Das christliche Medienmagazin

Warum über “Die Hütte” so heftig diskutiert wird

Es geht schnell an die Substanz: Dass die Diskussion über das Buch "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott" besonders auf Internetforen derart verbissen geführt wird, war kaum zu erwarten – und ist daher um so erschütternder. Kritiker warnen in Stellungnahmen vor einem "falschen Gottesbild", das "Die Hütte" vermittele, andere Leser haben die Geschichte mit Gewinn gelesen. Ein Kommentar zu den Kommentaren. 
Von PRO
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Was eigentlich wollte William Paul Young, der Autor des Romans "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott", mit seinem Werk bezwecken? Nun, dem 53-Jährigen geht es um die Frage, warum Gott im Leben von Menschen unermessliches Leid "zulassen" kann. Es ist eine gewichtige Frage, die wie keine andere ein Potential des Zweifelns birgt und Menschen in ihrem Leben umtreibt. Schon das Wörtchen "zulassen" ist ein Begriff, um den sich die Geschichte in dem Buch immer wieder dreht. Ist es tatsächlich so, dass Gott Dinge zulässt, dass er nicht eingreift, wo wir Menschen es doch erwarten, verlangen? Young widmet sich all diesen Gedanken und liefert überraschende Antworten. Er lässt den Hauptprotagonisten des Romans, Mack, in einer Szene in die Rolle des Richters schlüpfen, der Gott auf die Anklagebank setzen darf. Unerschütterlich werden alle Zweifel und Vorwürfe geäußert – und eindrücklich beantwortet.

Es ist nicht nur diese Szene, die zahlreiche Leser des Buches bewegt – so zumindest wird das in Foren und Leserbriefen zum Buch deutlich. Auf www.wochenende-mit-gott.de, einem Internetblog zum Buch, der von ERF Online und dem Christlichen Medienmagazin pro initiiert wurde, schreiben Leser Sätze wie diese: "Ich habe ‘Die Hütte’ in weniger als 48 Stunden durchgelesen. Ein unglaublich berührendes Buch. Eine ‘Theologie fürs Herz’. Sie transportiert nicht nur biblische Wesensmerkmale Gottes direkt ins Herz, sondern legt auch persönliche wunde Punkte behutsam frei." Die Mehrheit der Beurteilungen zu dem Roman ist positiv, andere Leser äußern sich gar noch lobender über die Geschichte.

"Gotteslästerlich"

Doch es gibt auch die Kehrseite, die der Kritiker des Buches. "Also, ich kann nur raten, davon die Finger weg zu lassen. Gott, den Vater, als Frau dazustellen, ist reine feministische Theologie und gotteslästerlich. Außerdem vertritt dieses Buch eher die Allversöhnungsgedanken… Außerdem wird einfach erzählt, dass Sünde keine Konsequenzen nach sich ziehe." Andere schreiben öffentlich von einem "weichgespülten Evangelium", das das Buch vertrete, wieder andere sind entsetzt, dass in dem Roman das Gericht Gottes zu wenig thematisiert werde.

Nun können und müssen Diskussionen über "Die Hütte" geführt werden, auf welchen Foren und in welchen Magazinen auch immer. Leser müssen sich über ihre Ansichten austauschen, Christen ihre Reaktionen auf das Buch äußern. Solche Diskussionen sind wichtig und normal, in diesem Fall sogar zwingend. Doch was bei der "Hütte" auffällt, ist die Art und Weise, wie Meinungen über das Buch aufeinanderprallen und geäußert werden. Kritiker sprechen Lesern, die den Roman mit Gewinn gelesen haben, einen fundierten Glauben ab. Andere meinen, in dem Roman werde ein "falsches Gottesbild" gezeichnet, wieder andere wollen "New Age"-Aspekte entdeckt haben – und warnen daher davor, das Buch überhaupt zu lesen.

Sachliche Ebene verlassen

Auf sachlicher Ebene geführte Debatten sind – wie gesagt – richtig und wichtig. Doch die Diskussionen wurden etwa auf dem oben erwähnten Blog derart heftig geführt, dass zwei Forenbereiche geschlossen wurden. "Einige User (haben) den Blog dafür benutzt, … andere zu diffamieren oder … sich über sie lustig zu machen. Egal, ob es sich dabei um intolerante Kritiker des christlichen Glaubens handelt oder um Christen, die ihre Weltsicht auf intolerante Art und Weise vertreten: Solches Verhalten bildet unserer Meinung nach keine Grundlage für echten und ehrlichen Austausch", heißt es zur Begründung.

Nun gibt es sicherlich zahlreiche Bücher, die sich mit der Frage nach dem Leid befassen und in guten, sachlichen Abhandlungen schlüssige Antworten geben. Sie alle erklären einleuchtend, warum Gott einerseits voller Liebe zu den Menschen ist, andererseits die Auswirkungen des Bösen in der Welt nicht verhindert. William Paul Young aber wollte kein Sachbuch schreiben, in dem er sich rein theologisch mit der Frage befasst. "Die Hütte" ist das Gegenteil eines Sachbuches – das Buch ist ein Roman. Keine Szene in der Geschichte entspricht der Realität, kein Satz muss als Fakt genommen werden, der mit Fußnoten belegbar ist. "Die Hütte" ist eine von Young frei erfundene Erzählung, die Menschen freilich ins Nachdenken bringen, aber ihnen kein neues Gottesbild aufzeigen will. Der Roman will kein wie auch immer geartetes "neues Evangelium" erfinden – einige Kritiker werfen ihm genau das vor, indem sie der "Hütte" ein "Wohlfühlevangelium" diagnostizieren.

Mit ähnlichen Argumenten und einer identischen Denkkategorie ließe sich "Rosamunde Pilcher"-Romanen eine Beschönigung der zwischenmenschlichen Beziehungen vorwerfen – und Frauen (und einige Männer) müssten vor dem Lesen solcher Geschichten gewarnt werden. Dass aber "Rosamunde Pilcher" keine sozialwissenschaftliche Studie der Realität ist, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Genauso wenig ist "Die Hütte" ein theologisches Fachbuch.

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