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Vor 500 Jahren: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Auch dieser berühmte Satz hat Mitte April 500. Jubiläum. Martin Luther kam am 16. April 1521 nach Worms, um am Rande des Reichstages seine revolutionären theologischen Thesen zu verteidigen. Worms würdigt das historische Ereignis in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen.
Von Jörn Schumacher
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Vor 500 Jahren hatte Martin Luther vor dem Kaiser und den Fürsten die Möglichkeit, seine Thesen gegen den Ablasshandel zu widerrufen. Er tat es nicht.

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Mit diesen Worten soll sich Martin Luther vor dem Wormser Reichstag geweigert haben, seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel zurückzunehmen. Dass er sie wirklich so gesagt hat, ist eher unwahrscheinlich. Doch mit dem Auftritt des jungen Theologie-Professors aus Wittenberg brach das Zeitalter der Reformation an und veränderte die Welt für immer. Luthers Verteidigungsrede vor Kaiser Karl V. und den Fürsten in Worms gilt als Schlüsselmoment der Kirchengeschichte. Denn die vielbeachtete Rede sorgte erst recht dafür, dass die Reformation sich über die Welt ausbreitete.

Luther war von der Kirche wenige Wochen zuvor mit dem päpstlichen Kirchenbann belegt worden. Damit auch die weltlichen Autoritäten gegen den Reformator vorgehen und seine Schriften verbieten konnten, musste auch der Kaiser die Reichsacht aussprechen. Die Mehrheit der Fürsten wollten den Reformator anhören, und Luthers sächsischer Landesherr Kurfürst Friedrich der Weise setzte durch, dass Luther seine Thesen vor dem Reichstag erläutern und verteidigen durfte. Als Luther am 16. April 1521 in Worms ankam, begrüßte ihn eine jubelnde Menge von über 2.000 Menschen. Schon auf dem Weg machte Luther Station in Erfurt, Gotha und Eisenach und hielt Predigten.

Eigentlich stand Luther nicht auf Tagesordnung des mehrere Monate andauernden Reichstages. Und der gerade erst 19-jährige Kaiser Karl, der zugleich spanischer König und Herrscher über ein Imperium war, in dem die Sonne nicht unterging, lud Luther am 17. April auch nicht vor den Reichstag, sondern in den Bischofssitz, wohl auch um die Aufmerksamkeit gering zu halten und den reichsrechtlichen Status des Treffens offen zu lassen. Luther bekam die Möglichkeit, seine Thesen zurückzunehmen, doch der erbat sich zunächst eine Bedenkzeit aus.

Schon am nächsten Abend machte Luther klar, dass er nicht widerrufen werde. „Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Es sei denn, dass ich mit Zeugnissen der Heiligen Schrift oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen widerlegt werde, denn ich glaube weder dem Papst noch den Konzilen allein, weil es offensichtlich ist, dass sie oft geirrt und sich selbst widersprochen haben. Gott helfe mir. Amen.“

Luther wird entlassen, jedoch nicht verhaftet, da ihm der Schutzbrief für 21 Tage freies Geleit zusichert. Doch Luther war von da an „vogelfrei“, was bedeutete dass ihm keine Behausung gewährt werden durfte, und nach seinem Tode durfte er nicht bestattet werden, sondern den Vögeln und Wölfen zum Fraß überlassen. Der böhmische Reformator Jan Hus, der ähnliche Thesen wie Luther verkündete, war 100 Jahre zuvor als Häretiker auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Heute erinnert an dem Ort, wo Luther seine berühmte Rede hielt, eine Platte im Boden an das Ereignis. Und noch heute verleihen die Lutherstädte alle zwei Jahre den Preis „Das unerschrockene Wort“ an Personen, die bereit sind, „für unerschrockenes Auftreten Unbill in Kauf zu nehmen“.

„Reformatorische Bewegung bekam Rückenwind“

Volker Leppin, Professor für Kirchengeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen, betont: „Dass Luther unter dem Druck der politischen Kulisse nicht einknickte, sondern, wie er betonte, beim Wort Gottes blieb, das war ein Signal, das ihn für die Zeitgenossen in die Reihe der christlichen Heiligen und Märtyrer stellte.“ Daraus, so Leppin, habe die reformatorische Bewegung „Kraft und Rückenwind“ gewonnen. Der Theologe erklärt gegenüber pro, Luther sei einerseits als Ketzer verurteilt worden und habe demnach keinen allgemeinen Rechtsschutz mehr gehabt. Andererseits habe er Geleitschutz genossen. „Allerdings wussten wiederum er selbst und die Zeitgenossen auch, dass es schon einmal einen Kirchenrebellen gegeben hatte, der auf die Schutzzusage eines Königs vertraut hatte und dennoch umgebracht wurde: Jan Hus, der 1415 verbrannt wurde“, fügt der Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Tübingen hinzu.

Auf die Frage, ob das Jubiläum des Wormser Reichstags in diesem Jahr ausreichend gewürdigt wird, antwortet Leppin: „Wir haben 2017 große Feierlichkeiten zum Jubiläum der Reformation gehabt – und es ist gut, dass Worms eine Art Widerhall dazu darstellt.“ Es sei wichtig, dass solche Ereignisse dazu genutzt werden, „über uns, über Religion in Deutschland und auch über die Spaltung der Kirche nachzudenken“, so Leppin.

