Zwei Jahre nach der Teillegalisierung ist der Konsum von Cannabis einer Studie zufolge nicht gestiegen. „Wenn es der politische Wunsch ist, den Cannabiskonsum zu reduzieren, ist ein erneutes Verbot nicht unbedingt der wirksamste Hebel“, sagte Studienautorin Anna Bindler vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin. Vielmehr sollte man sich Gedanken um Aufklärung und Prävention machen.
Die Zahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Cannabisdelikte ging laut der Studie infolge der neuen Rechtslage auf rund ein Drittel zurück – von fast 174.000 Fällen im Jahr 2023 auf knapp unter 62.000 Fälle im Jahr 2024. Auf anderen Drogenmärkten, insbesondere für Kokain, Crack und Methamphetamin, seien dagegen seit Jahren deutliche Anstiege zu verzeichnen.
Teillegalisierung seit 2024
Seit April 2024 ist unter anderem der Besitz begrenzter Menge Cannabis für Erwachsene in Deutschland nicht mehr strafbar. Nach Einschätzung der Studienautorinnen erklärt die gesetzliche Neuregelung den deutlichen Rückgang der registrierten Delikte, weil viele der zuvor polizeilich erfassten Fälle wie etwa der Besitz und Anbau begrenzter Mengen nicht mehr strafrechtlich relevant sind.
Die Entwicklung, dass der Konsum von Kokain, Crack und Methamphetamin stark ansteige, verlaufe unabhängig von der Cannabisreform und stelle eine zentrale Herausforderung für die Politik dar, sagte Mit-Autorin Andreea-Maria Stoica. „Anders als auf legalen Märkten wie etwa bei Alkohol oder Tabak gibt es keine Steuerungsinstrumente wie Altersbeschränkungen und Steuern.“ Langfristig könnten aber Suchtberatung, Prävention und Aufklärung eine nachhaltige Lösung darstellen.
Die Analysen zum Konsum von Cannabis und weiteren psychoaktiven Substanzen basieren auf den Daten des Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA), einer seit 1980 regelmäßig stattfindenden Umfrage. Die Auswertungen beschränken sich auf Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Der Anstieg des Konsums harter Drogen lässt sich den Angaben zufolge auch an Abwasserdaten ablesen.