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Wenn keine Geschichte zu verrückt ist

Im Netz verbreiten sich immer mehr absurdeste Verschwörungstheorien. Mit „Kritik“ an der Regierung und den Corona-Maßnahmen hat das nichts zu tun. Ein Kommentar von Nicolai Franz
Von Nicolai Franz
Verschwörungstheorien haben gerade Hochkonjunktur

Foto: Mohammad Hoseini Rad on Unsplash

Verschwörungstheorien haben gerade Hochkonjunktur

Es ist schon verrückt, was Menschen so alles glauben. Wenn man dem Vegan-Koch Attila Hildmann folgt, planen dunkle Mächte die ultimative neue Weltordnung, um uns zwangszuimpfen und Chips zu implantieren. Vorne dabei: die „Kinderfresser Soros, Bill Gates, Henry Kissinger, Clinton etc“ und ihre „Regierungsschergen Merkel, Kurz (AT) und co.“. Diese wollten die Weltbevölkerung auf 500 Millionen Menschen reduzieren. Als Beleg für diese Geheiminformation nennt Hildmann ausgerechnet eine öffentliche Wikipedia-Seite. Die Nähe zu judenfeindlichen Stereotypen ist offensichtlich.

Außerdem würden gerade 100.000 US-Soldaten „in den Bunkern unter Europa“ (wo immer die sind) kämpfen, um Kinder vor Pädophilen zu retten. Der Koch weiß auch, wem wir diese gute Tat zu verdanken haben: „Donald Trump, Putin und Xi“. Diverse Verschwörungstheoretiker im Netz waren sich sicher (warum auch immer), dass am 14. oder 15. Mai die neue Weltordnung in Kraft tritt. Dass diese Vorhersage nicht eingetreten ist, scheint die Weltuntergangspropheten nicht zu stören.

In den USA hat sich längst eine weitere Verschwörungstheorie entwickelt, die nun auch nach Deutschland geschwappt ist und bei manchen Corona-Demos Widerhall findet: „QAnon“ oder kurz „Q“. Demnach gebe es ein weltumspannendes satanistisches Netzwerk an pädophilen Triebtätern. Zu ihnen gehörten wichtige Vertreter des sogenannten „Deep State“, eines fiktiven „Geheimstaates“ im Staate, der die Demokratie unterwandert hat und dessen einziger mächtiger Feind der US-Präsident Donald Trump ist. Belege? Fehlanzeige.

Giftiger Cocktail

Seit der Corona-Krise sind immer mehr Prominente, wenn auch in unterschiedlicher Abstufung, auf den Verschwörungszug aufgesprungen. War es die ersten Wochen nach den einschneidenden Corona-Maßnahmen noch sehr ruhig, so scheint es nun umso mehr Aluhutträger zu geben. Die Denke dahinter ist immer dieselbe: Steckt hinter Corona nicht vielleicht doch etwas sehr viel Größeres? Stehen dahinter vielleicht Mächte, von denen wir kaum eine Ahnung haben? Den Massenmedien wird grundsätzlich misstraut, da sie ja Teil der Mächtigen sein könnten. Umso mehr Vertrauen genießen dann die „unabhängigen“ Freigeister, die am heimischen Rechner Videos aufzeichnen. Wer nur auf den „richtigen“ YouTube-Kanal stößt, findet für jede noch so aberwitzige These sendungsbewusste Menschen, die ernsthaft an sie glauben. Das Interessante dabei: Jede Verschwörungstheorie birgt zumindest einen kleinen Teil an Fakten. Diese mischen sich jedoch in einen giftigen Cocktail aus Halbwahrheiten, Spekulationen und blanken Lügen. Auch Christen sind vor solchen Ansichten nicht geschützt.

Der Bibel sind Sensationslust und der Rausch am Mysteriösen zuwider. Im 1. Petrusbrief heißt es: „Darum umgürtet eure Lenden und stärkt euren Verstand, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch dargeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.“ Christen sind der Wahrheit verpflichtet. Das schließt ein, dass sie auch Kritik üben sollen, gerade wenn ihre Meinung nicht populär ist. Vor wilden Spekulationen aber sollten sie sich hüten.

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