Das christliche Medienmagazin

Meinung

Schluss mit Zappen!

Am 21. November ist Welttag des Fernsehens. Ich habe keinen Fernsehanschluss. Und doch erdreiste ich mich, meinen Kommentar zu diesem Tag abzugeben. Die Sache ich einfach: Wer heutzutage fernsehen will, braucht keinen Fernseher. Im Jahr 2021 ist die Welt des Fernsehens bunter, vielfältiger und unabhängiger.
Von Jörn Schumacher
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Fernsehen, TV
Fernsehen ist nicht mehr an feste Zeiten gebunden

Natürlich schaue ich Fernsehen. Aber nicht mehr über den Antennenanschluss in der Wand. Nach meinem Umzug stellte ich fest, dass in dieser (Altbau-)Wohnung kein hochmoderner Breitband-Anschluss einer der üblichen Fernsehanbieter möglich ist. Aber Internet. Und im Jahr 2021 stellt sich die Frage mehr denn je: Wer braucht eigentlich noch einen Fernsehanschluss, wenn er Internet hat?

Am Anfang war der Zweifel groß: Verpasst man nicht etwas, wenn man nicht mehr „zappen“ kann, durch 50 Kanäle und mehr, von ARD über Pro7 bis CNN, „Toggo“ und QVC? Die Antwort: Das Gegenteil ist der Fall. Als TV-„Junkie“ verbrachte ich früher viel, zu viel Zeit damit, mit der Fernbedienung durch über 70 Kanäle zu surfen, um am Ende wieder von vorne zu beginnen. Effektiv angeschaut habe ich mir so schließlich gar nichts; man jagt durch die Sender, von einer hirnlosen Show zur nächsten, von einem Jahrmarkt der Eitelkeiten zum nächsten, von der einen Methode, sich über „normale“ Menschen lustig zu machen, zur anderen Methode, „prominente“ Menschen in den Himmel zu loben. Am Ende hat man vor allem eines: Lebenszeit totgeschlagen.

Ein Hoch auf die Mediathek

Einen Schritt in die richtige Richtung stellte die Erfindung des Festplattenrekorders dar. Hier konnte man Stunden an Filmen und Sendungen aufnehmen, die man sich dann später, wenn man es selber für passend hielt, ansah. Aber selbst diese Technik erscheint doch schon fast überholt. Denn warum aufnehmen, wenn sowie alles im Internet ist?

Für mich war die wichtigste Entdeckung in Sachen Fernsehen die kostenlose Software „MediathekView“. Dahinter steckt ein Team von Freiwilligen, die diese Software entwickeln und immer weiter verbessern. Es gibt keine kommerziellen Interessen, die Software (für Windows, Mac und Linux) ist und war seit ihrer ersten Version im Jahr 2008 immer kostenlos. Und das ganz ohne Werbebanner. Die Angebote aller öffentlich-rechtlicher Fernsehsender sind hier fein säuberlich in einer einzigen App versammelt. Kein lästiges Aufrufen der völlig überladenen Internetseiten der Fernsehsender mehr, in „MediathekView“ steht alles zur Verfügung. Und das komplett legal.

Die Mediatheken von Das Erste, ZDF, Arte, 3sat, SWR, BR, MDR, NDR, WDR, hr, rbb, SR, Radio Bremen TV, Phoenix, KiKA, ZDFtivi, DW, und sogar von ORF und dem Schweizer SRF sind hier auf einen Klick anzuschauen. Und es kommt noch besser: In einem Suchfeld kann der Anwender nach Sendertiteln, aber auch -beschreibungen suchen. Suche ich also beispielsweise etwas über Wale, listet mir die Software in Sekundenschnelle alle Sendungen auf, die sich irgendwie mit diesem Thema befassen. Und liebe ich die Quiz-Sendung „Gefragt – Gejagt“ besonders, bekomme ich mit einem Klick alle Ausgaben der letzten Monate angezeigt. Mehrere Dutzend Spielfilme bieten allein der Schweizer SRF und Arte Monat für Monat an. Nicht zu reden von Dokumentationen von ZDF und 3sat. Ich kann schauen, was und wann ich will. Die üblichen Ausstrahlungstermine meiner Lieblingssendungen kenne ich schon gar nicht mehr. Auch herunterladen kann ich die Sendungen – etwa wenn ich sie aufheben, unterwegs offline sehen oder einem Freund schicken will. Und sogar in einem Webbrowser ist „MediathekView“ aufrufbar, man müsste nicht einmal eine Software installieren.

Keine Zeitraub-Maschine mehr

Ich habe nun seit fast zwei Jahren keinen Fernsehanschluss mehr, aber ich vermisse nichts. Dank des zeitversetzten Fernsehens schaut man viel gezielter, und insgesamt viel weniger fern. Sollte da doch einmal eine Sendung der Privaten sein, die ich gerne schauen möchte, gibt es diese meistens auch auf deren Websites in voller Länge. Sollte ich das Angebot der Öffentlich-Rechtlichen einmal nicht ausreichen (gerade das Spielfilmangebot ist dann doch schnell erschöpft), gibt es Streaming-Dienste, für die entweder eine monatliche Gebühr anfällt, oder bei denen man auch gezielt einzelne Filme wie in einer Online-Videothek ausleihen kann. Die Webseite www.werstreamt.es hilft, die passende Webseite zu finden, auf der man den Film anschauen kann.

Kurz: Für mich heißt „Welttag des Fernsehens“ vor allem: Welttag des Internets. Und ich kann gar nicht zusammenzählen, wie viele Stunden ich gespart habe, die ich in den vergangenen zwei Jahren ansonsten hilflos zappend vor dem Flimmerkasten verbracht hätte oder vor einer sinnlosen Unterhaltungsshow mit zehnminütigen Werbepausen. Das Fernsehen im Jahr 2021 ist nicht mehr länger eine Maschine des Zeitraubs, sondern ein bunter Blumenstrauß von Angeboten, aus denen sich der Nutzer das Beste heraussuchen kann.

Schreiben Sie einen Kommentar

Eine Antwort

  1. Zunächst: Schon mal was vom Fernsehempfang via Satellit gehört? Es geht tatsächlich ohne Kabelanschluss 😮
    Zitat: „Dank des zeitversetzten Fernsehens schaut man viel gezielter … fern.“ … und bleibe damit verstärkt in meiner Filterblase.
    So viele Vorteile streamen auch bietet, so viele Nachteile hat es auch. Nicht nur, dass man sich dem tatsächlichen Zeitgeschehen leicht entkoppeln kann. Durch Streamen hinterlässt man auch einen deutlich größeren CO²-Abdruck.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell