Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm

„Wer kann in normal gewordener Erregungskultur noch bestehen?"

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer verlässt eine engagierte Katholikin die Spitze der CDU. Während die Suche nach ihrem Nachfolger schon in vollem Gange ist, schlägt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nachdenkliche Töne an.

Nach langer Überlegung, so gab Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) heute in Berlin vor Journalisten bekannt, habe sie sich dazu entschieden, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten. Außerdem kündigte sie für den Lauf des Jahres ihren Rücktritt vom Parteivorsitz an. Sie habe in den vergangenen Wochen festgestellt, dass mit der Trennung von Kanzlerschaft und Parteivorsitz eine „Führungsfrage“ einhergehe. In den vergangen Tagen war sie in die Kritik geraten, weil sie nicht verhindern konnte, dass die Thüringer CDU-Fraktion zusammen mit AfD und FDP den liberalen Politiker Thomas Kemmerich zum Ministerpräsident gewählt hatte.

Stunden nach ihrem Rücktritt ist die Suche nach einem Nachfolger in vollem Gange. Während die einen sich den Ex-Fraktionschef Friedrich Merz wünschen, plädieren andere für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet oder den Gesundheitsminister Jens Spahn.

Zwei Rücktritte von Frauen in kurzer Zeit

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) schlägt dagegen nachdenkliche Töne an. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm forderte in einem Facebook-Post eine „Kultur der Achtung und des Respekts“. Ihn beschäftige, „warum innerhalb von kurzer Zeit zwei Frauen, die in schwieriger Zeit das Amt der Parteivorsitzenden einer der großen Volksparteien übernommen und damit Bereitschaft zur Verantwortung gezeigt haben, das Handtuch werfen“, schrieb der Ratsvorsitzende in Anspielung auf die geschasste SPD-Vorsitzende Andrea Nahles.

Zwar sei richtig, dass Fehler von Amtsträgern thematisiert würden. „Aber Fehler haben andere in Verantwortung früher auch gemacht, ohne dass das zu Rücktritten geführt hat.“ Stattdessen müsse gefragt werden, welche Bedingungen heute für Spitzenpolitiker gälten. „Wer kann in der jetzt normal gewordenen Erregungskultur eigentlich noch bestehen?“ Er wolle nicht, dass nur noch die „Abgebrühten und Machthungrigen politische Spitzenverantwortung“ übernähmen.

Für den Einsatz von Annegret Kramp-Karrenbauer empfinde er Respekt und Wertschätzung, so der Ratsvorsitzende.

Von: Nicolai Franz

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