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„Prostitution ist sexualisierte Gewalt“

Die ehemalige Prostituierte Huschke Mau (Name geändert) engagiert sich für Prostituierte, die aussteigen wollen. Sie findet, dass „Prostitution nicht von organisierter Kriminalität zu trennen ist“. Die evangelische Zeitschrift chrismon stellte sie im Interview dem Vorstand der Diakonie Deutschland, Maria Loheide, gegenüber. Sie sagt, Prostitution dürfe nicht„kriminalisiert“ werden.
Von PRO
Die Gesetze zur Prostitution müssen in Deutschland verschärft werden, darüber sind sich die ehemalige Prostitutierte Huschke Mau und Maria Loheide, Vorstand der Diakonie Deutschland, einig
Die Gesetze zur Prostitution müssen in Deutschland verschärft werden, darüber sind sich die ehemalige Prostitutierte Huschke Mau und Maria Loheide, Vorstand der Diakonie Deutschland, einig
Huschke Mau (Name geändert) und Maria Loheide haben unterschiedliche Zugänge zum Thema Prostitution. Erstere verdiente damit etwa ein Jahrzehnt lang ihren Lebensunterhalt und berät nun Frauen, die aus der Prostitution aussteigen wollen. Für sie ist Prostitution „sexualisierte Gewalt“, die von „organisierter Kriminalität nicht zu trennen ist“. Loheide ist der sozialpolitische Vorstand der Diakonie Deutschland und spricht sich gegen ein Verbot von Prostitution aus. Ihrer Meinung nach erhöht ein Verbot die Gefährdung der Sexarbeiterinnen. Um nicht aufzufliegen bestehe die Gefahr, dass Freier dann die Frauen mit Gewalt zum Schweigen brächten, erklärt sie im Streitgespräch mit Mau im evangelischen Magazin chrismon.

Schweden als Vorbild oder Abschreckung?

Mau widerspricht dem. Als Beispiel nannte sie Schweden, wo der Besuch einer Prostituierten strafbar sei. Dort habe die Gewalt gegen Prostituierte in den vergangenen Jahren massiv abgenommen. Generell gingen dort seit der Verabschiedung des Gesetzes viel weniger Männer ins Bordell. Loheide führte Schweden ebenfalls als Beispiel an – jedoch als abschreckendes. Schwedische Freier reisten einfach als Sextouristen in benachbarte Länder mit lockerer Gesetzgebung, sagte sie. Sie argumentierte, dass ein Verbot von Prostitution die Frauen in die Illegalität treibe. Dies mache es ihnen noch schwerer, um Hilfe zu bitten. Damit es zu einem Verbot kommen könne, müsse laut Mau erst einmal die „Sozialromantik“ beseitigt werden, die behaupte, „einsame Männer, arme, alte Männer sind die Freier. Das ist völliger Quatsch.“ Der Weg zu besseren Prostitutionsgesetzen sei so schwer, weil die Freier zum Beispiel als Wähler ihre politischen Interessen verträten. Loheide erklärte dagegen, Freier nähmen Prostituierte sehr wohl als Menschen wahr. Sie berichtete von Männern, die besorgt von Misshandlungen gegen Prostituierte erzählten. Dem widersprach Mau. In zehn Jahren habe sie kein einziger Freier als Mensch wahrgenommen. Für sie sei es schlimm gewesen, „sich in einer Gesellschaft zu prostituieren, die genau weiß, dass Prostitution Missbrauch ist, die aber nichts dagegen tut.“

Diskussionen um die Gesetzgebung

Auf die Frage, was für Gesetze sie zur Prostitution erlassen würde, antwortete Loheide, dass die Auflagen für Prostitutionsstätten, Bordelle und Escortservices deutlich verschärft werden müssten. Von Menschenhandel betroffenen Frauen müsse ein Aufenthaltsrecht genehmigt werden, da Zuhälter eine drohende Abschiebung oft als Druckmittel einsetzten. Außerdem forderte sie flächendeckende Beratungsstellen. Dem pflichtete Mau größtenteils bei. Allerdings halte sie nichts davon, immer neue Beratungsstellen zu schaffen und gleichzeitig durch die Legalisierung von Prostitution die Nachfrage weiter zu vergrößern. Das wäre ein „Kampf gegen Windmühlen“. Prostitution ist in Deutschland legal. Bereits im Jahr 2000 entschied das Verwaltungsgericht Berlin, Prostitution sei „nicht mehr sittenwidrig“. Ab Sommer 2016 soll eine Reform des Schutzgesetzes in Kraft treten, das eine Kondompflicht, strengere Auflagen für Bordellbetreiber, eine jährliche Gesundheitsberatung und eine Pflichtmeldung bei den Behörden alle zwei Jahre für Prostituierte vorsieht. Kritiker halten dieses Gesetz für inkonsequent und fordern eine Gesetzgebung nach dem schwedischen Modell, das Prostitution gänzlich verbietet. (pro)
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/amnesty-grundsatzentscheid-umstritten-93043/
https://www.pro-medienmagazin.de/politik/detailansicht/aktuell/kaessmann-will-altersgrenze-fuer-prostituierte-89333/
https://www.pro-medienmagazin.de/gesellschaft/detailansicht/aktuell/umdenken-in-sachen-prostitution-89323/
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Eine Antwort

  1. Für mich sind die gequälten Sklavinnen – und hier stimmt die Bezeichnung im Wortsinne tatsächlich einmal-, die sich nachts oder auch manchmal des tags in unser Blickfeld schieben, eine der schwersten, stinkensten Wunden unserer ach so humanen Gesellschaft, Frauen, die ihre Seelen austreiben müssen, um als zu missbrauchendes Stück Fleisch noch überleben zu können. Mir ist es nicht möglich zu fassen, wie wir das als Gesellschaft und insbesondere als Christen hinnehmen können.
    Deshalb, aha, PRO nimmt sich dem Thema noch einmal an. Ich las die Ausgabe 3 erst direkt vor Erscheinen der 4. Ich dachte noch, vielleicht geht das Thema ja doch weiter und/oder es gibt Lesermeinungen.
    Nun ist das Ergebnis sichtbar: Achselzucken und weiter mit der Tagesordnung…
    Noch eine Nebenbemerkung; Unfassbar für mich ebenso, was die für Frauenrechte kämpfenden Politiker und vor allem Politikerinnen für diese Menschen übrig haben; nämlich Ignoranz oder Gesetze, die das Leid noch weiter verschärfen

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