Religionsforscher: US-Kirchen zunehmend politisch polarisiert

Die Polarisierung der US-Gesellschaft erstreckt sich auch auf die Kirchen. Der frühere Pastor der baptistischen Kirche und Religionsexperte Ryan Burge warnt vor negativen Auswirkungen.
Kirche in den USA

Die Polarisierung der Gesellschaft in den USA prägt einer neuen Untersuchung zufolge auch die religiöse Landschaft und die Kirchen des Landes. Wie die Mitte Januar veröffentlichte Studie „The Vanishing Church“ („Die verschwindende Kirche“) ergab, ist vielen Kirchen die „Mitte“ abhandengekommen. Laut dem Studienautor Ryan Burge sind die Zeiten vorbei, in denen es „normal“ gewesen sei, dass Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten am Sonntag zusammen Gottesdienst feierten.

Das religiöse Spektrum lasse sich aufteilen: Auf der einen Seite stünden Christen, die von ihrer Version des Glaubens absolut überzeugt seien, erklärte der Politikwissenschaftler, Datenexperte und frühere baptistische Pastor Burge. Viele davon seien der Auffassung, die Gesetze der Nation müssten sich daran orientieren.

Auf der anderen Seite sei die Zahl der Menschen gestiegen, die sich von religiösen Traditionen verabschiedet hätten. Beinahe dreißig Prozent der US-Amerikaner hätten keine Bindung mehr zu organisierter Religion. Es sei ein tiefer Graben entstanden.

Religiöse Rechte hat Gesellschaft geteilt

Die protestantische Welt sei früher von einer Form des pragmatischen und moderaten Glaubens geprägt worden. Dies fehle heute weitgehend, erklärte Burge. Als einschneidende Periode stuft Burge die 1990er Jahre ein. Der Auszug junger Menschen vom Christentum habe damals Fahrt aufgenommen. Zugleich sei die religiöse Rechte emporgekommen. Es sei unmissverständlich: Die religiöse Rechte habe die amerikanische Gesellschaft geteilt.

Der Wandel weg von der Mitte schade besonders den sogenannten protestantischen „Mainline“-Kirchen – Methodisten, Presbyterianern, Lutheranern und anderen sogenannten Volkskirchen. Zu diesen hatten Mitte der 1970er Jahre noch rund dreißig Prozent der Bevölkerung gehört. Gegenwärtig seien es nur mehr neun Prozent. Auch demografisch sei es schwierig. Den traditionellen Kirchen fehlten junge Menschen. Die Hälfte der Mitglieder der Episkopalkirche sei im Rentenalter, ein Drittel der Mitglieder der „Presbyterianischen Kirche (USA)“ sei über 70.

epd
Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen