Wenn Kinofilme Predigten enthalten

Wenn er Kinofilme schaut, blickt er auf religiöse Botschaften und biblische Anleihen. Sie könnten ein Fenster zu Gott sein, sagt Pfarrer Norbert Fink. Auf seinem Youtube-Kanal spricht er über Spiritualität und Film.
Von Jörn Schumacher
Film auf Kinoleinwand

Hollywood und die Bibel, das passt immer wieder erstaunlich gut zusammen. Davon ist Norbert Fink überzeugt. Der 50-Jährige ist nicht nur Pfarrvikar in Düsseldorf, sondern auch Filmfan. Auf seinem Youtube-Kanal „Kinobbi – Film und Spiritualität“ analysiert er Kinofilme auf religiöse Symbole, biblische Motive und spirituelle Botschaften.

Explizit christliche Filme rezensiert Fink auch, etwa zuletzt die Dokumentation „Philipp Mickenbecker – Real Life“. Das Video dazu nahm er am Grab von Philipp Mickenbecker und dessen Schwester auf. Interessant sind für ihn aber auch jene Filme, die nicht explizit als christlich deklariert sind, aber derartige Botschaften enthalten.

Im Film „Dune 2“ etwa gehe es um die Macht des Glaubens an den Messias oder an falsche Propheten, erläutert Fink in einem Youtube-Video. Er sieht hier auch Parallelen zwischen der Science Fiction-Welt und unserer Lebenswelt: „Was für die einen der Glaube als Lebensstil ist, ist für die anderen nur ein politisches Werkzeug, um andere Menschen zu manipulieren und Macht auszuüben.“

Die „Dune“-Bücher von Frank Herbert sowie die Filme seien „Warnungen vor religiösem Fanatismus“. Er betont aber auch: „In Jesus ist für uns Christen der Messias gekommen. Aber sein Reich war kein Reich der Gewalt, sondern er wollte in den Herzen der Menschen herrschen. Er hat nicht andere Menschen für sich sterben lassen wie so mancher Führer, sondern er ist für uns gestorben, und seine Macht ist die Macht der Liebe.“

Ob in „Avatar“ oder „Titanic“ – biblische Botschaften sind zahlreich

Früher hieß sein Kanal „Christ in Cinema“. Der neue Name „Kinobbi“ ist eine Verbindung zwischen seinem Vornamen und Kino, steht aber auch für den bekannten Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi aus „Star Wars“. Es gebe in großen Hollywood-Filmen nicht zufällig viele Anleihen aus der Bibel, ist Fink überzeugt. Denn sie enthalte viele tiefgründige Geschichten, in denen es um uralte Themen der Menschen geht – um Schuld und Vergebung, Erlösung, Mord, Verrat, Glaube, Liebe und Hoffnung. „Filme mit christlicher Symbolik laufen oft auch in Ländern gut, die gar nicht christlich sind“, stellt er fest.

Manchmal bediene sich ein Film aus der Bibel, ohne dass es die Zuschauer unmittelbar bemerken, so Fink. Als Beispiel nannte er gegenüber „Domaradio“ den neuen Film „Avatar – Fire and Ash“. Darin gibt es eine Szene, in der die Hauptfigur bereit ist, ihren Sohn zu opfern, erklärt Fink. Das erinnere den Bibelkundigen an die Geschichte von Abraham, der bereit ist, seinen Sohn Isaak zu opfern, wozu es aber schlussendlich nicht kommt. „Das ist eine Szene, die die meisten Zuschauer nicht so sehen werden, dass es eine biblische Anspielung ist. Aber wer die Bibel kennt, wird es sofort erkennen.“

Ein anderes Beispiel sind die beliebten „Star Wars“-Filme und -Serien. Der Ausspruch „Möge die Macht mit dir sein“ kommt in jedem der Filme vor. Dieses „Möge“ beruht auf einem irischen Spruch. Die irischen Segenssprüche beginnen immer mit „Möge der und der mit dir sein“. Wenn man statt „Macht“ Gott einsetze, sei das bereits ein klassischer Segen. Auch Darth Vader, der Bösewicht der Reihe, erfahre am Ende Erlösung, und zwar dadurch, dass jemand an das Gute in ihm glaubt, und dadurch, dass sich Darth Vader zum Schluss für seinen Sohn einsetzt. „Solche und ähnliche Parallelen findet man gerade in Hollywood-Filmen zuhauf“, sagte Fink gegenüber Domradio.

Am Ende von „Titanic“ gebe es etwa ein Beispiel dafür, wie ein Film darstellen könne, wie sich Christen den Himmel vorstellen. Die Kamera fahre ins Schiffswrack, und je tiefer die Kamera eindringt, desto heller wird es. „Schließlich stehen Rose und Jack auf der Treppe und werden von all denen bejubelt, die eigentlich umgekommen sind. Alle stehen miteinander dort, egal ob sie vorher dritte oder erste Klasse gereist waren, und feiern die Liebe. Die Kamera schwenkt nach oben ins Weiße, in das Licht.“

„Club der toten Dichter“ war der Auslöser

Auf die Frage, was ihn antreibt, den Youtube-Kanal „Kinobbi“ zu betreiben, sagte Fink gegenüber PRO: „Als ich gegen Ende meines Theologiestudiums zufällig mitbekam, wie sich ein Dozent mit Studenten ‚Club der Toten Dichter‘ ansah – einer meiner Lieblingsfilme – und nachher über die religiöse Symbolik, die Christus-Typologie und den Sündenbockmechanismus sprach, war das wie eine Offenbarung für mich. Fast so etwas wie ein Erweckungserlebnis. Ich merkte, dass meine beiden Leidenschaften sehr eng zusammengehören! Man kann sehr viele Filme auch mit einer theologisch-philosophischen Brille sehen.“

Filme seien eben nicht nur zur Unterhaltung, findet Fink. Es könne auch tiefer zugehen, ja, auch religiös. Fink schrieb viele Artikel über das Thema Film und Religion, für Kirchenzeitungen und Pfarrbriefe. Als 2022 das Biopic „Elvis“ in die Kinos kam, fand der Elvis Presley-Fan hier die religiöse Komponente des amerikanischen Sängers gut dargestellt. Er machte ein Youtube-Video darüber, und das bekam 2.000 Aufrufe. Er machte noch mehr Filme zum Thema und begann nebenher, für die katholische Zeitung „Die Tagespost“ über Filme zu schreiben.

Filme als Fenster zu Gott

„Es gibt derzeit keinen anderen mir bekannten Theologen oder Pfarrer in Deutschland, der auf Youtube die Themen Glaube und Film bespielt. Ich bin wohl so etwas wie ein Vorreiter und hoffe, andere inspirieren zu können, einen ähnlichen Weg zu beschreiten und öffentlich im Zusammenhang mit Film über den christlichen Glauben zu sprechen.“ Das Medium Film sei ein guter Zugang, um Glauben und Religion tiefer zu verstehen und gleichzeitig auch Filme tiefer zu verstehen. „Filme können ein Fenster zu Gott sein. Bei mir war es jedenfalls so.“

Gefragt nach aktuellen Beispielen, wo Kinofilme besonders gut Geschichten aus der Bibel widerspiegeln, nennt Fink unter anderem „The Death of Robin Hood“, der im Juni herauskam. Der Streifen mit Hugh Jackman in der Hauptrolle handle von Schuld und Vergebung sowie die Sehnsucht nach Erlösung. Er spiele den größten Teil in einem Kloster, so Fink. „Zudem ist das Thema Feindesliebe in dem Film wichtig.“

Auch den Film „Sechswochenamt“ hebt der Kinofan hervor. Darin gehe es um einen Trauerprozess und den Umgang mit dem Tod und darum, wie die Kirche mit trauernden Menschen umgeht. „Allein der Titel gibt schon die religiöse Thematik vor“, sagt Fink.

Im Film „Solo Mio“, der seit Mai im Kino läuft und in dem der Jesus-Darsteller aus der Serie „The Chosen“ mitspielt, „geht es um eine geplatzte kirchliche Trauung und ums Eheverständnis“, erklärt Fink. „Wir sehen Andrea Bocelli ein Tischgebet sprechen und eine katholische Pferdesegnung in Siena.“ Auch „Mother Mary“, ebenfalls seit Ende Mai im Kino, enthalte sehr viel religiöse Symbolik und christliche Ikonographie.

Fink ist auch über seinen Youtube-Knal hinaus einer größeren Medienöffentlichkeit bekannt. Aufmerksamkeit erregte der Geistliche im Jahr 2016, als er die Reality-TV-Darstellerin Daniela Katzenberger und Lucas Cordalis bei Bonn vor laufender Kamera traute. Der Traugottesdienst wurde live auf RTL II im Fernsehen übertragen. Fink hat bereits Musik aufgenommen und Rap- und Poetry-Slam-Videos produziert.

Zudem ist er als Elvis-Imitator aufgetreten und wurde deswegen bereits „Kanzel-Elvis“ genannt. Im Sommer 2016 veröffentlichte er sein erstes Musikvideo mit dem Titel „Dein Gott“ auf Youtube. Fink ist auch als Filmpfarrer beim Radiosender RPR1 aktiv, schreibt Kolumnen für die „Tagespost“ und veröffentlichte ein Buch mit dem Titel „Hallo Welt, hier Kirche. Von einem, der auszog, den Glauben zu rocken“.

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