Am Samstag haben in Berlin rund 3.000 Menschen für mehr Lebensschutz und gegen Abtreibung demonstriert. Aufgerufen dazu hatte der Bundesverband Lebensrecht. Begleitet wurde die Versammlung von zahlreichen Gegenprotesten.
Als Redner trat in diesem Jahr der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer der Christdemokraten für das Leben (CDL), Hubert Hüppe, auf. Dabei holte Hüppe zum Rundumschlag gegen Politik und Krankenkassen aus und kritisierte den Umgang mit vorgeburtlichen Bluttests auf bestimmte Formen der Trisomie, etwa dem Down-Syndrom. Diese Tests sind seit Juli 2022 Kassenleistung.
Aus Sicht von Hüppe sei ungeborenes Leben mit Behinderung besonders schutzbedürftig. Doch anstatt dieser Verantwortung nachzukommen, habe die Politik eine „Selektierung“ ermöglicht. Dieser Test hätte niemals zugelassen werden dürfen, sagte Hüppe. Und weiter: „Ein Staat ist nicht inklusiv, wenn er 60 Millionen Euro für einen Trisomie-Bluttest ausgibt, um Menschen zu selektieren.“ Das habe mit Medizin nichts zu tun. „Eine Krankenkasse soll heilen, nicht selektieren.“
Gegenprotest wie in jedem Jahr
Hüppe sprach sich zudem dafür aus, dass Menschen mit Behinderung besser in die Gesellschaft integriert werden sollten. Wenn Kinder mit Behinderung in die gleiche Kita oder auf die gleiche Schule wie alle anderen Kinder gehen würden, „gäbe es diese Phobie vor behinderten Menschen nicht“.
Die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA), Cornelia Kaminski, kritisierte anschließend den Umgang mit Leihmutterschaft. Diese sei in Deutschland aus gutem Grund verboten. Unverständnis äußerte sie gegenüber den CDU-Politikern Jens Spahn und Hendrik Streeck. Diese sind in diesem Jahr jeweils mithilfe von amerikanischen Leihmüttern Väter geworden.
Wie in jedem Jahr gab es auch am Samstag zahlreichen Gegenprotest. Aufgerufen hatten dazu verschiedene Gruppen. Nach Angaben der Polizei blieb der Protest friedlich.