Wie das Internet Evangelisation in Pakistan möglich macht

Mit einer einfachen Nachricht über Facebook fing es an. Aus einem digitalen Kontakt entsteht Schritt für Schritt in Pakistan eine Evangelisation unter schwierigen Bedingungen.
Von Norbert Schäfer
Steve Volke

Am Anfang steht ein unscheinbarer Moment im Leben von Steve Volke. Weil die Tochter den Film empfiehlt, schaut der Leiter von Compassion Deutschland gemeinsam mit seiner Frau einen historischen Film über die Entstehung Pakistans. Zu diesem Zeitpunkt ahnt Volke nicht, dass ihn dieses Land nur kurze Zeit später viel mehr beschäftigen wird.

Nur zwei Wochen nach diesem Abend erreicht Volke über Facebook eine Nachricht aus Pakistan. Ein junger Pastor bittet um Kontaktaufnahme. Solche Anfragen erhält Volke häufiger, vor allem aus Südasien, und in der Vergangenheit hat er sie aus Zeitnot häufiger ignoriert. Doch diesmal reagiert er. Warum, kann er selbst nicht genau sagen. Vielleicht ist es ein Impuls, vielleicht einfach ein Moment der Aufmerksamkeit.

Aus der ersten Antwort entwickelt sich schnell ein intensiver Austausch per WhatsApp. Der Pastor meldet sich fortan täglich, oft schon am frühen Morgen. Seine Nachrichten sind freundlich, aber auch bestimmt. Er verfolgt ein klares Ziel: Er möchte Steve Volke als Redner für eine Evangelisationsveranstaltung in seiner Heimat in Pakistan gewinnen.

Christen als Minderheit unter Druck

In Pakistan leben rund 240 Millionen Menschen. Das Land gehört damit zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Nur rund zwei Prozent der Bevölkerung sind Christen, etwa 97 Prozent Muslime. Die religiösen Minderheiten, vor allem Christen, leben in dem muslimischen Land vielerorts unter erheblichem Druck. Auf dem „Weltverfolgungsindex“ verfolgter Christen weltweit steht Pakistan 2026 auf Platz 8.

Immer wieder kommt es zu Diskriminierung im Alltag, etwa bei Arbeit und Bildung. Hinzu kommen gewaltsame Übergriffe, darunter Angriffe auf Kirchen und Wohnviertel. Besonders umstritten sind die Blasphemiegesetze, die häufig missbraucht werden und auch Christen betreffen.

Schon bald wird deutlich, dass eine Reise nach Pakistan für Volke nicht infrage kommt. Die Sicherheitslage ist zu angespannt, und die organisatorischen Hürden sind zu hoch. Dennoch bleibt der Pastor hartnäckig. Schließlich entsteht eine Idee, die beide Seiten verbindet: eine Evangelisation im Livestream.

Volke bittet um Einblicke in die Situation vor Ort. Der Pastor sendet Bilder. Sie zeigen eine einfache Versammlung unter freiem Himmel, die eher an eine „Nomadengemeinde“ erinnert als an eine etablierte Kirchengemeinde. Auffällig ist auch die Zusammensetzung: viele Frauen, kaum Männer, keine jungen Männer. Noch eindrücklicher ist ein Video, das der Pastor ihm schickt. Es dokumentiert den Angriff auf eine Kirche aus dem vergangenen Jahr, bei dem ein Gebäude in Brand gesetzt wurde. Die Bilder führen vor Augen, unter welchem Druck Christen in dieser Region leben.

Trotz der widrigen Umstände hält der Pastor eisern an seinem Plan fest. Die Evangelisation soll stattfinden. Und nicht nur das: Parallel dazu gründet der junge Pakistani kurzfristig eine kleine Bibelschule und gewinnt 17 Teilnehmern. Die Initiative ist groß, doch es fehlt an allem – an Struktur, an Lehrmaterial und sogar an Bibeln.

Immer wieder erreichen Volke neue Anfragen. Zunächst wird er gebeten, spontan eine Unterrichtseinheit zu übernehmen. Volke zeichnet ein kurzes Video auf, um die Studierenden zu ermutigen. Wenig später erhält er Aufnahmen aus Pakistan, die zeigen, wie sein Beitrag vor Ort genutzt wird. In den folgenden Tagen aktiviert Volke sein Netzwerk, um für die Gruppe Unterrichtsmaterial zu organisieren und über die Bibelgesellschaft die dringend benötigten Bibeln und Studienmaterial nach Pakistan zu schaffen.

Evangelisation unter schwierigen Bedingungen

All das führt schließlich zu der geplanten Evangelisation, die am 22. März unter dem Thema „Heilung und Befreiung“ stattfindet. Als Volke an diesem Sonntagnachmittag in Deutschland vor seinem Bildschirm sitzt, ist in Pakistan bereits Abend. Doch schon vor Beginn der Veranstaltung zeigen sich die ersten Schwierigkeiten.

Ein schwerer Sturm zieht auf und verhindert, dass viele Menschen überhaupt kommen können. Am Ende versammeln sich nach Angaben des Pastors etwa hundert Besucher in einem einfachen Gemeindehaus. Dort steht ein Laptop, über den Volke aus Deutschland übertragen wird.

Auch die Technik macht Probleme. Die Verbindung funktioniert zunächst nicht, sodass sich der Beginn um etwa eine halbe Stunde verzögert. Als die Übertragung schließlich startet, zeigt sich das nächste Hindernis: Während die Gemeinde Volke gut hören kann, ist es für ihn unmöglich, den Übersetzer zu hören. Die sonst übliche Abfolge von kurzen Abschnitten und anschließender Übersetzung gerät dadurch aus dem Takt.
Volke spricht dabei Englisch, ein Übersetzer überträgt ins Urdu. Eine Sprache, von der Volke nicht ein einziges Wort kennt oder versteht. Und doch vertraut er darauf, dass die Botschaft ankommt – über Tausende Kilometer hinweg, in eine Gruppe von Menschen, die trotz aller Herausforderungen mehr über Jesus wissen wollen.

Im Mittelpunkt steht eine einfache, grundlegende Einladung zum Glauben: Jesus Vertrauen zu schenken, Hoffnung für das eigene Leben zu finden und diese Hoffnung weiterzugeben. Doch noch während der Predigt verschärft sich das Wetter weiter. Aus technischen Gründen, oder wegen des Unwetters, endet die Übertragung plötzlich. Dennoch bleiben die Menschen vor Ort zusammen, wie Volke erst später vom Pastor erfährt.

Für Volke ist diese Erfahrung prägend. Besonders die Berichte über frühere Angriffe auf Kirchen und die schwierigen Lebensbedingungen der Christen vor Ort hinterlassen Eindruck. Gleichzeitig überrascht ihn die Rückmeldung des Pastors, der die Predigt als inhaltlich neu und bereichernd beschreibt, obwohl sie aus seiner Sicht bewusst einfach gehalten war. „Es war eine besondere und außergewöhnliche Erfahrung, in eine mir unbekannte Kultur eine Einladung zu Jesus auszusprechen. Ich hoffe, dass Gott es in seinem Sinne benutzen wird. Für mich war es aber eine echte Herausforderung“, resümiert er.

Aus der einmaligen Übertragung könnten weitere Schritte entstehen. Der Pastor denkt bereits über zusätzliche Veranstaltungen nach und bittet um weitere Unterstützung. Für Volke bleibt vor allem die Erkenntnis, unter welchen Bedingungen Christen in anderen Teilen der Welt ihren Glauben leben – und wie selbstverständlich vieles im eigenen Umfeld erscheint.

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