US-Medienaufsicht verschärft Regeln für Politiker-Interviews

Wenn Politiker zukünftig in US-Talkshows interviewt werden, müssen Gegenkandidaten die gleiche Sendezeit erhalten. Kritiker sehen darin eine Kampagne gegen liberale Medien – doch auch konservative Sender wäre betroffen.
Von Martin Schlorke
Radiosendung

Die US-Medienaufsichtsbehörde (FCC) hat strengere Regeln für Talkshows, die Politiker interviewen, angekündigt. So müssen Sendungen künftig in Wahljahren auch gegnerischen Kandidaten eine vergleichbare Sendezeit einräumen, teilte die Behörde mit. „Jahrelang gingen die etablierten Fernsehsender davon aus, dass ihre Shows als echte Nachrichtensendungen gelten – selbst, wenn sie aus rein parteipolitischen Zwecken handelten“, sagte der FCC-Vorsitzende Brendan Carr.

Seit 2006 war es Praxis, dass die Sender Interviews mit Politikern in Talkshows als redaktionelle Nachrichteninhalte behandelten. Dadurch waren sie von der „Equal Time“-Regel ausgenommen. Diese legt fest, dass amerikanische Radio- und Fernsehsender allen konkurrierenden Kandidaten für öffentliche Ämter die gleichen Sendebedingungen- und zeiten gewähren müssen. Nun erklärte die FCC, dass es keine Belege dafür gibt, dass Talkshows die Kriterien für eine Ausnahmeregelung erfüllten.  

Laut „New York Times“ bestünde weiterhin die Möglichkeit, eine Ausnahmeregelung für Interviews zu beantragen. Carr deutete jedoch bereits an, dass Ausnahmeregelungen nicht „leichtfertig“ erteilt würden.

Druck von Trump

Der Schritt folgt wiederholtem Druck von US-Präsident Donald Trump auf die FCC, schreibt das „Handelsblatt“. Trump war es auch, der Carr Anfang Januar 2025 zum Vorsitzenden ernannte. Carr wiederrum hatte bereits im Herbst 2025 eine Überprüfung gefordert, ob Talkshows wie „The View“ oder „Jimmy Kimmel Live“ mit ihrer kritischen Berichterstattung über Trump gegen die Regeln verstoßen. Zudem hatte Carr Druck auf den Sender „ABC“ ausgeübt, weil Kimmel sich kritisch über Trump und den Tod des Aktivisten Charlie Kirk geäußert hatte. Daraufhin wurde die Show kurzzeitig abgesetzt.

Kritik an den Plänen äußerte die demokratische Kommissarin der FCC, Anna Gomez. Sie nannte die Anweisungen eine „Eskalation in der andauernden Kampagne der FCC, die Meinungsäußerung zu zensieren und zu kontrollieren“.

Der Medienrechtsanwalt Andrew Jay Schwartzman sieht in der Regulierung die Absicht, bestimmten Talkshows „die Flügel zu stutzen“ und eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Allerdings seien auch konservative Radio- und Fernsehsendungen betroffen und müssten nun ebenfalls der Gegenseite Sendezeit einräumen. Deswegen, erklärt Schwartzman, könne der Schuss auch nach hinten losgehen.

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