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Rödder: Das „C“ muss Union vom Mainstream unterscheiden

Das „Christlich“ im Parteinamen der CDU muss einen Unterschied machen. Das betonte der Historiker Andreas Rödder und stellte in der Debatte um das „C“ klar: streichen wolle er es nicht.
Von Norbert Schäfer
Der Wissenschaftler Andreas Rödder befasst sich in seinem neuen Buch mit einer Agenda für eine moderne konservative Politik

Foto: pro/Jonathan Steinert

Der Historiker Andreas Rödder hat öffentlich darüber nachgedacht, ob in einer zunehmend entchristlichten Gesellschaft das „C“ im Parteinamen eine Barriere für Nichtchristen sein könnte

Will die CDU das „C“ in ihrem Namen behalten, müsse dies zu einem Profil mit Kanten führen, das die Partei vom Mainstream abhebe. Das betonte der Historiker Andreas Rödder, selbst Mitglied in der Christlich-Demokratischen Union. Er hatte eine parteiinterne, aber öffentlich geführte Debatte darüber angestoßen, welche inhaltliche Bedeutung dem „C“ im Parteinamen noch zukommt – und fühlt sich und sein Anliegen missverstanden.

In einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) weist er zurück, dass er die Abschaffung des „C“ gefordert habe. Vielmehr müsse die Partei darüber nachdenken, ob es noch zeitgemäß sei. Und, falls dem so sei, es „reflektiert“ verwenden, „statt es nur zu beschwören“.

Er begründet das etwa damit, dass ein Kernanliegen der Partei, sozialen Aufstieg durch Bildung zu fördern, kein „genuin christliches Konzept“ sei. Das Bürgertum und die SPD stünden ebenfalls für dieses Ideal. Rödder stellt außerdem infrage, wie angemessen eine kulturpessimistische Sicht sei, die das „C“ einem „Wertverfall“ entgegensetzen wolle.

Christdemokratie auf dem Rückzug

Als „Komik“ bezeichnete der Historiker, wenn sich Parteimitglieder auf das „C“ als Markenkern der Partei beriefen und damit dem Zeitgeist wehren wollten, aber aus Rücksicht auf Nichtchristen nicht mehr „frohe Weihnachten“ wünschten. Rödder bezweifelt, ob das „C“ wie einst noch integrierend wirken könne, wenn die Mehrheit der Menschen in der Gesellschaft keiner Kirche mehr angehören. „Ob das C als Barriere für Nichtchristen angesehen wird, entscheiden nicht Christen in der Union, sondern Nichtchristen außerhalb.“

Das Konzept der Christdemokratie befindet sich Rödders Einschätzung nach in Europa überall auf dem Rückzug. Das dränge in der Partei die Frage nach der Gestaltung der eigenen Zukunft auf. Die Union sei besser beraten, sich den Fragen zu stellen.

„C mehr als ein Wohlfühlfaktor“

„Wenn die Union sich zum C bekennt, dann sollte sie über Parteitagsrituale hinausgehen“, fordert Rödder. Werde das christliche Erbe als allgemeinpolitische Grundlage ernstgenommen, „dann ist das C mehr als ein Wohlfühlfaktor“ und stehe für die Würde aller Menschen. Dies müsse die Partei auch gegenüber völkischen Nationalisten und fundamentalistischem Islam in den Diskussionen klar vertreten.

Das christliche Menschenbild gehe von der Gleichwertigkeit aller Menschen, aber der Unterschiedlichkeit aller Personen und deren Entfaltung aus, schreibt er – nicht von Gruppenzugehörigkeiten. Eine solche Haltung unterscheide sich grundlegend von Identitätspolitik. Das Prinzip der Subsidarität – also, dass jeder Mensch zunächst für sich selbst Verantwortung trägt und der Staat erst eingreift, wenn Hilfe benötigt wird – nannte Rödder die gesellschaftspolitische DNA der Christdemokratie.

„Das C hält Substanz als auch Unterscheidungskraft bereit. Eine Union, die sie selbst sein will, kann daraus zukunftsfähige politische Konzepte gewinnen, mit denen sie sich unterscheidet“, schreibt Rödder. Dazu müsse sie ihr Erbe „auch wirklich ernst nehmen.“

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2 Antworten

  1. Eine Gesellschaft, die durch christliche Werte, ja durch Christen, geprägt wäre, wäre für alle Menschen, auch für Nichtchristen sehr wünschenswert.
    Man stelle sich vor, dass das Gegenteil dieser Tugenden in der Gesellschaft gelten würde:
    Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit. (Paulus an die Galater)

    Sogar Gregor Gysi hat das erkannt:
    “Ich glaube zwar nicht an Gott, aber ich möchte auch keine gottlose Gesellschaft. Ich fürchte sie sogar.”

    Rödder hat allerdings darin Recht, dass das “C” nicht mehr unbedingt “von selbst” Wählerstimmen bringt. Weder von Christen noch von Nichtchristen.
    Umso wichtiger wird es für die CDU, tatsächlich Politik aus christlicher Verantwortung zu machen:
    Schutz von Würde und Leben, Nächstenliebe, Rücksichtnahme, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Selbstverantwortung.

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  2. Das C sollte umgedeutet werden in “im Sinne Christi”. Aber auch hier die Problematik, dass Christus oft was gefordert hat, was eben nur Christus-Nachfolger (also wie ER, in den Tod gehend für etwas) oder eben nur für Jünger (enge Auswahl an Personen durch Christus selbst) gedacht ist.
    Die Frage ist, wann das Volk gemeint ist und wann die Politik gemeint war.
    Der Grosse Teil an Christlichkeit oder Kirchlichkeit oder Politik, ist überwiegend menschengemacht, aber das natürlich im besten Sinne des Wortes (nicht im Sinne von Verfehlungen, die sich nach dem Motto “Bad news, are Good news!”) beim Menschen leider besser einprägen.
    Für das “C” sollte die Partei eine gute Lösung finden. Ich rate zur Ehrlichkeit, zur Demut und zur Glaubwürdigkeit. Menschen/Wähler, spüren, was echt ist.
    Europa hat Wurzeln: Reformation und Französische Revolution (Abschaffung des Adels)
    Eigentum verpflichtet
    Die Gesinnung «C» verpflichtet zu etwas, und jeder weiss was das ist (über sein Gewissen, das gesund geblieben ist) CGU juhu.

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