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Wenn der Mensch Gott spielt

Chinesische und amerikanische Wissenschaftler forschen an Embryonen, die eine Mischung aus Affe und Mensch sind. Ethiker sind sich uneins: Wie weit darf der Mensch gehen?
Von PRO
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Embryonen von Javaneraffen wurden menschliche pluripotente Stammzellen eingesetzt

Wie das Fachmagazin Cell berichtet, ist es einem chinesisch-amerikanischen Forscherteam um den Wissenschaftler Juan Carlos Izpisua Belmonte gelungen, menschliche Zellen mit den Zellen von Affenzellen zu einem Mischwesen, einer sogenannten Chimäre, zu verbinden. Allerdings bisher nur als Embryo – im Reagenzglas. Die Überraschung: Von den anfänglich 132 Embryonen-Chimären blieben drei sogar 19 Tage nach der Befruchtung noch am Leben. So lange überlebte in der Petrischale bisher kein Mensch-Tier-Zellgemisch. Aus der Cell-Veröffentlichung geht hervor, dass es sich um Grundlagenforschung handelt. Das Ziel sei, später in Schweinen Ersatzorgane zur Transplantation in Menschen zu produzieren.

Aus diesem Vorhaben ergeben sich einige Fragen: Ließe sich so ein Embryo von einer äffischen oder menschlichen Spendermutter auch austragen und zur Welt bringen? Und wenn ja: Was bedeutet dieses Mischwesen für das Selbstverständnis des Menschen? Darf der Mensch überhaupt die Artgrenze überschreiten, sich mit fremden Arten mischen und somit Gott spielen? Wie der Forschungsleiter Izpisua Belmonte sagt, ist die Geburt eines Mischwesen nicht Ziel der Forschung.

Mensch „etwas völlig anderes“ als ein Affe

Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung (FAZ) sagte der Reproduktionsforscher Stefan Schlatt vom Universitätsklinikum Münster, es dürfe bei dieser Grundlagenforschung „keinesfalls die Geburt eines Mischwesens angestrebt“ werden. Im Gespräch mit PRO sagte Schlatt, Chimärenforschung sei sinnvoll, um zu sehen, welche Zelle auf welche Signale wo und wie reagiert.

Aus Sichtweise der Evolutionstheorie seien Artgrenzen fließend, meint Schlatt, der auch katholischer Diakon im Bistum Münster ist. Er sehe aber den Menschen als etwas „völlig anderes“ als einen Affen, den er ansonsten als sehr kluges Wesen schätzt und mit dem er über Mimik auch kommunizieren könne. „Das fordert von mir größten Respekt.“ Aber da „die Evolution nicht zu Ende ist“, könne der Wissenschaftler mit dem Gedanken des Menschen als Krone der Schöpfung wenig anfangen. „Was der Herrgott mit uns vorhat und wo die nächsten Evolutionsstufen sind, das wissen wir einfach nicht“. Dass die Chimärenforschung zum Bösen missbraucht würde, glaubt er nicht, da er an das Gute im Menschen glaube, „sonst wäre mein christlicher Glaube auch hinfällig“.

Wort und Wissen: „Gott-Spielen“-Wollen ist Ursünde

Der Chemiker und Mitarbeiter der evangelikalen und evolutionskritischen Studiengemeinschaft Wort und Wissen (Baiersbronn) Harald Binder sieht das im Gespräch mit PRO anders. Von der Bibel her gesehen rebelliere der Mensch schon von Anfang an gegen seine ihm vom Schöpfergott gegebenen Grenzen. Die Ur-Sünde bestehe laut biblischer Schöpfungserzählung in dem „Gott-Spielen“-Wollen, also darin, dass der Mensch seine Grenzen nicht akzeptiere. Dies ziehe sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. Die Chimärenforschung wäre nur ein weiterer Ausdruck dieser Rebellion gegen göttliche Grenzen.

