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Schweizer stimmen für „Ehe für alle“

Fast zwei Drittel der Schweizer haben am Sonntag für die Einführung der gesetzlich geregelten Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. Die Schweizer Freikirchen hatten sich im Vorfeld dagegen positioniert.
Von Johannes Blöcher-Weil
Das Schweizer Bundeshaus in Bern
Nachdem die Schweizer Bevölkerung sich für die Ehe für alle ausgesprochen hat, müssen die Politiker im Bundeshaus die entsrpechenden Gesetze jetzt auf den Weg bringen.

64,1 Prozent der Schweizer Bevölkerung hat am Sonntag in einem Referendum für die „Ehe für alle“ gestimmt. Damit dürfen bald auch gleichgeschlechtlichen Paaren heiraten. Regierung und Parlament hatten die Initiative unterstützt. Bislang war in der Schweiz eine Eheschließung nur zwischen Mann und Frau möglich. Gleichgeschlechtliche Paaren durften bisher auch kein Kind gemeinsam adoptieren.

Das Land hat seit 2007 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zugelassen. Mit dem Volksentscheid werden künftig alle Paare vor dem Gesetz gleich behandelt. Die Schweizerische Volkspartei und konservative Gruppen hatten sich gegen die „Ehe für alle“ stark gemacht und dabei vor allem mit dem Kindeswohl argumentiert. Kindern würde das natürliche Recht vorenthalten, bei Vater und Mutter aufzuwachsen. Familien mit zwei Vätern oder Müttern könnten die traditionelle Familie nicht ersetzen.

Verbände der Schwulen und Lesben hatten sich in dem Komitee „Ja, ich will“ zusammengeschlossen. Sie verlangen schon seit geraumer Zeit die „Ehe für alle“ als Form der rechtlichen Gleichstellung. Gleichgeschlechtliche Paare und ihre Kinder seien zudem weniger gut gesetzlich abgesichert. Während sich die Evangelisch-reformierte Kirche der Schweiz für die „Ehe für alle“ einsetzte, sprachen sich die katholischen Bischöfe dagegen aus.

Selbstbewusste Stimme auf dem Markt der Weltanschauungen

Auch der Dachverband der Freikirchen hatte im Vorfeld dafür geworben, den Ehe-Begriff weiterhin spezifisch für die Lebensgemeinschaft zwischen Frau und Mann zu verwenden: „Selbstverständlich respektieren wir den Entscheid der Schweizer Bevölkerung. In einer pluralistischen Gesellschaft müssen wir damit leben, dass wir nicht immer die demokratische Mehrheitsmeinung vertreten, wie das diese Abstimmung gezeigt hat“, erklärt Christian Haslebacher, Vizepräsident des Verbands in einer Stellungnahme.

Die Freikirchen würden auch in Zukunft eine selbstbewusste Stimme auf dem „Markt der Weltanschauungen“ bleiben. Es sei ein Risiko, das Fundament einer christlich geprägten Kultur zu verlassen: „Wir vertreten die christlichen Werte im demütigen Bewusstsein, dass auch wir diesen nicht immer gerecht werden. Wir benennen christliche Werte deshalb nicht in einem moralisierenden, belehrenden Sinn, sondern auf Augenhöhe als unsere Stimme in aktuellen Diskussionen.“

Der Dachverband ermutige und fördere seine Mitglieder darin, „sich sozial, politisch und wirtschaftlich zum Wohl der Gesellschaft zu engagieren“. Sowohl eine Staatshörigkeit als auch eine Staatsverdrossenheit sehe der Verband kritisch. Er werde sich aber weiter dafür einsetzen, „christliche Werte im Alltag auszuleben und konkret werden zu lassen“. In einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft gehe es weiter darum, „die Schönheit und Bedeutsamkeit der christlichen Botschaft“ zur Geltung zu bringen.

Nicht das Profil und die Relevanz verlieren

Christen seien keine „Verkäufer“, sondern „Botschafter“ des christlichen Glaubens. Wer diese Botschaft zu stark der Gesellschaft anpasse, verliere sein Profil und seine Relevanz für die Gesellschaft. Der Dachverband der Freikirchen und christlicher Gemeinschaften in der Schweiz ist ein nationaler Kirchenverband mit 20 freikirchlichen Bewegungen aus der Deutschschweiz, zu denen über 750 örtliche Kirchen mit ihren diakonischen Werken gehören.

Auch für die Schweizerische Evangelische Allianz (SEA-RES) gehen diese Schritte zu weit. Sie bemängelt in einer Stellungnahme, dass die Rechte und das Wohl der Kinder zu wenig gewichtet werden. Der demokratische Entscheid sei anzuerkennen. Leider hätten bei dem Votum die Wünsche der Erwachsenen über die Rechte der Kinder gesiegt.

Die Schweizerische Evangelische Allianz wird sich bezüglich kirchlicher Trauung weiterhin für Religions- und Gewissensfreiheit stark machen: „Kirchen, auch öffentlich-rechtliche Kirchen, sollen frei sein, wie bisher die Trauung von Ehepaaren in der Zeremonie zu unterscheiden von anderen Ritualen. Sie sollen nach wie vor auch nur Trauungen für Mann und Frau anbieten können, ohne dass dies einer strafrechtlich relevanten Leistungsverweigerung gleichkommt“, heißt es in der Stellungnahme. Zudem soll Pfarrpersonen in öffentlich-rechtlichen Kirchen die Gewissensfreiheit zugestanden werden.
 
Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA ist eine Bewegung von Christen aus reformierten Landeskirchen, Freikirchen und christlichen Organisationen. In der Romandie tritt der französischsprachige Teil der Evangelischen Allianz als „Réseau évangélique suisse“ RES auf. Die SEA besteht gesamtschweizerisch zurzeit aus 83 Sektionen mit rund 640 Gemeinden und über 230 christlichen Werken. Die Basis der SEA wird auf 250.000 Personen geschätzt.

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