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Theologe: „Wir wollen helfen, die Stadt und ihre Kultur zu verändern“

Der Theologe Axel Nehlsen gehört zur deutschen Delegation auf der „Hope for Europe“-Konferenz der Europäischen Evangelischen Allianz. Im Gespräch mit pro berichtet der Berliner darüber, welche Ideen er selbst in die Bewegung einbringen konnte und welche anderen europäischen Großstädte ihn inspiriert haben.
Von PRO
Axel Nehlsen gehört mit zur deutschen Delegation bei der Tagung der Europäischen Evangelischen Allianz

Foto: Debora Ruppert

Axel Nehlsen gehört mit zur deutschen Delegation bei der Tagung der Europäischen Evangelischen Allianz

Herr Nehlsen, Sie haben für viele Jahre die ökumenisch ausgerichtete Arbeit „Gemeinsam für Berlin“ geleitet. Welche Erfahrungen haben Sie auf der Konferenz eingebracht?

Nehlsen: Als Berliner haben wir gemeinsam mit einem schottischen Pastor und einem Kollegen aus Hamburg die Arbeitsgruppe vorbereitet, die sich mit dem Gedanken der Netzwerke in Großstädten befasst. Wir haben unsere eigenen Erfahrungen aus Berlin eingebracht. Die Arbeitsgruppenteilnehmer waren aus 16 europäischen Städten von Ost bis West und Nord bis Süd, die natürlich ganz unterschiedliche Voraussetzungen haben. Wir haben inhaltlich diese Schwerpunkte gesetzt: 1. Der Stadt dienen, 2. Für die Stadt beten, 3. Zusammenarbeit und Vernetzung und 4. Die Stadt und deren Kultur verändern.

Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus der Arbeit in anderen europäischen Großstädten mit?

Beeindruckt haben mich besonders die Beiträge von Roger Sutton, der das britische Gather-Netzwerk der dortigen Allianz leitet. In Großbritannien ist die Bewegung schon in 130 Städten aktiv. Aber auch andere Länder konnten ermutigende Beiträge liefern. So waren die evangelikalen Gemeinden in Kiew vor dem Krieg völlig uneins. Der äußere Druck hat sie zusammengeschweißt. Vor wenigen Tagen haben sie dort ein riesiges evangelistisches Projekt inklusive Gebetsmarsch durchgeführt. Wir Hamburger und Berliner haben auf den interkulturellen Aspekt des Miteinanders verwiesen, im Umgang mit anderen Ethnien. Das ist in anderen Städten nicht so ausgeprägt wie in Deutschland.

In Europa ziehen immer mehr Menschen in die Ballungsräume. Welche Bedeutung hat das für die Arbeit der Evangelischen Allianz, die ja in Deutschland überwiegend in der Fläche stattfindet?

Die typischen Stadt-Allianzen sind in Deutschland eher schwach. Aber es gibt sie auch hier, oft verbunden mit den „Gemeinsam für“-Netzwerken, neben Berlin etwa in Nürnberg, Chemnitz oder Hamburg. In den thematischen Tracks ging es darum, auch die dortigen Erfahrungen zu nutzen und weiterzutragen, etwa in der Arbeit mit Sinti und Roma oder gegen Menschenhandel. Hier gibt es natürlich deutliche Unterschiede im europäischen Bereich, aber diese Gesellschaftsbereiche haben wir auch in den Blick genommen.

Gibt es greifbare Ergebnisse der Konferenz, etwa in Form einer europaweiten Evangelisation?

So etwas ist nicht geplant. In erster Linie ging es um den thematischen Austausch. Für eine größere geplante Evangelisation sind die Voraussetzungen wahrscheinlich auch zu unterschiedlich.

Politisch könnte man meinen, dass der europäische Gedanke schwindet. Wie beobachten Sie das auf der kirchlichen Ebene? Kocht jeder sein eigenes Süppchen?

In Gesprächen mit den Briten erleben wir immer wieder große Betroffenheit. Sie bitten uns, weiter für sie zu beten und haben uns zugesagt, auch nach dem Brexit die Idee der Europäischen Evangelischen Allianz zu unterstützen. Insgesamt ist hier auf der Konferenz ein großes Bewusstsein vorhanden, die Herausforderungen gemeinsamen zu meistern.

Welche Bedeutung messen Sie dem sozialen Engagement in der Europäischen Evangelischen Allianz (EEA) bei, damit sie als Bewegung zukunftsfähig bleibt?

Der sozialdiakonische Bereich hat hier in vielen Arbeitsgruppen eine wichtige Rolle gespielt. Hier muss man sagen, dass die Allianzen in den anderen Ländern teilweise engagierter sind als in Deutschland. Wir als deutsche Delegation mit rund 35 Teilnehmern sind hier auch Lernende.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Dr. Johannes Blöcher-Weil.

Vom 8. bis zum 13. Oktober treffen sich im estnischen Tallin mehr als 300 Vertreter nationaler Evangelischer Allianzen aus 37 europäischen Ländern. Die Konferenz der Europäischen Evangelischen Allianz (EEA) unter dem Motto „Hope for Europe“ hat zum Ziel, die nationalen Initiativen der Evangelischen Allianz auf europäischer Ebene noch besser miteinander zu vernetzen. Zur deutschen Delegation gehört auch der Theologe Axel Nehlsen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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