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Selbstkritik im Bericht des Ratsvorsitzenden

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat bei seinem Bericht vor der Synode in Bonn Selbstkritik geäußert. Junge Menschen sind seiner Meinung nach noch immer unterrepräsentiert in der Kirche.
Von PRO
Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, ist seit 2014 zudem Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Foto: pro/Norbert Schäfer

Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Heinrich Bedford-Strohm, ist seit 2014 zudem Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

In der Bonner Kreuzkirche erklingt ein Lied von Silbermond: „Irgendwas bleibt.” Jugendliche antworten damit auf eine Predigt des Rheinischen Präses Manfred Rekowski. Ein moderner Fernsehgottedienst steht am Anfang der diesjährigen Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) – deren Hauptthema freilich zutiefst traditionell ist: Die Beschäftigung mit dem Reformationsjubiläum.

Aus Sicht des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm war das ein voller Erfolg. Von einem „Vitaminstoß für die geistliche und inhaltliche Erneuerung unserer Kirche”, sprach der Ratsvorsitzende. Bei den vollen Gottesdiensten am Reformationstag habe er gar ein „großes Erntedankgefühl“ verspürt. Dagegen machte die Präses der Synode, Irmgard Schwaetzer, deutlich, dass man sich an zwei Stellen mit Annahmen und Erwartungen auch geirrt habe: „Zum einen hatten wir keine Ahnung, wie viele Menschen sich aufmachen würden nach Wittenberg – da haben wir das Interesse an der Weltausstellung in den Anfangswochen, am Festgottesdienst auf den Elbwiesen und an den Kirchentagen auf dem Weg überschätzt”, sagte Schwaetzer. „Zum anderen haben wir völlig unterschätzt, wie viele Menschen den freien Reformationstag 2017 zum Gottesdienstbesuch nutzen würden.”

Es sei wirklich eine Freude gewesen, 500 Jahre Reformation mit so vielen Menschen gemeinsam zu feiern. Für die derzeit in Bonn tagende Synode sei es jedenfalls eine wichtige Aufgabe, bei den Finanzen des Trägervereins der Wittenberger Weltausstellung und der Kirchentage auf dem Weg Transparenz herzustellen. Und wenn die Synode am Montagnachmittag den Haushalt der EKD debattiert, ist wohl mit einem erheblichen Zuschuss für den Verein zu rechnen.

Kirche soll stärker auf junge Menschen zugehen

Nachdenklich wurde der EKD-Ratsvorsitzende an zwei anderen Stellen: „Die Beteiligung junger Menschen ist angesichts der alarmierenden Befunde über den Traditionsabbruch gerade bei ihnen aus meiner Sicht eine der zentralen Herausforderungen für die Kirche der Zukunft“, sagte Bedford-Strohm. Sie seien in der Kirche noch immer unterrepräsentiert. „Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant.“ Sie hätten nichts gegen die Kirche, fänden ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden in der Regel sogar richtig. Aber dies sei für viele Jugendliche noch kein Grund, sich in der Kirche zu engagieren. Hier müsse die Kirche stärker auf junge Menschen zugehen. Dies gelte auch für den Umgang mit Menschen, die die Position der Kirche im Bezug auf Flüchtlinge nicht teilten. Hier nimmt die Kirche offenbar wahr, dass sie Teile der Bevölkerung nicht mehr erreicht. „Wie können wir heute, in einer pluralistischen Öffentlichkeit, so reden, dass Menschen, die den Aufruf zum Eintreten für Flüchtlinge so nicht teilen können, angesichts unserer Stellungnahmen nicht mit dem Gefühl zurückbleiben, ein schlechterer Mensch oder ein unzulänglicher Christ zu sein, und vielleicht dann zum aggressiven Gegenangriff auf die übergehen, die sie als Gutmenschen empfinden?”, fragte Bedford-Strohm.

„Wenn wir als Kirchen in den vergangenen Jahren um Hilfsbereitschaft für Menschen in Not geworben haben, dann haben wir von Handeln aus Freiheit gesprochen“, sagte Bedford-Strohm. Angekommen sei bei Manchen nur Moral und Gesetz – und das Gefühl, bei innerer Abwehr gegenüber den moralischen Aufrufen selbst als schlechter Mensch da zu stehen.

Von: Josef Seeberger

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