„UNUM24“: Einheit in der Vielfalt

Die Glaubenskonferenz „UNUM24“ will Einheit und Einssein unter Christen unterschiedlicher Konfessionen, Nationen, Altersgruppen und Geschlechter in der gemeinsamen Anbetung Gottes schaffen. Doch ist das überhaupt wirklich möglich?
Von PRO

Die Liste mit Bands und Sprechern wie Bethel Music, Bill Johnson oder dem sächsischen Landesbischof Tobias Bilz verspricht ein buntes Potpourri des Glaubens, sorgte aber bereits im Vorfeld der Konferenz für einige Kontroversen innerhalb und außerhalb der kirchlichen Reihen. Doch die Kritik habe die Veranstalter nur noch enger zusammengeschweißt, wie Initiator Fadi Krikor zur Eröffnung sagt.

Einheit unter Christen bedeute manchmal auch, „den Kaktus zu unarmen“, also den anderen mit allen verschiedenen Meinungen und Ansichten anzunehmen und im anderen „den Christus zu erkennen“. Jede Konfession habe ein Puzzleteil, und erst mit Blick auf Jesus am Kreuz ergebe sich das gesamte Bild in aller Schönheit. Das gemeinsame Fundament in Jesu sei größer als alles Trennende. Auch im Himmel gebe es nur noch eine Braut Christi mit Menschen aus jeder Nation und jedem Stamm. Eine solche große Versammlung unterschiedlicher Christen wie auf der „UNUM“ habe es bisher noch nicht gegeben. Und er ist überzeugt, dass die gemeinsame Anbetung Deutschland und auch andere Länder verändern wird.

Mitinitiator Gerhard Kehl bezeichnet die Olympiahalle als „Zelt der Begegnung“, in dem es möglich sei, unterschiedliche Farben miteinander zu „verknüpfen, nicht vermischen“. Das gilt nicht nur für die unterschiedlich farbigen Konferenzbändchen, sondern auch für die verschiedenen christlichen Konfessionen.

In der Olympiahalle angekommen, bummeln die Massen durch die unterschiedlichen Verkaufsstände mit christlich bedruckter Fairtrade-Kleidung, den CDs der beteiligten Bands oder Angeboten von Gebetshäusern und Jüngerschaftsschulen. Bei der Platzsuche zu Programmbeginn zeigen sich bei aller Einheit dann doch Unterschiede, als bestimmte Plätze für Leute mit vorher bezahlten Reservierungen freigehalten werden.

Leben in „versöhnter Verschiedenheit“

Von diesen organisatorischen Umständen abgesehen schlägt das Herz der Veranstalter und Teilnehmer der Konferenz spürbar für Einheit. Das wird vor allem in den zahlreichen und ausgedehnten Lobpreiszeiten und gemeinsamen Gebeten für Deutschland, die Christen in der arabischen Welt und Europa deutlich.

Auf der Bühne vereinen sich verschiedene Musiker und Bands zur gemeinsamen Anbetung, ohne dass eine Gruppe das alleinige Scheinwerferlicht für sich beansprucht. Vor der Bühne vereinen sich die Stimmen von 6000 Teilnehmern, übrigens die Mehrheit davon in weißer Kleidung. Jeder steht, sitzt, kniet oder liegt mit dem persönlichen Anbetungsstil und -hintergrund individuell vor Gott. Ein faszinierendes, buntes Bild der Vielfalt. Und doch das einer einzigen, großen Kirche. Konfessionen, Nationalitäten, theologische Prägungen spielen in diesen Augenblicken keine Rolle. 

