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Wehrbeauftragte erwartet Schub für die islamische Militärseelsorge

Für Christen und Juden stehen in der Bundeswehr eigene Seelsorger bereit. Nicht so für die rund 3.000 Muslime unter den rund 180.000 Soldaten.
Von Norbert Schäfer
Dr. Eva Högl

Foto: Deutscher Bundestag/Screenshot: PRO

Eva Högl (SPD) ist die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages

Am Freitag hat die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Eva Högl (SPD), ihren Bericht im Parlament vorgestellt. Während des 20-jährigen Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan haben 59 Soldaten ihr Leben verloren. „Viele sind verwundet an Körper und Seele zurückgekommen“, erklärte sie. In der schriftlichen Fassung des Berichts hebt Högl auch die Bedeutung der Militärseelsorge hervor.

Dem schriftlichen Bericht zufolge leistet die Militärseelsorge „einen unverzichtbaren, wichtigen Beitrag für die Truppe“, besonders bei Einsätzen im Ausland. Die Militärseelsorger gäben „wertvollen geistlichen Beistand“. Das geschehe „oftmals konfessionsübergreifend, nicht selten auch jenseits des Konfessionellen“.

3.000 muslimischen Soldaten ohne geistlichen Beistand

Anders als ihre Kameraden mit christlichem oder jüdischem Glauben haben die rund 3.000 muslimischen Soldaten aber keinen eigenen Seelsorger in der Truppe. Högl erhofft sich dem Bericht zufolge von der Einführung der jüdischen Militärseelsorge im vergangen Jahr einen Schub für die islamische Militärseelsorge.

Der Bericht verweist darauf, dass islamische Gemeinden anders organisiert seien als andere Religions- und Glaubensgemeinschaften. Beispielsweise würden keine Mitgliederregister geführt. Zudem repräsentierten die in Deutschland bekannten Verbände nicht die Mehrheit der hier lebenden Muslime. Ein zentraler Ansprechpartner stehe deshalb absehbar nicht zur Verfügung.

Rachel: Absolventen des Islamkollegs Osnabrück möglich

Eine Anfrage bei den Fraktionen im Bundestag, wie eine islamische Seelsorge der Soldaten in der Bundeswehr vorangebracht werden kann, blieb mit Ausnahme der Christdemokraten unbeantwortet. Der Fachsprecher für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Rachel (CDU), hält die Einrichtung einer muslimischen Militärseelsorge wegen des fehlenden Körperschaftsstatus der Islamverbände für „nicht ganz einfach“.

Dennoch sollte nach seiner Ansicht für die seelsorgerliche Betreuung schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden. „Damit würden wir den muslimischen Soldatinnen und Soldaten für ihren wertvollen Dienst am Land die notwendige Wertschätzung und Anerkennung zum Ausdruck bringen“, teilte Rachel mit. Als muslimische Militärseelsorger sollten demnach Seelsorger eingesetzt werden, die hier im Land sowie in den Werten des Grundgesetzes beheimatet seien. „Denkbar hierfür wären die Absolventen des Islamkollegs mit Sitz in Osnabrück“, teilte Rachel mit.

Tauber: „Kooperation mit DITIB scheidet aus“

Auch der ehemalige CDU-Generalsekretär und einstige Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Peter Tauber, sieht eine mögliche Lösung mittels „an deutschen Universitäten ausgebildeten islamische Theologen“. Dabei gehe es auch um die Frage, wer die Theologen bezahle und beschäftige. „Eine Kooperation mit DITIB oder anderen Organisationen scheidet aus“, erklärte Tauber auf Anfrage. Wenn es gelinge, ein öffentlich-rechtliches Modell zu schaffen, das in der Bundeswehr funktioniere, könnte sich das auch für die Zivilgesellschaft als tragfähig erweisen. Tauber rechnet jedoch mit Gegenwind der Islamverbände.

Der Major der Reserve plädiert für „eine truppentaugliche Lösung“. In einer belastenden Situation müsse künftig auch für die vielen muslimischen Kameraden ein speziell an sie gerichtetes Angebot vorhanden sein. „Sie dienen Deutschland und darum hat Deutschland eine Fürsorgepflicht ihnen gegenüber“, erklärte Tauber mit Blick auf Muslime in der Bundeswehr. Das schließe auch religiöse Belange ein.

Das Optimum für Tauber, Mitglied im Beirat des Evangelischen Militärbischofs, sind „aufmerksame Vorgesetzte, die ihren Soldatinnen und Soldaten die Ausübung des Glaubens ermöglichen“. Das beinhalte beispielsweise Rücksichtnahme auf Gottesdienstangebote bei der Erstellung der Dienstpläne und regelmäßigen Austausch mit den Religionsvertretern.

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