Die Worte „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen“ habe Luther „ziemlich sicher“ nicht gesagt. Die tatsächlichen Worte seien auch viel angemessener: „Gott helfe mir. Amen.“ Leppin: „Das ist dann nicht ein trutziger Luther, den der deutsche Nationalismus im 19. Jahrhundert für sich vereinnahmen konnte, sondern ein Suchender, der in der größten Not allein noch auf die Hilfe Gottes vertraut.“

Hohe Gäste in Worms

Anlässlich des Jubiläums zu „500 Jahren Wormser Reichstag“ sollte am 16. April 2021 Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Worms kommen. Doch aufgrund der Corona-Situation wird er nur eine Videoansprache halten. Außerdem haben sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, angekündigt. Die Feierlichkeiten beginnen mit einem Festakt am Freitag um 16 Uhr; die Moderation übernimmt die ZDF-Journalistin Petra Gerster. Auch der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, der Bischof des Bistums Mainz, Peter Kohlgraf, der Oberbürgermeister der Stadt Worms, Adolf Kessel, sowie der Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann gestalten den Festakt mit. Das ZDF überträgt den Festgottesdienst am Sonntag, den 18. April, ab 9.30 Uhr aus der Wormser Magnuskirche.

Am 24. April wird der Luther-Preis „Das unerschrockene Wort“ 2021 verliehen. Auch die Nibelungen-Festspiele widmen sich in diesem Jubiläumsjahr vom 16. Juli bis 1. August dem Thema Luther. Sie zeigen in einer Uraufführung das Stück „Luther“ von Lukas Bärfuss an Originalschauplätzen. Am 3. Juli wird zudem die Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest – 1521 bis 2021“ in Worms eröffnet. Die EKD hat anlässlich des Jubiläums ein spezielles Themenheft veröffentlicht.

Luther im TV

Der SWR erinnert in mehreren Fernsehsendungen an die Wormser Rede Luthers. Der Sender streamt die Online-Veranstaltung des Festaktes live aus dem Wormser Kultur- und Tagungszentrum. Außerdem wird es am 17. April ab 23 Uhr eine Multimedia-Inszenierung auf dem Wormser Marktplatz geben: Die Dreifaltigkeitskirche wird dabei zur großen Leinwand. Dazu wird es Gespräche und Einspielfilme geben, die sich mit Luthers Zeit in Worms befassen.

Das berühmte Luther-Zitat „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ wird auch ein Schwerpunkt der SWR-Sendung „Landesart“ am Sonntag, 18. April 2021 um 18:45 Uhr sein. Im Mittelpunkt steht dabei die Multimedia-Inszenierung, ein Ensemble mit bekannten Schauspielern wie Rufus Beck, Isaak Dentler und Barbara Stollhans wird die Geschichte darstellen.

Der SWR sendet zum am Sonntag, den 11. April um 18:45 Uhr den Film „Bekannt im Land – Luthers Sternstunde: Reichstag Worms Anno 1521“. Am Samstag, den 17. April um 22:35 Uhr wird die Dokumentation „Der Luther-Moment – 500 Jahre Wormser Reichstag“ ausgestrahlt, sowie um 23:40 Uhr den Spielfilm „Luther“ aus dem Jahr 2003 mit Joseph Fiennes, Peter Ustinov und Bruno Ganz.

Der Wormser Dom zeigt anlässlich des Jubiläums eine Auswahl von Luther-Bildern des Berliner Künstlers Harald Birk. In den Bildern zeige sich „ein sehr vielgestaltiger Luther: der überzeugte Theologe, der streitbare Reformator, der leidenschaftliche Kämpfer, aber auch der Mensch, der mit seinem Glauben und seinem Gott ringt“, teilte Probst Tobias Schäfer vorab gegenüber der Presse mit. „Bilder von Luther“ ist vom 10. April bis zum 13. Juni im Wormser Dom zu sehen.

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2 Antworten

  1. Eigentlich muß sich die gesamte Kirche und alle ihre Mitglieder zumindest 1 x im Jahr darüber freuen , daß der Christ Dr. Martin Luther vor über 500 Jahren den Mut aufbrachte , gegen die mächtigste Institution “Kirche” anzugehen und 95 Thesen aufschrieb, um die biblischen Botschaften, die die Kirche eigentlich wahrheitsgemäß verkünden sollte, wieder auf die reine Schrift, auf die 66 Bücher der Bibel zurückzuführen. Es wäre auch interessant in Erfahrung zu bringen ob alle damaligen Thesen Luthers umgesetzt wurden oder ob immer noch einige im Schwebezustand stehen und noch nicht abgearbeitet sind ?
    Wenn heut zu Tage , über 500 Jahre nach Luther, die Kirchen-Nachrichten kritisch gelesen werden, könnte die Meinung entstehen, es müßte wieder ein Prediger nach Luther- Art aufstehen und den Mut haben, wieder Thesen zur Zeit , an die Kirchentüren der großen Konfessionen zu nageln !

  2. Von den gegenwärtigen Vertretern der EKD würde ich mir folgendes Statement wünschen “hier stehe ich und kann auch anders “

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