Filmkritik

Wenn ein Jude heimlich Katholik werden will

Wie schwierig ist es für einen Juden zum Katholizismus zu konvertieren? Die charmante französische Komödie „Bleib bei uns“ zeigt: für das jüdische Umfeld kommt es einer Katastrophe gleich.
Von Jörn Schumacher
Mensch mit Kippa

Die autobiografische Komödie „Bleib bei uns“, die 3sat am Sonntag um 17:05 Uhr zeigt, handelt von Gad, einem Sohn jüdischer Eltern. Geboren wurde er in Casablanca, um ihn herum wohnten viele Muslime, aber auch Christen. Die Eltern verboten es Gad und seinen Geschwistern strengstens, eine Kirche zu betreten. Doch das verstärkte nur die Neugier. Mit 50 hat Gad ein Problem: Er verehrt die Heilige Jungfrau Maria und möchte zum Katholizismus konvertieren.

Der sehenswerte Film von Gad Elmaleh erschien bereits 2022 unter dem Namen „Reste un peu“ in Frankreich. Elmaleh ist einer der bekanntesten Comedians Frankreichs, für „Bleib bei uns“ schrieb er das Drehbuch, führte Regie und spielt auch die Hauptrolle. Sogar seine Eltern und seine Schwester spielen sich hier selbst.

Da Gad weiß, wie entsetzt seine jüdische Familie von seinen Plänen sein würde, will er seine bevorstehende Taufe geheim halten. Doch die Eltern finden in Gads Tasche eine Marienstatue. Der Vater ruft seiner Mutter zu: „Berühr sie nicht!“, als könne man sich anstecken. Entsprechend holt er sich zuerst Gummihandschuhe, um die Statue genauer zu untersuchen. Die Familie versucht mit allen Mitteln, Gad beim Judentum zu halten.

Doch der trifft sich heimlich mit einer befreundeten Nonne, besucht einen katholischen Priester und zieht sich für eine Zeit in einem Kloster zurück. Es nützt nichts. Er ist vom Katholizismus fasziniert. „Da ist etwas an Jesus…“, sagt er der Nonne. Die erzählte Gad, Jesus Jude war, aber eben auch „der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ Gad: „Er ist Super-Jude!“

Taufe üben im Schwimmbad

Die Geschichte basiert auf einem schon absurden Setting und hat entsprechend viele lustige Szenen zu bieten. Da ist Gad, der heimlich im Bett Übertragungen von Marienprozessionen schaut. Seine Mutter erwischt ihn fast, doch sie denkt, ihr Sohn habe ganz andere Videos angeschaut. „Du kannst schauen, was du willst“, sagt sie. „Wenn es dich entspannt…!“ Da ist Gad, wie er in einem Schwimmbad schon einmal die Taufe mit Untertauchen übt. Sehr nett: Der Bademeister hilft ihm und übernimmt die Rolle des Priesters. Lustig auch, dass einige Rabbiner versuchen, Gad wieder vom Judentum zu begeistern. Und natürlich erinnert seine Familie den abtrünnigen Sohn daran, was die Christen den Juden über die Jahrhunderte alles angetan haben.

Auch über eine Namensänderung denkt Gad nach. Natürlich muss es Jean-Marie sein. So hieß ja auch Jean-Marie Lustiger, der jüdisch war, aber dann konvertierte und sogar Erzbischof von Paris wurde. Aber so hieß eben auch der verstorbene rechtsextreme französische Politiker Jean-Marie Le Pen!

Zwischendurch reflektiert der Comedian Gad das Thema Religion auf der Bühne. Das erinnert ein wenig an die Serie „Seinfeld“, wo auch der jüdische Comedian Jerry Seinfeld sowohl in seinem fiktiven Leben zu sehen ist, als auch dieses Leben auf der Comedy-Bühne reflektiert. Gad erzählt, dass ihm katholische Beerdigungen einfach besser gefallen, da gehe alles so professionell zu! Und warum scheint es für Juden oder Muslime eigentlich einfacher zu sein, offen über ihren Glauben zu sprechen als für Christen?

„Bleib bei uns“ ist ein unterhaltsamer Film, der kurzweilig, aber nicht bösartig Religion thematisiert. Der echte Gad Elmaleh konvertierte übrigens tatsächlich 2022 vom Judentum zum Katholizismus. Da seine Familienmitglieder in diesem Film ihre eigenen Rollen übernommen haben, scheint der Riss in der Realität nicht allzu dramatisch gewesen zu sein.

„Bleib bei uns“, 90 Minuten, Sonntag, 25. Januar, 2026, 17:05 Uhr auf 3sat, danach in der Mediathek

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