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Studie: Deutsche Eltern schlagen zu

Der "Klaps auf den Po" ist in deutschen Familien ein gängiges Erziehungsmittel. Und das, obwohl die meisten Väter und Mütter die körperliche Züchtigung im Nachhinein bereuen und als ineffektiv einstufen. Das hat eine Erhebung der Zeitschrift "Eltern" ergeben.

Von PRO

Foto: Jean B. (fotolia)

"Die körperliche Züchtigung verschwindet nicht", sagte der "Forsa"-Chef Manfred Güllner bei der Vorstellung der Studie "Gewalt in der Erziehung" in Berlin. Seine Gesellschaft hatte im Auftrag der Zeitschrift "Eltern" erhoben, was sich in deutschen Kinderzimmern abspielt. Demnach ist Gewalt in der Erziehung keine Seltenheit. Rund 40 Prozent geben immer wieder einen "Klaps auf den Po", 10 Prozent ohrfeigen ihre Kinder und 4 Prozent "versohlen" ihnen den Hintern. Weitere gängige Strafen sind "laut werden", Verbote aussprechen und Auszeiten verordnen. Dennoch ging der Anteil derer, die Züchtigen, im Vergleich zu 2006 leicht zurück. Für die Erhebung hatte Forsa 1.003 Deutsche befragt, die mit einem höchstens 14-jährigen eigenen Kind im Haushalt leben.

Eltern schlagen aus Überforderung

Mädchen werden laut Studie seltener körperlich bestraft als Jungs. So geben 39 Prozent der Eltern von Mädchen immer wieder einen "Klaps" und 45 Prozent der Eltern von Jungen. Letztere bekommen sogar doppelt so häufig den Hintern versohlt wie Mädchen. Eltern von drei oder mehr Kindern ohrfeigen doppelt so häufig wie Einzelkind-Eltern und geben häufiger einen "Klaps auf den Po". Oliver Steinbach, Redakteur bei "Eltern", macht dafür eine Überforderung vieler Eltern verantwortlich. Es handle sich häufig um Väter und Mütter, "die alles richtig machen wollen" und einen "wachsenden Druck durch die Arbeitswelt feststellen". Zunehmend sähen sich Eltern mit einer kinderunfreundlichen Umwelt konfrontiert. Ein weiteres Ergebnis: Wer selbst geschlagen wurde, gibt das häufig an seine Kinder weiter.

Als Gründe für Bestrafungen gaben die Befragten an, ihre Kinder seien "unverschämt", hätten nicht gehorcht oder sich aggressiv gegenüber den Eltern gezeigt. Die pädagogische Wirkung körperlicher Sanktionen schätzte lediglich ein Drittel als effektiv ein. Ein schlechtes Gewissen haben aber rund drei Viertel der Befragten anschließend. "Die meisten Eltern fühlen sich schrecklich nach einem Klaps", sagte Oliver Steinbach.

In einer zweiten Erhebung haben die Zeitschrift "Eltern Family" und das Institut "Iconkids & Youth" zudem die allgemeine Stimmungslage von 6- bis 12-Jährigen unter 714 Kindern erfragt. Demnach zeigten sich die Kleinen optimistisch: 96 Prozent finden es schön, auf der Welt zu sein, 91 Prozent sagten, sie hätten die besten Eltern, die sie sich vorstellen können, 86 Prozent fühlten sich so in Ordnung, wie sie sind, 84 Prozent glauben, dass sie einmal genug Geld verdienen werden, um davon leben zu können und 76 Prozent wollen später selbst eine Familie. Axel Dammler von "Iconkids & Youth" erklärte, Optimismus sei wie "Treibstoff, der die Kinder antreibt".

Medienflut erfasst auch Kinder

Dennoch gaben 71 Prozent an, es gebe viele Erwachsene, die keine Kinder mögen. 69 Prozent glauben, Erwachsene kümmern sich zu wenig "um unsere Umwelt und die Tiere". Der Aussage, "Politiker sagen, sie wollen helfen, tun es aber nicht", stimmten 68 Prozent zu. 76 Prozent wünschen sich, dass Kinder "nicht mehr so gemein zueinander sind". All diese Werte sind im Vergleich zu einer Befragung vor fünf Jahren erheblich angestiegen. Schuld daran sind laut Dammler auch die Medien. Kinder hätten heute einen kritischerer Blick auf die Welt, schließlich mache die Informationsflut auch vor den Jüngsten nicht halt. Zahlreiche Kinderangebote großer Verlage, etwa die Kinderseite der "Zeit" oder das Magazin "Dein Spiegel", präsentierten ihnen, altersgerecht aufbereitet, Informationen zu Themen wie dem Atomunglück in Fukushima oder Mobbing in Schulen.

60 Prozent der Kinder sagten, sie wünschten sich, erwachsen zu sein. Vor fünf Jahren waren es noch 39 Prozent. Dammler führt das auf einen wachsenden Freiheitsdrang der Kleinsten zurück. Eltern tendierten dazu, sie zunehmend einzubinden und behüten zu wollen. Daraus resultiere ein Wunsch nach Autonomie. Derzeit sind fast die Hälfte der deutschen Kinder Einzelkinder. Knapp ein Viertel der Eltern leben getrennt. Rund drei Viertel der Kinder fordern mehr Zeit mit ihren Eltern, etwa zwei Drittel mehr Freiheit. (pro)

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Eine Antwort

  1. Ich habe noch mit 16 Jahren den nackten Hintern versohlt bekommen, aber so richtig!
    Da gab es noch mit dem Teppichklopfer oder Hosengürtel auf den Nackten!

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