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Will die EU wirklich Weihnachten abschaffen?

Laut einigen Berichten will die EU das Wort „Weihnachten“ streichen. Aber: Von einem konkreten Verbot ist in der Leitlinie keine Spur.
Von PRO
Will die EU „Weihnachten“ aus dem Vokabular streichen?

Eine Richtlinie der EU zur inklusiven Kommunikation sorgte vergangene Woche für Furore. Das AfD-Mitgliedermagazin AfD kompakt schrieb: „Deutsche Kultur wird abgeschafft: EU-Leitfaden streicht ‚Weihnachten‘ aus dem Vokabular“. Ähnlich klingt die Überschrift des Schweizer Boulevardblatts 20minuten: „EU kippt ‚Weihnachten‘ und ‚Maria und Josef‘ aus dem Vokabular“. Sogar Stimmen aus dem Vatikan waren zu hören. So beklagte sich Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber Vatikan News über die „Tendenz alles zu vereinheitlichen, ohne die berechtigten Unterschiede zu respektieren“. Er sehe die Gefahr der Abkehr von den christlichen Wurzeln Europas und der Verdrängung der Realität.

Sprache kritisch überprüfen

Schaut man sich die Leitlinie genauer an, so stellt man fest, dass die Situation übertrieben dargestellt wurde. Darin steht nichts von einem Verbot der Worte ‚Weihnachten‘ oder ‚Maria und Josef‘. Auf den 32 Seiten des Dokuments geht es ausschließlich darum, dass Mitarbeiter der EU-Kommission die von ihnen verwendete Sprache kritisch überprüfen sollen. Die Leitlinie soll sie dabei unterstützen. Sie richtet sich an EU-Mitarbeiter, nicht an alle Bürger. Vorurteile und Verallgemeinerungen im Schriftverkehr sollten dadurch vermieden werden.

Im Vorwort schreibt Helena Dalli, Gleichstellungs-Kommissarin der Europäischen Kommission, dass es ein Anliegen der EU sei, dass „jeder Mensch sich wertgeschätzt und anerkannt fühlt. Und das unabhängig von Sexualität, Herkunft, Glauben, Behinderung oder Alter“. Das gelte auch für Bilder und den Schriftverkehr der EU, weshalb die Behörde darauf Rücksicht nehmen möchte. Infolgedessen hören sich Schreiben der Organisation mehr nach komplizierten Beamtensprech an. Ein Beispiel: Anstatt „Behinderte Menschen haben Zugangsschwierigkeiten bei der Bildung“ würde „Menschen mit unterschiedlichen physischen und kognitiven Fähigkeiten haben unterschiedliche Hürden beim Zugang zur Bildung zu überwinden“ geschrieben werden.

In sechs Kapiteln geht die Leitlinie genauer darauf ein, worauf Mitarbeiter der EU achten sollen. Beim Kapitel „Kulturen, Lebensstile oder Glauben“ wird etwa geraten, nicht davon auszugehen, dass alle Menschen Christen sind und alle Weihnachten im Dezember feiern. Juden feiern im Dezember beispielsweise Chanukka, orthodoxe Christen feiern Weihnachten erst im Januar.  Aus dem Satz „Die Weihnachtszeit kann stressig sein“ könnte also „Die Feiertage (für die, die Weihnachten oder Chanukka feiern) können stressig sein“ werden. Von einem konkreten Verbot ist zwar keine Spur, andererseits besteht die Möglichkeit, dass in solchen Sätzen das Wort ‚Weihnachten‘ gar nicht erst benutzt wird und damit unter den Tisch fällt. Das aber würde sich gegen den Sinn von Inklusion wenden, da Inklusion ‚einbeziehen‘ und nicht ‚ausgrenzen‘ bedeutet.

Von Maria und Josef wird nicht gesprochen

Auch rät der Leitfaden, bei Beispielen mit Personen nicht immer nur europäische Namen zu benutzen. Aus „Maria und John sind ein internationales Paar“ könnte „Malika und Julio sind ein internationales Paar“ werden. Vom biblischen Paar Maria und Josef ist hier nicht die Rede.

