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Theologe Hahn: Kirchen sollten sich in Debatte um ARD und ZDF äußern

Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, kritisiert das Schweigen der Kirchen in medienpolitischen Debatten. Schließlich seien sie auch in den Aufsichtsgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vertreten.
Von Norbert Schäfer
Udo Hahn

Foto: Haist/eat archiv

Udo Hahn ist Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing. Von 2005 bis 2011 leitete er das Referat Medien und Publizistik der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing, Udo Hahn, fordert die Kirchen auf, sich wirkungsvoll in die Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einzubringen. Es sei „höchste Zeit, dass sie im Diskurs um den Auftrag und die künftige Ausgestaltung des Modells Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk sichtbar werden“, schreibt Hahn in einem Beitrag für das Fachmagazin epd medien. Die Kirchen dürften „die Weichenstellungen nicht allein der Politik überlassen“.

Der Theologe, der von 2005 bis 2011 das Referat Medien und Publizistik der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitete, kritisiert: „Wenn nicht alles täuscht, sind die Kirchen in den medienpolitischen Debatten – von Einzelstimmen abgesehen – kaum mehr vertreten. Dabei war Medienpolitik einst eine Domäne der Kirchen. Die EKD hat 1996 ihr letztes publizistisches Gesamtkonzept vorgelegt.“

Kirche vertritt Hälfte der Bevölkerung

Hahn verweist auf die Medienaktivitäten der evangelischen Kirche, die unter anderem die Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst (epd), das Magazin chrismon und die Filmgesellschaft Eikon betreibt. Dennoch sähen sich viele Vertreter der Kirche in den Aufsichtsgremien von ARD und ZDF offenbar nicht als Experten. Hahn warnt: „Dieser Befund – so steht zu befürchten – wird für die Kirchen nicht ohne Folgen bleiben.“

So habe die Debatte an Fahrt aufgenommen, ob die Kirchen, die in den Rundfunkräten drittstärkste Kraft sind, dauerhaft diese Position behalten können. Argumentiert werde unter anderem mit der größer gewordenen religiösen Vielfalt. Gegen den Einfluss der Kirchen werde auch ins Feld geführt, dass die Zahl ihrer Mitglieder nur noch knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmache, schreibt Hahn. Er gibt zu bedenken: „Welche andere zivilgesellschaftliche Kraft kann für sich in Anspruch nehmen, dass die Hälfte der Bevölkerung bei ihr Mitglied ist?“

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Angesichts des Vorwurfs der Vetternwirtschaft und der mangelnden Kontrolle beim RBB hat die Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems zuletzt an Fahrt aufgenommen. Zahlreiche Politiker haben sich mit Reformvorschlägen zu Wort gemeldet, verschiedene Neuregelungen im Medienstaatsvertrag sind in der Planung. In dieser Debatte wäre es wichtig, dass die zivilgesellschaftlichen Kräfte ihre Stimme im medienpolitischen Diskurs erheben, schreibt Hahn.

Der Rundfunkrat ist bei einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt jeweils das oberste Aufsichtsgremium. Er kontrolliert die Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags und die Offenheit des Zugangs zum Programm für verschiedene gesellschaftlich relevante Gruppen. Der Rundfunkrat hat bei der Programmgestaltung beratende Funktion. Er setzt sich aus Vertretern verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zusammen, die im jeweiligen Rundfunkstaatsvertrag (RStV) benannt sind.

Das Gremium soll einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Dazu entsenden Gewerkschaften, Frauenverbände, Kirchen und Parteien Vertreter. Der Rundfunkrat des ZDF – dort wird das Gremium als Fernsehrat bezeichnet – setzt sich beispielsweise aus insgesamt 60 Vertretern zusammen. Dazu gehören unter anderem zwei Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), zwei der Katholischen Kirche und ein Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland.

Von epd/Norbert Schäfer

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3 Antworten

  1. Sehr gut. Eine massive Medienkritik, die oft auf dem linken Auge blind sind ist überfällig

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    1. Ich sehe vorwiegend ZDF. Dabei ist mir aufgefallen, dass sehr oft (manchmal so wie nebenbei – aber es ist nicht nebenbei. Es würde auch ohne diesen Kommentar gehen) der christliche Glaube schlecht dargestellt wird. Das ist richtig auffällig. Das ist nicht in Ordnung für einen öffentlich rechtlichen Sender und sehr ärgerlich. Was machen da die Vertreter der Kirchen?

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  2. Danke Udo Hahn. Etwas verschämt wird verschwiegen, dass beim Eklat um den RBB kirchliche Vertreter ihre Aufsichtspflicht grandios versäumt haben. Wo bleibt die positive Beeinflussung der kirchlichen Vertreter in diesen Gremien?

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