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„Terra X“- Glaube gegen Wissenschaft

Lange hat sich die Kirche gegen Erkenntnisse der Wissenschaft gesträubt. In einer „Terra X“-Dokumentation schildert das ZDF am Leben Galileo Galileis den Kampf um die Deutungshoheit der Welt.
Von Norbert Schäfer
Galileo Galilei vor der Inquisition im Vatikan 1632
Ein Gemälde von Joseph Nicolas Robert-Fleury stellt Galileo Galilei dar, als der 1632 wegen des Vorwurfs, das kopernikanische System gelehrt zu haben, vor der Inquisition im Vatikan erscheinen musste

Der italienische Universalgelehrte Galileo Galilei war als Wissenschaftler Anhänger des Astronomen Nikolaus Kopernikus. Der hatte behauptet, nicht die Erde sei das Zentrum der Welt, sondern drehe sich wie alle anderen Planeten um einen Punkt nahe der Sonne. Theologen brandmarkten die Idee als ketzerisch, denn es ging um die Deutungshoheit der Kirche und ihren Machterhalt in dem vom Dreißigjährigen Krieg gebeutelten Europa.

Galilei galt mit seinem unnachgiebigen Eintreten für das revolutionäre Weltbild als Unruhestifter und wurde wegen des Verdachts der Ketzerei und seines Ungehorsams gegen die Kirche angeklagt. Im Büßerhemd musste er vor der Inquisition seiner Überzeugung abschwören und wurde erst 1992 von der Kirche offiziell rehabilitiert.

Die Spaltung zwischen Wissenschaft und Glaube, die der Prozess gegen Galilei begründete, prägt die Welt bis heute. Die „Terra X“-Dokumentation unter dem Titel „Galileo Galilei – Revolutionär der Wissenschaften“ erzählt am Sonntag, 12. September 2021, ab 19.30 Uhr, die Geschichte über die Untrennbarkeit von Wissenschaft, Macht und Moral. Die Sendung ist laut einer Presseinformation des ZDF ab Mittwoch in der Mediathek abrufbar.

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9 Antworten

  1. Dass Galileo Galilei durchaus eine schillernde Persönlichkeit, auch mit fragwürdigen Charaktereigenschaften war, das ist lange bekannt.

    Doch es hilft alles nichts. Kritik an Galilei scheint vergebliche Liebesmüh. Er ist die heilige Kuh der Moderne geworden, auch wenn die Inquisition auf die Bitte Papst Benedikt XIV. schon im Jahr 1741 den Druck der Gesamtausgabe seiner Werke ohne Abstriche gestattete.
    https://www.welt.de/kultur/history/article110550586/Galileo-Galilei-uebereifrig-skrupellos-verwildert.html

    Oder eben auch dies:
    “Manchmal genügt da einfach ein gutes Gedächtnis. „Erstens: Für alle Himmelskreise gibt es nicht nur einen Mittelpunkt,” hatte schon im Jahr 1507 ein gewisser Domherr Koppernigk in Heilsberg im Ermland geschrieben. Und weiter: „Zweitens: Die Erde ist nicht der Mittelpunkt der Welt. Drittens: Alle Planeten umkreisen die Sonne als ihren wahren Mittelpunkt. … Sechstens: Die Sonne dreht sich nicht um die Erde, sondern umgekehrt.”
    Und so weiter und sofort.
    Und so weiter und so fort, rund 100 Jahre vor Galilei.”

    und

    “Galileis private Briefe offenbaren in dieser Zeit ein Delirium kranker Selbstüberschätzung: „Was wollt denn ihr, Herr Sarsi, da es doch mir allein vergönnt war, alles Neue am Himmel zu entdecken, niemand anderem als mir allein!“

    Und in einem Brief an seinen Freund Diodati beschwört er „den Himmel, die Welt, das Universum, das ich durch meine wunderbaren Beobachtungen und klaren Beweisführungen hundertfach, ja tausendfach mehr als jeder Weltweise aller vergangenen Jahrhunderte erweitert habe“.

    Und kein Gramm Humor. Anders als bei Erasmus kein Milligramm Selbstironie.”
    https://www.welt.de/kultur/history/article1564612/Warum-die-Inquisition-im-Fall-Galilei-Recht-hatte.html

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    1. Und trotzdem war er der Erste, der durch wissenschaftliche Methoden die Sonne in den Mittelpunkt unserer Weltvorstellung stellte.
      Nikolaus Kopernikus fehlten die Instrumente, um seine These auch mit wissenschaftlichen Mitteln zu belegen. Pech, aber so läuft Geschichte manchmal.
      Aus Ihrem Kommentar klingt diese typisch religiöse schwarz-weiß Denkweise heraus: Entweder ist perfekt, oder er ist schlecht. Aber der persönliche Charakter von Galilei ist vollkommen irrelevant für seine Entdeckung.