Binder gibt gegenüber PRO zu bedenken, dass in dieser Forschung ein Menschenbild vertreten würde, dem die Funktionalität am wichtigsten sei. Die „Ganzheit“ des Menschen gehe verloren: „Ich glaube, der Mensch ist mehr als nur ein funktionsfähiges System.“ Binder zufolge gäbe es viele andere medizinisch relevantere Forschungsthemen, aber „obwohl uns niemand zwingt, in diese Richtung zu forschen“, scheine die Chimärenforschung für viele Forscher „unheimlich attraktiv“ zu sein. „Von diesen Bereichen sollten wir eher die Finger lassen.“

Auch sei der Mensch mehr als nur ein höher entwickeltes Tier, er sei ein sterbliches und endliches Wesen und müsse sich seiner Begrenzungen bewusst werden – denn schließlich muss er unweigerlich sterben.

Von: Christian Albrecht

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5 Antworten

  1. Wenn der Mensch Gott spielt – möchte der Ton zum Töpfer werden.
    Eine böse Grenzüberschreitung der Menschen.
    L.G. Martin Dobat

  2. Eigentlich nichts Neues. Das hatten wir beim Turmbau zu Babel und dann ganz oft bis heute und jetzt gerade besonders heftig: Sterbehilfe, Klimarettung, Genderismus……

    1. Eine gottlose Gesellschaft ist eine grauenvolle Gesellschaft.

      Das hat selbst ein Atheist wie Gregor Gysi erkannt. “Ich glaube zwar nicht an Gott, aber ich möchte auch keine gottlose Gesellschaft”, sagte Gysi dem Berliner “Tagesspiegel”: “Ich fürchte sie sogar.”

  3. Der Mensch hat seit Anbeginn der Menschheit seine von Gott gesetzten Grenzen überschritten und wird es auch weiterhin tun. –
    Es wird Zeit, dass unser HERR Jesus Christus wiederkommt und dem allen ein Ende bereitet, so wie er es vor ca. 2.000 Jahren angekündigt hat.

  4. 1. Kommentar zu Diakon Schlatt: es ist weder christlich noch biblisch, an das Gute im Menschen zu glauben. Das ist einfach “nur” humanistisch. Biblisch ist: “… das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.” (1. Mo. 8, 21)
    Das heißt, wir Menschen bekommen das hin, aus Erfindungen, die Gute bringen sollten, Böses zu machen. Eine Liste aufzuschreiben, ist hier nicht nötig.
    2. Eigentlich ist es so, “dass Gott ein jedes Tier nach seiner Art schuf”. Daraus schlussfolgere ich, dass Artgrenzen nicht überschritten werden können. Aber auch zu diesem Forschungsbereich scheint ein Kommentar Gottes zu gelten: “… nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.” (1. Mo. 11, 6) Auch wenn es das Ziel ist, “Ersatzorgane in Schweinen zu züchten” (z.B. ein Dialysepatient, der auf eine Spenderniere angewiesen ist und nun schneller eine auf ihn ‘zugeschneiderte’ Niere bekäme), bekommen wir Menschen das hin, auch diese Entdeckung zu missbrauchen und mir fallen da einige Science-Fiction-Szenarien ein.
    3. Kommentar zu “„Gott-Spielen“-Wollen ist Ursünde”: ist eine Interpretation des Textes in 1. Mo. 3. Dort steht: “… dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.” Erst Gott kommentiert diese Situation: “Und Gott der HERR sprach: Siehe, der Mensch ist geworden wie unsereiner …” Es gibt offenbar nur wenige Grenzen, die wir Menschen nicht überschreiten können.
    4. Ich bin begeistert davon, was wir Menschen in der Lage sind zu schaffen. Die jüngsten Ereignisse um die Bekämpfung von Corona sind ein Beleg dafür. Zu hoffen, dass alle Entdeckungen dem Guten dienen, ist sicher ein frommer Wunsch.

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