Der Journalist und Autor Wolfgang Stock hält die Selbstverbrennung des Pfarrers Oskar Brüsewitz für ein Schlüsselereignis der DDR-Geschichte. „Das Fanal von Zeitz von Oskar Brüsewitz war der Anfang vom Ende der DDR, 13 Jahre vor 1989“, sagte Stock im PRO-Podcast „Glaube. Macht. Politik.“ im Gespräch mit PRO-Redaktionsleiter Digital Nicolai Franz.
Brüsewitz hatte sich am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz angezündet. Mit Plakaten protestierte er gegen die Unterdrückung der Kirche und von Christen durch den kommunistischen Staat. Wenige Tage später starb er an seinen Verletzungen.
Schon zuvor war der Dorfpfarrer mit ungewöhnlichen missionarischen Aktionen aufgefallen. Seine Veranstaltungen hätten besonders viele Jugendliche angezogen, berichtet Stock. Der Staat reagierte mit Überwachung und Druck. Rund ein Dutzend inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit seien auf Brüsewitz angesetzt gewesen.
Stock hat für die dritte, erweiterte Auflage seines Buches „Das Fanal“ auch bislang nicht zugängliche Kirchenakten ausgewertet. Daraus gehe hervor, dass die Kirchenleitung Brüsewitz kurz vor seinem Tod zur Versetzung drängte und ihm eine Visitation ankündigte. „Die Kirche war in dem Punkt, in diesem entscheidenden Punkt, nicht solidarisch mit ihrem Bruder“, sagt Stock.
Dabei sei Brüsewitz nicht in erster Linie ein politischer Aktivist gewesen. Stock beschreibt ihn als leidenschaftlichen Missionar: „Er war ein unbedingter Nachfolger Jesu Christi. Er wollte die Menschen mit seinem Herrn und Heiland bekannt machen.“
Nach Brüsewitz’ Tod wuchs auch innerhalb der Kirche der Widerstand gegen den Umgang des Staates mit Christen. Stock sieht darin eine Entwicklung, die später den Freiraum für oppositionelle Gruppen in den Kirchen mit ermöglichte.
Buchhinweis: Wolfgang Stock, Helmut Müller-Enbergs: „Das Fanal: Das Opfer des Pfarrers Oskar Brüsewitz am 18. August 1976 und die Evangelische Kirche“, 478 Seiten, 29,99 Euro, 2026 in dritter, erweiterter Auflage erschienen.