Den Eröffnungsvortrag am Donnerstagabend hält der katholische Theologe Johannes Hartl. Er wundert sich, dass es etwas Besonderes ist, wenn unterschiedliche Christen in Einheit zusammenfinden. Beim Fußball sei es auch normal, wenn alle Fans eines Teams gemeinsam klatschen. Genauso sollten doch alle Christen „im Team Jesus“ sein. Doch auch in der Gesellschaft falle Einheit immer schwerer. Hartl zufolge könne das daran liegen, dass Menschen den Blick auf Gott verlieren. Er verweist auf das deutsche Grundgesetz, das mit den Worten „Im Bewusstsein der Verantwortung vor Gott“ beginnt. Das habe man in Deutschland vergessen.

Die Kirchen müssten wieder mehr über Jesus und nicht „über alles Mögliche“ reden. „Denn das einzig Attraktive an der Kirche ist Jesus“, so Hartl. Jesus selbst betet in Johannes 17,21 am Abend vor seinem Tod um Einheit unter seinen Jüngern, damit „die Welt“ glaubt, dass er von Gott gesandt wurde.

Doch vor der Einheit stehe zunächst die Versöhnung, mit Gott, sich selbst und anderen Menschen. Dieser „Dienst der Versöhnung“, zu dem auch Paulus aufruft (2. Korinther 5,11), sei eine der zentralen Aufgaben von Christen. Die Einheit, die dann mithilfe des Heiligen Geistes entsteht, ermögliche es, in „versöhnter Verschiedenheit“ miteinander zu leben. Diese Einheit betreffe nie nur eine Nation, sondern immer alle Völker. 

Freude im Leid

Bereits am zweiten Konferenztag am Freitag wird es internationaler: Bill Johnson (Redding, USA) und Dr. Cash Luna (Guatemala) nehmen die Zuhörer mit in eine Reihe erstaunlicher und ermutigender Zeugnisse von Wundern, die Gott auf der ganzen Welt tut. Doch auch, wenn Gott Gebete nicht erhört, sei es unsere Aufgabe, ihn zu preisen, erinnert Bill Johnson. Denn unsere „Erfahrung verändert nicht, wer Gott ist; er ist immer noch gut”, sagt Johnson, der vor zwei Jahren seine Frau durch Krankheit verlor.

Das Lob Gottes dürfe nicht abhängig sein von eigenen Erfahrungen. Da es im Himmel keinerlei Leid mehr gebe, sei es ein Privileg hier auf Erden, Gott gerade in schweren und herausfordernden Umständen zu preisen. Dazu müssten wir uns in unserem Herzen entscheiden. Er erinnert an 1. Thessalonicher 5,16–18, der uns auffordert: „Erfreut euch allezeit, betet ohne Unterlass und dankt in allem.“ Das gelte vor allem für Situationen, in denen „Freude nicht unsere natürliche Reaktion“ ist. 

Dr. Cash Luna betont in seinem Impuls die Wichtigkeit des Heiligen Geistes. Häufig werde er als „dritter Platz in der Dreieinigkeit“ betrachtet und nicht als gleichrangig mit Gott, dem Vater, und Jesus, dem Sohn. Dabei sei er es, der uns erfülle, führe und bevollmächtige. Der Geist sei bereits da gewesen, noch bevor Gott sprach: „Es werde Licht.“ Er habe Maria zuerst erfüllt, bevor sie mit Jesus schwanger wurde. Und der Wunsch des Heiligen Geistes sei es, echte Gemeinschaft und Intimität mit jedem Menschen zu haben.

Sowohl der Impuls von Johnson als auch das sehr charismatisch-pfingstlerisch inspirierte Gebet inklusive „Lachen und Umfallen im Heiligen Geist“ von Luna sorgen trotz aller Einheit für unterschiedliche Reaktionen, je nach eigener theologischen Prägung. In diesem Moment fühlte sich vielleicht der ein oder andere doch nicht so eins mit den anderen Teilnehmern. 

Dennoch zeigen bereits die ersten beiden Tage der Konferenz, dass Einheit unter Christen möglich ist. Dass der Fokus auf Jesus alle spaltenden theologischen Differenzen, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede überwinden kann. 

Von: Lisa-Maria Mehrkens

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