel kaum jemand prüft, tauchen dann auch in Playlists junger Christen vermeintliche Worship-Songs bekannter Popsänger wie Ed Sheeran oder Taylor Swift auf, die jedoch durch KI entstanden sind.
KI-generierter Lobpreis, das ist sprachlich meist oberflächliches, aber emotional rundes Liedgut mit eingängigen Refrains. Doch im Kern fehlt diesen Werken etwas Wesentliches: eine glaubende Person und deren persönliche Erfahrungen. Die KI-generierte Musik steht daher im krassen Gegensatz zu den Chorälen von Paul Gerhardt, aber auch den Worship-Songs von Albert Frey, Arne Kopfermann und anderen, die ihn ihren Werken existenzielle Erfahrungen wie Tod, Zweifel, Leid und Hoffnung verarbeitet haben.
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Musik ist auch mehr als bloß die harmonische Verkettung von Tönen zu einem Klang. Im Gottesdienst ist sie Gebet, Zeugnis und Ausdruck gelebten Glaubens. Diese Dimensionen kann eine seelenlose Maschine niemals selbst erfahren – und kann sie daher niemals authentisch reproduzieren.
Dass Menschen auch aus KI-generierten Liedtexten und Melodien durchaus Trost und Zuversicht in dunkler Zeit schöpfen oder ihrer Freude Ausdruck verleihen können, wenn einem die Worte nur schwer über die Lippen gehen, mag sein. Aber, wenn durch KI massenhaft Lieder entstehen, ohne dass jemand geliebt, gelebt, geglaubt, gelitten oder gehofft hat, verkommen musikalische Anbetung und Lob Gottes zu einem Hintergrundrauschen. Nicht alles, was harmonisch klingt und mit christlichen Begriffen wie „Gnade“, „Licht“, „Hoffnung“, „Jesus“ oder „Kreuz“ angereichert ist, ist deshalb Lobpreis. KI-generierte Worship-Musik mag technisch beeindruckend sein, doch Lobpreis braucht Glauben und Tiefe – sowie den glaubenden Menschen als deren Schöpfer.