Seelsorge – wenn das Leben kippt

Mehr als vier Fünftel der Deutschen sehen Seelsorge als gesellschaftliche Stütze. Das zeigt eine neue Studie im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Von Norbert Schäfer

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland misst Seelsorge eine hohe Bedeutung bei. Das belegt eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im März 2026 im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) durchgeführt hat. 5.000 Erwachsene wurden online befragt. Das Ergebnis ist deutlich: 81 Prozent betrachten Seelsorge als als „verlässlichen Anker in schwierigen Lebenssituationen“.

Bemerkenswert ist die Reichweite der Angebote. 84 Prozent der Befragten gaben laut einer Pressemitteilung vom Donnerstag an, mindestens eines von sieben abgefragten Seelsorgeformaten zu kennen. Auch unter Konfessionslosen kennen 79 Prozent mindestens eines, bei Angehörigen anderer Religionen sind es sogar 86 Prozent. Besonders bekannt sind Telefon- und Online-Seelsorge (70 Prozent), Notfallseelsorge (66 Prozent) sowie die Krankenhausseelsorge (57 Prozent).

Trauer, Krankheit, Einsamkeit

Wann braucht man Seelsorge? Die Antworten sind wenig überraschend: 83 Prozent derjenigen, die Seelsorge als wichtig einstufen, nennen Trauer als zentrales Anwendungsfeld. Es folgen Krankheit (60 Prozent), psychische Belastungen (55 Prozent) sowie Einsamkeit und familiäre Krisen (jeweils mehr als die Hälfte). Was die Menschen dabei suchen, ist Vertraulichkeit (59 Prozent), menschliche Nähe (56 Prozent) und wertfreies Zuhören (52 Prozent).

Die Studie zeigt Unterschiede zwischen den Gruppen: Frauen halten Seelsorge häufiger für wichtig (83 Prozent) als Männer (70 Prozent). Und während 85 Prozent der 50- bis 64-Jährigen konkrete Vorstellungen vom Angebot haben, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen nur 67 Prozent.

Was die EKD leistet und was das kostet

Die evangelische Kirche setzt nach eigenen Angaben auf Angebote in der Fläche: Mehr als 9.200 Pfarrerinnen und Pfarrer leisten Seelsorge in Gemeinden, mehr als 900 weitere sind in Krankenhäusern, Hospizen und Spezialdiensten seelsorgerlich tätig. Die jährlichen Kosten beziffert die EKD auf rund 190 Millionen Euro. Hinzu kämen zehntausende Ehrenamtliche in Besuchsdiensten, Notfallseelsorge, Telefonseelsorge und Bahnhofsmission.

EKD-Ratsvorsitzende Bischöfin Kirsten Fehrs brachte die Haltung der Kirche auf den Punkt: „Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche.“ Damit stärke sie nicht nur Einzelne, sondern auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Dass Seelsorge gesellschaftlich relevant ist, daran lässt die Studie kaum Zweifel. Auch nicht daran, dass sich die EKD die Seelsorgeangebote einiges kosten lässt. Über die Wirkung, also wie viele Menschen die seelsorgerlichen Angebote angenommen haben und was diese bewirkt haben, gibt die Studie keine Auskunft.

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