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Meinung

Von Leitern und Halbleitern

Jürgen Mette sinniert über Lieferketten, Mikrochips – und das, was wirklich trägt.
Von Jürgen Mette
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Foto: PRO/Jürgen Mette

Wir leben in einer „Wer hätte das gedacht?“-Phase, findet Jürgen Mette

Ich kann Ihnen nicht erklären, was Halbleiter sind. Es geht schon mal nicht um Fehlkonstruktionen von Haushaltsleitern. Eine halbe Leiter könnte den Nutzern Schaden zufügen. Obacht mit Halbleitern. Ich weiß nur, dass den Produktionsleitern der Autoindustrie der Mangel an Halbleitern große Sorge bereitet. Denn diese in Mikrochips verbauten Festkörper sind derzeit Mangelware, im Gegensatz zu Kartoffelchips. Nicht auszudenken, wir müssten auf diese fettig scharfen Knabbereien während der Sportschau verzichten. Aber wenn die Halbleiter für jede digital gesteuerte Produktionsanlage unverzichtbar sind, dann gehen überall die Chips aus. Die Mikrochips, die den Airbag auslösen, die die Kaffeemaschine steuern und unsere Mobiltelefone einsatzbereit halten.

Silizium-Waffeln für die Chip-Produktion, das klingt lecker, ist es aber nicht. Kein Auto, keine Maschine kommt mehr ohne Halbleiter aus. Doch diese Chips sind knapp wie nie. Nun ächzen ganze Industriezweige. Bei BMW, VW, Opel und Audi stehen bereits die ersten Räder still, weil die Lieferketten zusammenbrechen. Die Analysten rechnen mit Auswirkungen bis 2023. Der Erwerb von Neuwagen bricht zur Zeit kräftig ein. 

Entschuldigung, verehrte Ostler unseres Landes, aber das riecht ein wenig nach DDR-Wirtschaft. Wenn es keinen Zement gab, dann wurde eben solange kein Beton angemischt, bis es wieder Zement gab. 

Wir leben in einer „Wer hätte das gedacht?“-Phase. Rohstoffkosten steigen, Fahrrad-Komponenten aus Fernost steckten im Container im Suezkanal fest. Kürzlich warnte mich mein Facharzt, dass es zu Lieferengpässen bei meinen lebensnotwendigen Medikamenten kommen könnte. Und die Energiekosten explodieren gerade zu. 

Die Medien verbreiten das Schreckensszenario vom kalten Winter. Und ich checke meine Brennholzvorräte und denke an die Flüchtlinge aus dem Süden und bleibe an diesem Bibelzitat hängen: Bittet darum, dass eure Flucht nicht im Winter geschehe (Matthäus 24,20). So betrachtet kommt eine Gelassenheit über mich, gerade jetzt zur Regierungsbildung.

Mitten in allem, was in Bewegung ist, befindet sich das Zentrum der Geschichte, Jesus, der Erlöser. Damit ist das Halbleiterproblem nicht gelöst, aber dürfen wir auch in dieser Lage vertrauen lernen. Ich bete um Weisheit für die Sondierungsgespräche, für die Experten in Forschung und Produktion. Übrigens steht seit Menschengedenken auf dem Vordach der Grabeskirche in Jerusalem eine ziemlich wacklige Leiter, eine Halbleiter, die von jeder Bauaufsicht aus dem Verkehr gezogen würde.

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3 Antworten

  1. Das Deutschland von heute lebt eben noch in der digitalen Steinzeit. Schön zu erkenne daran, das selbstgrundlegende Begriffe wie “Halbleiter” hierzulande offenbar nicht zum Allgemeinwissen zählen. Und das obwohl der Transistor bereits vor 100 Jahren erfunden wurde.
    Das Deutschland im digitalen Jahrtausend über keine eigene nenneswerte Halbleiter-Fertigung verfügt, ist ein Armutszeugnis sondergleichen. Selbst in der Mangelwirtschaft der DDR war es vor 40 Jahren möglich, Mikroprozessoren selbst herzustellen.

  2. Nett Herr Mette, aber wäre es nicht wert gewesen vor dem geistlichen Schluss die Frage zu stellen warum die DDR teilweise mehr Kontrolle über die Lieferketten gehabt hat wie wir heute? Und dass der Grund dafür die Gier ist, indem man so viele möglich billig aus China einkauft?

  3. Danke für den Hinweis, lieber Matze. Ich befürchte nur, dass die Energiepreise uns zwingen, billig einzukaufen. Gesunde Ernährung muss teuer bleiben. Im Bereich Konsum aus Fernost ist noch viel Luft nach oben.
    JM

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