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Stephanustag: Kirche gedenkt verfolgter Christen

Am zweiten Weihnachtsfeiertag gedenkt die Katholische Kirche in einem weltweiten Gebetstag der verfolgten und bedrängten Glaubensgeschwister. Der CDU-Politiker Heribert Hirte fordert, dass Thema Christenverfolgung stärker in die Öffentlichkeit zu transportieren. Pfarrer Gottfried Martens beklagt, dass auch hierzulande konvertierte Christen bedroht sind, weil deren Asylanträge immer häufiger abgeleht werden.
Von PRO
Pfarrer Gottfried Martens spricht von systemischem Versagen des BAMF bei der Anhörung christlicher Konvertiten in deren Asylverfahren

Foto: pro/Norbert Schäfer

Pfarrer Gottfried Martens spricht von systemischem Versagen des BAMF bei der Anhörung christlicher Konvertiten in deren Asylverfahren

Am zweiten Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember, gedenkt die Katholische Kirche in einem weltweiten Gebetstag der verfolgten und bedrängten Christen. Der Vorsitzende des Stephanuskreises, Heribert Hirte, hat dazu Forderungen, die über das Gebet hinausgehen, geäußert. „Wir müssen das Thema laut ansprechen, den Verfolgten eine Stimme geben – und zwar nicht nur am zweiten Weihnachtsfeiertag, sondern immer wieder”, teilte Hirte am Freitag in einer Presseerklärung mit. Der Stephanuskreis ist ein überkonfessionelles Gesprächsforum der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, das für Toleranz und Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung eintritt. In der katholischen Kirche gilt der Diakon Stephanus der Jerusalmener Urgemeinde als erster christlicher Märtyrer.

Einerseits sei es den verfolgten Glaubensgeschwistern wichtig zu wissen, dass sie nicht vergessen seien, andererseits „weisen wir so die Feinde der Religionsfreiheit in die Schranken und zeigen, dass wir nicht bereit sind, Einschränkungen dieses Menschenrechtes hinzunehmen”, erklärte der CDU-Politiker. Hirte begrüßte die Initiative des österreichischen Außenminister Sebastian Kurz, der das Thema Christenverfolgung auf die Tagesordnung der OSZE setzen wolle. „Versinken wir angesichts der vielen Probleme auf der Welt nicht in Gleichgültigkeit und Angst, sondern schaffen wir Öffentlichkeit”, schreibt Hirte. Christen, Jesiden und Muslime in Syrien und im Irak kämpften ums nackte Überleben, die „Wiege des Christentums“ drohe ausgelöscht zu werden. Hirte warnte aber auch davor, „angesichts der Zunahme des islamistischen Terrors die falschen Schlüsse zu ziehen”. Über den Missbrauch des Islam müsse geredet werden. Dabei sollten „moderate, aufgeklärte Bestrebungen gläubiger Muslime” gefördert werden. Es gebe keinen Grund, die Religionsfreiheit einzuschränken, „auch dann nicht, wenn der Terror uns mitten ins Herz trifft.“

Christlichen Asylbewerbern droht Abschiebung

In Deutschland müssen nach einem Bericht der Tageszeitung Die Welt vom Freitag konvertierte Christen unter den Flüchtlingen damit rechnen, abgeschoben zu werden. Immer häufiger würden die Asylanträge von konvertierten Christen abgelehnt, berichtet die Zeitung. Nach Angaben von Gottfried Martens, Pfarrer der evanglisch-lutherischen Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz, gleichen die Anhörungen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) Glaubensprüfungen. „Es sind stumpfe Wissensfragen, die da gestellt werden, oft auch noch mangelhaft übersetzt, weil die Dolmetscher sich nicht mit den christlichen Begriffen auskennen”, erklärte Martens gegenüber der Zeitung.

Amt bezweifelt Ernsthaftigkeit des Glaubens

Auf Anfrage von pro erklärt Martens, es handle sich „nicht um kuriose Einzelfälle”. Der Pfarrer sieht vielmehr ein „systemisches Versagen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bei der Anhörung christlicher Konvertiten in ihren Asylverfahren”. Es sei ein Zusammenspiel von Anhörern, die inhaltlich in aller Regel keinerlei Zugang zu dem hätten, worüber sie urteilen sollten, und die zudem oft unter erheblichem Zeitdruck stünden, erklärte Martens. Der Pfarrer spricht gegenüber pro davon, dass Entscheider „in aller Regel die pfarramtlichen Bescheinigungen, die ich verfasse, bewusst ignorieren”. Die Asylverfahren seien für christliche Konvertiten zu einem Lottospiel geworden, bei dem die allermeisten keine Chance hätten. „Selbst Gemeindeglieder, die im Iran schon jahrelang in Hauskirchen aktiv waren und denen ich bescheinigt habe, dass sie schon bei ihrer Ankunft in Deutschland im christlichen Glauben fest zu Hause waren, erhalten mittlerweile in Serie negative Antworten“, erklärt Martens auf Anfrage. Seine Gemeindeglieder verstünden die Welt nicht mehr. In vielen Fällen sind die Flüchtlinge nach Aussage Martens in ihren Heimen wegen ihrer Konversion bedroht und angegriffen worden. „Doch nun wird ihnen bescheinigt, dass sie in Wirklichkeit gar nicht ernsthaft zum christlichen Glauben konvertiert sind, selbst wenn die pfarramtlichen Bescheinigungen das Gegenteil besagen.”

Abschiebung kommt Todesurteil gleich

Markus Rode, der geschäftsführende Vorstandsvorsitzender von Open Doors Deutschland, bestätigte auf Anfrage von pro, dass Entscheidungen bei Asylverfahren im Falle christlicher Flüchtlinge teilsweise schwer nachvollziehbar sind. „Ein ehemaliger Imam aus Pakistan, der zum christlichen Glauben konvertiert war und aufgrund von Morddrohungen anschließend in Deutschland um Asyl bat, hat jetzt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Abschiebebescheid erhalten”, erklärte Rode auf Anfrage. Da der Konvertit die Geschichte seiner Konversion öffentlich gemacht habe, sei der Bescheid des BAMF nicht nachvollziehbar. „Offensichtlich sind die verantwortlichen BAMF-Mitarbeiter völlig unqualifiziert, da sie nicht wissen, dass sie in diesem Fall, wie auch in einer Vielzahl weiterer, de facto mit solchen Bescheiden ein Todesurteil ratifizieren”, erklärte Rode.

Behördenchef zeigt sich kritisch

In einem Onlineartikel der Welt vom Freitag hat der Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Frank-Jürgen Weise, eingeräumt, die eine oder andere Asylentscheidung kritisch zu sehen. Insgesamt habe die Behörde 2016 über 700.000 Fälle entschieden. Davon seien nur wenige zu kritisieren. Die Herausforderung habe darin bestanden, in sehr kurzer Zeit die Asylanträge sehr vieler Menschen in einem geordneten rechtsstaatlichen Verfahren zu bearbeiten. „Das hat allererste Priorität gehabt“, zitiert die Zeitung den Behördenchef. Als Grund, Asylentscheidungen auch kritisch zu sehen, nannte Weise die hohe Zahl der vom BAMF ausgeliehenen Mitarbeiter anderer Bundesbehörden, die noch wenige Fälle bearbeitet hätten. (pro)

Von: nob

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