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  2. Lieber Christian,
    mit der Persönlichkeit von Galilei habe ich mich nie befasst. Kritik an seiner Person ist selbstverständlich erlaubt und manche seiner Entdeckungen wurden in der Tat schon zuvor von anderen gemacht. Doch selbst wenn Galilei sich hoffnungslos selbst überschätzt hat, rechtfertigt das nicht den Umgang der damaligen Kirche mit ihm. Das Aufkommen der Aufklärung – die geschichtlich in Verbindung mit der Reformation gesehen werden muss – ist nicht verwunderlich. Sie hat dem kirchlichen Machtanspruch zu Recht Grenzen gesetzt.

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    1. “Kritik an seiner Person ist selbstverständlich erlaubt”?
      Anscheinend nicht.

      Und diese aktuelle Cancel-Culture mit ihren Sprach-/Denkverboten heute macht mir größere Sorge, als eine vor 500 Jahren getroffene Entscheidung der Inquisition (von der zumindest Galilei nur mit Samthandschuhen angefasst wurde).

      So sieht nämlich die heutige Intoleranz aus:
      Weil Joseph Ratzinger 1990 in einem Vortrag in Parma es wagte, an ein Zitat (s.u.) des österreichischen Philosophen Feyerabend zu Galilei zu erinnern, verwehrten rund 30 Jahre später (im Januar 2008) ein Netzwerk hyperventilierender Studenten mit 67 Dozenten Benedikt XVI. einen „unangemessenen Besuch“ in der römischen Universität Sapienza, die von dessen Vorgänger Bonifatius VIII. im Jahr 1303 gegründet worden war.
      Der Papst hatte hier eine Rede gegen die Todesstrafe halten wollen. Der Hysterie um die Causa Galilei wegen sagte er den Besuch dann ab.

      Zitat des agnostisch-skeptischen Paul Feyerabend, 1976, in seiner Streitschrift „Wider den Methodenzwang“:
      „Die Kirche zur Zeit Galileis hielt sich viel enger an die Vernunft als Galilei selber, und sie zog auch die ethischen und sozialen Folgen der Galileischen Lehren in Betracht. Ihr Urteil gegen Galilei war rational und gerecht, und seine Revision lässt sich nur politisch-opportunistisch rechtfertigen.“

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      1. Sprach- und Denkverbote gab es von der Kirche. Verstöße gegen diese Verbote endeten auf dem Scheiterhaufen. “Cancel Culture” der brutalen Sorte.
        Und auch heute ist es noch so, dass du in manchen Dörfern ausgegrenzt und gemobbt wirst, wenn du Kritik am Christentum übst.
        Selbstverständlich darfst du Galilei kritisieren. Das ist in unserer Verfassung garantiert. Zu behaupten, man dürfe das nicht, ist schlicht ein Lüge. Aber genau so ist es in unserer Verfassung garantiert, dass man mit dieser Kritik nicht einverstanden sein muss.
        Demokratie ist nämlich keine Einbahnstraße.

        Wir haben weniger eine “Cancel Culture”, als eine “Consequence Culture”. Du kannst jeden Mist frei äußern, musst aber dann halt damit rechnen, dass die Menschen sich von dir abwenden.
        Andererseits will ich ganz offen sein: Es ist gut, inhumanen Mist zu “canceln”.

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  3. Immer wieder, auch hier, hat man den Eindruck, dass die über Galilei Schreibenden glauben, Bertholt Brechts Theaterstück “Leben des Galilei” gebe die geschichtlichen Tatsachen wider.

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  4. Wer ist heute Galileo ? jedenfalls nicht alle die Leute, die das unumstößlich richtige Lagebild zu haben meinen, natürlich “wissenschaftlich”…
    “Wissenschaftlich” hat die Bedeutungsbreite von “sauber, selbständig, methodisch, logisch….denken”, bis
    “Mainstream der bisher fehlgeleiteten, Mächtigen”…
    heute, wie damals!

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    1. Vielleicht sollten Sie sich besser mit den Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit beschäftigen, als mit der Wortherkunft. Dann verstehen Sie vielleicht auch, dass Wissenschaft nichts mit Mainstream (oder den Mächtigen, was immer Sie damit auch meinen) zu tun hat.

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  5. Lieber Christian, wenn Sie Galileo herabwürdigen und die Inquisition verteidigen möchten, dann sprechen wir eben über Giordano Bruno. Die Inquisition verteidigen zu wollen reicht für mich an Holocaustrelativierung heran.

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