US-Medienverband will „evangelikal“ aus Namen streichen

Die „Evangelical Press Association“ denkt über einen neuen Namen nach. Der Begriff „evangelikal“ werde in den USA zunehmend politisch statt theologisch verstanden. Die geplante Umbenennung findet nicht nur Anklang.
Von Norbert Schäfer
Eine USA-Fahne, im Hintergrund eine Kirche

Die „Evangelical Press Association“ (EPA) will das Wort „evangelical“ aus ihrem Namen streichen. Der Vorstand des US-amerikanischen Verbandes christlicher Medienschaffender schlägt vor, ihn in „Christian Communicators Network“ (Netzwerk christlicher Kommunikatoren) umzubenennen. Die rund 300 Mitglieder des Verbandes können darüber bis zum 7. Oktober abstimmen.

Grund für den Vorstoß ist die veränderte Wahrnehmung des Wortes „evangelikal“. Der Begriff sei zunehmend mit politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Vorstellungen verbunden, die seine theologische Bedeutung überlagerten, erklärte der EPA-Vorstand. „Christlich“ sei dagegen ein Begriff, der weltweit verstanden werde. An der theologischen Ausrichtung des Verbandes soll sich nichts ändern.

Studie: Viele Evangelikale nennen sich nicht evangelikal

Die geplante Namensänderung hat auch mit sinkenden Mitgliederzahlen zu tun. Mark Dreistadt, Berater des EPA-Vorstandes, sagte dem Religion News Service (RNS), der Verband wolle neue Mitglieder gewinnen. Dabei habe sich gezeigt, dass es Christen gebe, die theologisch zum evangelikalen Spektrum gehörten, sich selbst aber nicht mehr als „evangelikal“ bezeichneten.

Eine von der EPA in Auftrag gegebene Untersuchung aus dem Jahr 2024 bestätigt dies. Befragt wurden Protestanten, deren Überzeugungen zu Jesus Christus, der Bibel und der Weitergabe des Glaubens einer Definition der National Association of Evangelicals entsprachen.

61 Prozent dieser Befragten bezeichneten sich selbst als evangelikal. 39 Prozent taten das nicht – obwohl ihre Glaubensüberzeugungen der zugrunde gelegten evangelikalen Definition entsprachen.

Noch deutlicher fällt die Einschätzung der Außenwirkung aus: Nur 24 Prozent waren der Ansicht, dass die amerikanische Öffentlichkeit den Begriff „evangelikal“ positiv wahrnimmt. 27 Prozent gingen von einer negativen Wahrnehmung aus.

Politik überlagert Theologie

In den USA ist „evangelikal“ nicht nur eine theologische Bezeichnung. Der Begriff dient auch zur Beschreibung einer politischen Wählergruppe. Vor allem weiße Evangelikale gelten laut einer PEW-Studie als wichtige Wählerbasis der Republikanischen Partei und von US-Präsident Donald Trump.

Die geplante Namensänderung stößt auch auf Widerstand. Kritiker der Namensänderung halten es für falsch, den Begriff aufzugeben. Der Journalist Mark Kellner argumentiert, „evangelikal“ habe eine klare theologische Bedeutung. Das Wort verweise auf das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus Christus. Die derzeit starke politische Aufladung des Begriffs sei dagegen eine vorübergehende Erscheinung.

Auch Bonnie Kristian, stellvertretende Chefredakteurin von „Christianity Today“, will gegen die Umbenennung stimmen. Sie sieht noch ein anderes Problem: Der vorgeschlagene Name „Christian Communicators Network“ klinge nach einem breiten Zusammenschluss christlicher Medienschaffender. Tatsächlich wolle die EPA ihre bisherige evangelikale Glaubensgrundlage aber beibehalten. Kristian empfindet es als „ziemlich unhöflich, unseren katholischen und orthodoxen Glaubensgeschwistern vorzugaukeln, wir würden sie einladen, Teil von etwas zu sein, wenn wir das in Wirklichkeit gar nicht tun.“

Kristian hält die Bezeichnung „evangelikal“ deshalb weiterhin für sinnvoll. Sie beschreibe eine bestimmte Strömung des konservativen Protestantismus und sei nicht mit einer politischen Parteizugehörigkeit gleichzusetzen. „Wenn wir über diese große Gruppe von im Allgemeinen eher konservativen, theologisch konservativen Protestanten sprechen wollen, die weder Pfingstler noch Angehörige der Mainline-Kirchen sind, brauchen wir einen Begriff für diese Leute“, zitiert RNS Kristian, und weiter: „Und das ist der passendste, den wir haben.“

Die Evangelical Press Association wurde 1948 gegründet. Ihr gehören heute rund 300 christliche Medien und Medienschaffende an. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem „Christianity Today“, das Magazin „Decision“ der Billy Graham Evangelistic Association und der „Christian Chronicle“.

In eigener Sache

Auch die Herausgeberin dieses Angebotes, die „Christliche Medieninitiative pro“ (PRO), trug in der Gründerzeit den Begriff „evangelikal“ im Namen. Der Verein wurde 1975 als „Konferenz Evangelikaler Publizisten“ gegründet, 1999 zum „Christlichen Medienverbund KEP“ und 2019 schließlich zur „Christlichen Medieninitiative pro“.

„Als der Verein 1975 als ‚Konferenz Evangelikaler Publizisten (KEP)‘ gegründet wurde, war ‚evangelikal‘ als theologische Einordnung eine ziemlich präzise Beschreibung dessen, woher wir kamen und wofür die ,KEP‘ stand“, erinnert PRO-Geschäftsführer Christoph Irion.

Mit der Zeit sei der Begriff aber in der Öffentlichkeit weniger differenziert verwendet und zugleich missverständlicher geworden. „Heute wird ‚evangelikal‘ häufig nicht zuerst theologisch verstanden, sondern verweist oft auf bestimmte Milieuprägungen oder gar eine politische Orientierung: In Medien finden sich oft verengte Deutungen, das zeigt gerade der Blick in die USA sehr deutlich“, erklärt der Journalist und Medienprofi, und weiter: „Unsere Arbeit hat aber seit vielen Jahren eine weiter gefasste Orientierung: Wir wollen Christen in den Medien vernetzen, wir wollen beitragen, dass christliche Themen ins öffentliche Gespräch kommen und Menschen mit ganz unterschiedlichen kirchlichen Hintergründen erreichen.“

Deshalb habe sich die einstige „Konferenz Evangelikaler Publizisten“ bereits vor mehr als 25 Jahren in „Christlicher Medienverbund KEP“ umbenannt, später in „Christliche Medieninitiative pro“. Irion: „Es ging darum, einen Namen zu finden, der nicht unnötig verengt, sondern gut beschreibt, was wir tatsächlich tun. Unsere theologische Verortung an der Glaubensbasis der Deutschen Evangelischen Allianz wurde dabei nie angetastet.“

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