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Schweiz – Kirchen laufen Mitglieder davon

Im vergangenen Jahr haben in der Schweiz mehr als 60.000 Personen ihre Kirchenmitgliedschaft beendet. Am sozialen Engagement der Kirchen liegt der anhaltende Schwund nicht.
Von Norbert Schäfer
Der Anteil religionsloser Schweizer an der Bevölkerung hat sich seit 1970 mehr als verzwanzigfacht

Foto: eberhard grossgasteiger on Unsplash

Von rund 8,7 Millionen Schweizern gehören etwa 5 Millionen einer Kirche an

Mehr als 34.000 Personen in der Schweiz sind im Jahr 2021 aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. So viele wie in keinem anderen Jahr zuvor. Auch die reformierte Kirche in dem Land musste Federn lassen. Rund 28.000 Schweizer haben 2021 dieser Kirche den Rücken gekehrt. Damit blieben die Werte über die letzten Jahre hinweg auf hohem Niveau.

Die Gründe für den Kirchenaustritt hat das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) in einer vertiefenden Analyse der Daten des Bundesamtes für Statistik (BFS) zutage gefördert. Demnach sind der fehlende Glaube und der Mangel öffentlicher Stellungnahmen der Kirche zu gesellschaftspolitischen Themen wesentliche Gründen für den Austritt. Ein weiterer Grund ist die Kirchensteuer. Die Menschen wollten keine Institution unterstützen, deren Werte sie nicht teilten. Gründe für den Kirchenaustritt aus der katholischen Kirche sind auch das Nicht-Einverstanden-Sein mit katholischen Lehrmeinungen zu Homosexualität, der Rolle der Frau in der Kirche, die Auffassung der Kirche zur Abtreibung und das Zölibat.

Von den rund 8,7 Millionen Schweizern gehören zusammen rund 5 Millionen der katholischen oder reformierten Kirche an. Etwa jedes Dritte der verbliebenen Kirchenmitglieder trägt sich jedoch mit dem Gedanken, auszutreten. Das soziale Engagement der Kirchen ist für viele Menschen ohne Glauben ein wesentlicher Grund, überhaupt noch in der Kirche zu bleiben. Die Austrittszahlen bleiben dem SPI zufolge weiter auf hohem Niveau. Einen Gegentrend konnten die Forscher nicht ausmachen.

Der Kirchenaustritt bildet nach SPI-Angaben den Abschluss einer überwiegend „längeren Auseinandersetzung und einem Abwägen über das Gehen aus oder das Bleiben in der Kirche“. Die Studie hat festgestellt, dass „sich die innerliche Distanzierung von der Kirche von Glaubenszweifeln, dem Erscheinungsbild der Kirchen, dem Nicht-Einverstanden-Sein mit kirchlichen Positionen“ im Laufe der Zeit verfestige. Komme zu der Entfremdung eine persönliche Enttäuschung, genüge das als Anlass für den Austritt.

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Eine Antwort

  1. Natürlich liegt es nicht am sozialen Engagement. Nur: Das, soziales Engagement, tun ja Andere auch. Es ist kein Alleinstellungsmerkmal der Kirche, auch nicht der in der Schweiz. Es liegt an der fehlenden Auslegung des Evangeliums! Die Menschen wollen über die biblische Wahrheit aufgeklärt, selbst wenn sie wehtut, wenn sie anspruchsvoll an den Einzelnen herantritt. Die Menschen suchen nach Perspektive für ihr Leben und Sterben, und darüberhinaus…!!

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