Ähnliche Vorschläge gibt es auch für die Benutzung von Städtebeispielen. Es sollten nicht immer nur Städte aus Westeuropa als positive Beispiele genutzt werden. Dementsprechend soll das Dokument eine Hilfestellung für EU-Mitarbeiter sein, sich mit seinem eigenen Sprachgebrauch auseinanderzusetzen. Dennoch gab es aus der Gesellschaft einige Bedenken bezüglich der Leitlinie. Dalli schrieb am 30. November auf Twitter, dass sie das Dokument vorerst zurückziehen werde: „Wir prüfen die Bedenken mit dem Ziel, sie in einer aktualisierten Fassung der Leitlinien zu berücksichtigen.“

Von: Marc-Lukas Seidlitz

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6 Antworten

  1. Wehret den Anfängen kann man da nur sagen. Bald sind es wieder keine “Engel” mehr, sondern “Jahresendflügelfiguren”. Schon das Wort “Gleichstellung” ist Schwachsinn. Man frage mal seinen Chef, ob man die gleiche Stellung habe wie er. Wenn er nett ist, sagt er nicht lächelt milde oder schütteln verständnislos den Kopf. Die “Gleichstellung” ist eine Idee aus der ’68er “Mottenkiste”, wo von einer “herrschaftsfreien Gesellschaft” schwadroniert wird. Alle Autoritäten sollen abgeschafft werden, das betrifft eben auch Gott und den Staat, so nimmt der mangelnde Respekt gegenüber z.B. gewählten Politikern und Polizei dort seine Legitimation. Das ist dann die Ideologie, die auch zu Zerstörungen von Kirchen führen, nichts ist mehr heilig, es lebe der Hedonismus und die Selbstoptimierung.

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  2. Wäret den Anfängen! Die Biene überlegte sich auch, welcher Faden nutz sei und fand heraus, das auf den Faden der gerade nach Oben ging, sich noch nie ein Insekt verirrt hatte, bzw. dieser Faden noch nie etwas an Beute eingebracht hatte. So biss sie ihn ab! Das Ergebnis war: das ganze Netz brach ein- weil gerade dieser Faden, der Halt war, der das Netz fixierte. Und was lernen wir aus der Geschte? Hoffentlich sind wir noch lernende!

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  3. Dieti sagt:
    hat die EU Behörde nicht wichtigere Aufgaben, als sich mit diesen sprachlich sinn und gehaltlosen Dingen, einer sogenannten “gerechten Sprache” zu beschäftigen und EU Steuergelder zu vergeuden?

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  4. … hatten wir alles schon mal. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch mal erleben muss.

    Dabei waren die Gründerväter der EU Christen. Wo sind wir hingekommen?

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  5. Dass eine Kommissarin in Europa als Soziologin so wenig Ahnung hat von Kultur, konnte ich mir bis heute nicht vorstellen. Die Benennung der Feste der unterschiedlichen Religionen zu einem bestimmten Moment im Jahresverlauf ist nicht gleich zu stellen mit ihrer Bedeutung. Auch die Namen sollen aus der Perspektive der Inkulturation betrachtet werden. Wieso sollte ‘Maria’ mit ‘Malika’ gleichgestellt werden? Wieso nicht eher mit ‘Mirjam’? usw. Mir scheint, dass an der Spitze Europas angestellte Menschen ihre Zeit damit verbringen, Probleme zu entdecken, wo es bis dato keine gab. Besonders wenn die Kommissarin früher für sozialen Dialog stehen sollte und als Soziologin solches erkennen müsste. Um welche Soziologie handelt es sich im Moment in Europa?

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  6. Es ist ein Trauerspiel mit welchem Quatsch sich unterbeschäftigte Bürokraten beschäftigen um einen Berechtigungsnachweis zu erbringen.

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