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Runter mit den Locken!

Haarige Ansichten und Einsichten zum Lockdown und zur Wiedereröffnung der Friseursalons am 1. März. Eine Glosse von Christoph Irion
Von PRO
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Die Länge des Haars entwickelt sich proportional zur Länge des Lockdowns

Foto: Clem Onojeghuo, Unsplash

Die Länge des Haars entwickelt sich proportional zur Länge des Lockdowns

Seit gut zwei Monaten bin ich ungeschoren davongekommen. Aber inzwischen muss ich ehrlich sagen: Mir reicht’s! Waschen, Legen, Föhnen in Eigenregie – das bringt einfach nichts mehr, wenn man allmählich eine Wookiee-Frisur trägt, wie Chewbacca, der Co-Pilot von Harrison Ford als Han Solo im legendären Star-Wars-Universum.

Es ist ja nicht nur die eigene Matte, die so nervt. Hinzu kommt das anschwellende und geradezu flächendeckende Gemaule fast überall dort, wo man anderen begegnet. Egal ob im distanzierten Präsenz-Treff mit FFP2-Maske oder im digitalen Video-Chat: Klimakrise? Impf-Desaster? Oder ökonomische Abstürze ganzer Wirtschaftszweige? Alles kein Thema. Hauptsache, wir können endlich wieder zum Friseur! Und ganz ehrlich: Man mag die anderen Leute schon gar nicht mehr sehen – geschweige denn einen Blick in den Spiegel riskieren. Und immerzu dieses Jucken!

Deshalb gehöre ich zu denen, die auf die Ergebnisse von Merkels Corona-Gipfel am 10. Februar begeistert reagiert haben. Genau genommen war es ein kleines Teil-Ergebnis, das mich sofort überzeugt hat: Zwar wurde der Lockdown erst einmal bis zum 8. März verlängert. Aber: Ab 1. März dürfen wir wieder zum Friseur!

Auch als Staatsbürger habe ich endlich mal wieder den Eindruck: Merkel, Söder, Schwesig & Co. sind gar nicht so volksfern, wie wir immer dachten – die wissen genau, wo uns der Schuh drückt und wann uns der Kamm schwillt.

Unmittelbar nachdem die Medien die Nachricht des Jahres verbreitet hatten, machte mein Smartphone auch schon „Pling“. Unsere Friseurin Hannelore fragte per Whatsapp, wann wir denn kommen wollen. Klar, dass ich gleich der erste war. Am Montagmorgen, 1. März, 8 Uhr, heißt es für mich: „Runter mit den Locken“. Vorsorglich hatte ich schon vorab einen vollen Urlaubstag beantragt: Für mich ist der 1. März ein Feiertag! Allerdings muss ich bei Hannelore damit rechnen, dass es diesmal nicht auf den Kurzhaar-Tarif hinausläuft – wegen der besagten Chewbacca-Matte. Egal.

Unhaarmonische Haarspalterei

Manche Christen sind ja in der Lage, nahezu jede Lebenslage aus der Heiligen Schrift zu deuten. Mit Hilfe einer Online-Konkordanz lassen sich auch haarige Angelegenheiten letztlich als biblisches Schlüsselmotiv interpretieren. Davor kann ich in diesem Fall allerdings nur warnen. Klar ist: Im Alten – und im Neuen Testament finden sich jede Menge Scherereien. Legendär ist ja die tragische Simson-Geschichte, der als Kämpfer gegen die Philister nur so lange ein Kraftprotz sein konnte, bis die verführerische Delila hinter das Geheimnis seiner Kraft kam und ihm alle Haare abschnitt. (Richter 16). Noch besser gefällt mir zurzeit die mit Traumbildern ausgeschmückte Schilderung des mächtig-ohnmächtigen Königs Nebukadnezar: „Dessen Haar wuchs so groß wie Adlerfedern.“ (Daniel 4). Das muss irre ausgesehen haben – aber mit unserem 1. März hat das alles hoffentlich nichts zu tun.

Schließlich hat mich als langjährigen Politik-Beobachter noch eine andere Frage elektrisiert: Wie kam es, dass die ansonsten nicht gerade harmonische Corona-Runde mit Merkel und den 16 teilweise wahlkämpfenden Länderchefinnen und -chefs in der wegweisenden Haartracht-Frage eine derart weise und einmütige Linie gefunden hat? Eine Antwort lautet: Es lief gar nicht so haar-monisch. Wegen einer Hygiene-Diskussion kam es gerade in der Frisuren-Debatte zu kleinlichen Haarspaltereien. Entscheidend war mutmaßlich etwas anderes: Denn überall im Kanzleramt und in den Staatskanzleien zwischen Ostsee und Alpen verbreiten inzwischen jede Menge Büroleiter, Redenschreiberinnen und Regierungsberater im engsten Umfeld der Regierungschefs zunehmend miese Laune: Weil sie einfach keine Lust mehr haben auf Kopfjucken, auf Föhnwellen im Frühlingsrollen-Look und auf Zoom-Konferenzen, deren Teilnehmer frisiert sind wie tibetische Yakherden.

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