US-Evangelikale: Trump soll Gelder für Entwicklungshilfe freigeben

In einem Brief haben sich mehr als 120 prominente US-Evangelikale an Präsident Trump gewandt. Sie fordern, dass die USA mehr als eine Milliarde Dollar für Entwicklungshilfe freigibt. Sonst drohe Millionen Menschen der Tod.
Von Swanhild Brenneke
Entwicklungshilfe Afrika

US-Präsident Donald Trump soll 1,35 Milliarden US-Dollar für die globalen Gesundheitshilfen USAID freigeben. Das fordern mehr als 120 evangelikale Leiter, Autoren und Musiker in einem Brief an die US‑Regierung, berichtet „Christianity Today“.

Der Brief sei am 18. September unter anderem an die Stabschefin des Weißen Hauses, Susie Wiles, geschickt worden. Die 1,35 Milliarden Dollar sind bereits vom US-Kongress bewilligte Gesundheitsmittel und sollen unter anderem für Malaria-, Tuberkulose- und HIV-Programme genutzt werden. Von der Haushaltsblockade wird das Geld aktuell jedoch blockiert. Es wird deshalb befürchtet, dass die Gelder ungenutzt verfallen könnten. Trump hatte im Juli das Aus der US-Entwicklungsbehörde USAID bekannt gegeben. Das bedeutet massive Kürzungen der Zahlungen für viele Gesundheitsprojekte weltweit.

Die Unterzeichner des Briefes fordern nun, dass die Gelder für ihren ursprünglichen Zweck freigegeben werden. Die Schreiber erklären, dass die Mittel letztendlich einem religiösen Auftrag dienten, nämlich „für die Letzten, die Geringsten und die Verlorenen einzustehen“. Sie verweisen auf Kapitel 25 im Matthäusevangelium, wo Jesus dazu auffordert, sich um Hungrige, Durstige, Fremde und Kranke zu kümmern.

Unterzeichner des Briefes sind unter anderem Pastor Samuel Rodriguez, langjähriges Mitglied von Trumps evangelikalem Beraterkreis, Myal Greene, Präsident der evangelikalen Hilfsorganisation World Relief, Saddleback-Church-Gründer Rick Warren und die christliche Musikerin Amy Grant. Auch liberale Evangelikale wie Shane Claiborne, Aktivist und Mitgründer von Red Letter Christians, und Katholiken wie Mary Beth Powers vom Catholic Medical Mission Board, sind dabei.

Anhörung mit 42 Glaubensvertretern

Ins Leben gerufen hat den Brief die US-Beratungs- und Interessenvertretungsorganisation „2030 Collaborative“. Sie setzt sich dafür ein, dass die Interessen der Vereinten Nationen zur weltweiten Bekämpfung von Hunger oder Armut umgesetzt werden – unter anderem durch die Mobilisierung von einflussreichen Führungspersönlichkeiten aus dem religiösen oder privaten Bereich.

Bislang habe das Weiße Haus nicht auf den Brief reagiert, sagte Jenny Dyer, Leiterin von „2030 Collaborative“. In der kommenden Woche gebe es jedoch eine Anhörung im Weißen Haus mit 42 Glaubensvertretern, darunter auch Unterzeichner des Schreibens. Dabei solle es um das Thema „globale Gesundheit“ gehen. Man hoffe, dort auch das Anliegen des Briefs erneut vorbringen zu können.

Nach Medienrecherchen könnte die Einstellung von USAID zu Millionen von Todesfällen weltweit führen. Das Fachmagazin „The Lancet“ sprach in einer Studie von 14 Millionen Menschen, die bis 2030 wegen fehlender Versorgung sterben könnten. Zwei Drittel der Opfer könnten demnach Kinder sein. Die US-Regierung widerspricht dem.

Auch den Kongress beschäftigt mittlerweile das Ende von USAID. Die republikanische Senatorin Susan Collins habe kürzlich einen eigenen Brief geschrieben, unter anderem an Außenminister Marco Rubio und den amtierenden USAID-Verwalter, berichtet „Christianity Today“. Darin fordert sie, dass die Gelder „entsprechend der Absicht des Kongresses zur Bekämpfung von Gesundheitsgefahren eingesetzt werden“.

Trotz der Kürzungen kündigte die US-Regierung im August an, fast zwei Milliarden Dollar für „glaubensbasierte Hilfspakete“ geben zu wollen. Das könnte unter anderem christlichen Hilfswerken wie World Vision und Compassion International zugute kommen.

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