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Schmidt-Salomon kritisiert Auftritt al-Tayyebs

Der humanistische Philosoph Michael Schmidt-Salomon hat in einer Diskussionsrunde kritisiert, dass Großscheich Ahmad al-Tayyeb auf dem Kirchentag aufgetreten ist. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au verteidigte dessen Kommen.
Von PRO
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Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon ist Vorstandssprecher der humanistischen Giordanon-Bruno-Stiftung und gilt als Religionskritiker. Er setzt sich unter anderem für die Sterbehilfe ein.
Der Philosoph Michael Schmidt-Salomon ist Vorstandssprecher der humanistischen Giordanon-Bruno-Stiftung und gilt als Religionskritiker. Er setzt sich unter anderem für die Sterbehilfe ein.

Bei einer Podiumsdiskussion des Kirchentags im Festsaal des Roten Rathauses zum Thema „Offene Gesellschaft“ sagte der humanistische Philosoph Michael Schmidt-Salomon, dass „viele von gut gemeinten Dialogen“ über das pluralistische Zusammenleben in der Gesellschaft „Scheindebatten“ seien. Als Beispiel nannte er den Auftritt des Großscheichs der Al-Azhar-Universität in Kairo, Ahmad al-Tayyeb, auf dem Kirchentag. Dieser sprach am Freitag mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) über das friedliche Miteinander verschiedener Religionen.

„Das klang so, als sei er ein Verfechter der offenen Gesellschaft. Aber diese Uni hat Fatwas bestätigt, die für Apostaten, die den Islam verlassen, das Todesurteil vorsehen.“ Bei Dialogveranstaltungen werde nicht Tacheles gesprochen, kritisierte Schmidt-Salomon. An runden Tischen verliere man leicht seine Kanten. Es gebe islamischen Faschismus, „der Tag für Tag Menschen tötet. Wir müsen uns dieser Realität stellen. Menschen, die das tun, werden hier in die rechte Ecke gestellt, wo sie nicht hingehören.“

Feinde der offenen Gesellschaft nicht nur im Islam

Das sei ein Problem von politischer Korrektheit. Diese sei aber nicht das entscheidende Kriterium für ein Argument. „Entscheidend ist, ob es das Kriterium der Rationalität erfüllt. Wenn jemand die Unwahrheit sagt, muss ich sagen: Das ist unwahr. Das ist keine Frage von Intoleranz sondern von aufrechtem Gang.“ Deutschen Politikern warf er eine „rückgratlose Appeacementpolitik gegen rücksichtlose Despoten“ vor, wie gegenüber Saudi-Arabien. Sie würden diesen gegenüber nicht für freiheitliche Rechte eintreten.

Schmidt-Salomon wurde daraufhin aus dem Publikum gefragt, ob er islamophob sei. Er wies daraufhin, dass es verschiedene Traditionen im Islam gebe. „Manche schätze ich sehr, manche bekämpfe ich, weil sie die Menschenrechte verletzen.“ Er betonte, es gebe auch außerhalb des Islam Feinde der offenen Gesellschaft, etwa in Russland, Polen oder den USA, wo sich nationalistische Kräfte mit christlich-religiösen verbänden.

Immer im Gespräch bleiben

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au verteidigte die Entscheidung, Großscheich Al-Tayyeb auf den Kirchentag eingeladen zu haben. „Ja, er vertritt Positionen, wo wir zusammenzucken“, sagte sie. Aber es sei wichtig, miteinander zu sprechen und sich kennenzulernen. Dann könne es auch eine Annäherung geben. „Ich will nichts schönreden, aber es gibt kleine Schritte.“

Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz“ war der Festsaal des Roten Rathauses komplett gefüllt pro/Jonathan Steinert
Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Offene Gesellschaft – Wo sind die Grenzen der Toleranz“ war der Festsaal des Roten Rathauses komplett gefüllt

Für Menschen, die die Menschenrechte verletzen, dürfe es keine Toleranz geben, sagte Aus der Au. Doch in der konkreten Begegnung etwa mit Muslimen gebe es in der Hinsicht nicht nur schwarz und weiß. Wenn beispielsweise eine Muslima hierzulande mit ihrer Tochter zum Frauenarzt komme, um aus religiöser Tradition heraus deren Schamlippen zu beschneiden, sei das gegen die Menschenrechte. Doch weigerte sich der Arzt, das zu tun, würden sie möglicherweise zu einem „Kurpfuscher“ gehen, der die Gesundheit der jungen Frau gefährde. Deshalb könnte der Arzt den Eingriff gegen seine eigentliche Überzeugung vornehmen und dann gemeinsam mit Betroffenen etwas gegen diese religiöse Praxis unternehmen.

Die Kirchentagspräsidentin warb dafür, immer im Gespräch zu bleiben. „Ausschluss ist die Ultima Ratio.“ Es gelte, im Dialog das gegenseitige Zuhören einzuüben, sowie davon auszugehen, vom anderen etwas lernen zu können. (pro)

Von: jst

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