Laut einer Studie der Zeitschrift Eltern haben Familien andere Bedürfnisse, als sie oft von der Politik bedient werden

Laut einer Studie der Zeitschrift Eltern haben Familien andere Bedürfnisse, als sie oft von der Politik bedient werden

Eltern wollen traditionell leben

Eltern in Deutschland klagen über Druck, ihre Kinder frühzeitig in eine Kita zu geben, anstatt sie selbst zu betreuen. Zudem wächst die Zahl derer, die eine traditionelle Rollenverteilung von Mann und Frau bevorzugen, ergab eine Studie.

Gemeinsam mit den Demoskopen von Kantar Emnid hat die Zeitschrift Eltern Familien zu deren Erfahrungen mit dem Spannungsfeld von Beruf und Familie befragt. Die wichtigsten Ergebnisse der repräsentativen Studie im Überblick:

  • 86 Prozent aller Befragten sind der Meinung, Familien müssten sich heute eher dem Arbeitsmarkt anpassen als umgekehrt.

  • 84 Prozent sagen, es werde von ihnen erwartet, ihr Kind möglichst früh in eine Kindertagesstätte zu geben.

  • Nur elf Prozent der Eltern wollen innerhalb des ersten halben Jahres nach der Geburt wieder arbeiten. 51 Prozent finden hingegen eine Babypause von mindestens zwei Jahren richtig.

  • Nur 29 Prozent geben an, mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine oder fast keine Probleme zu haben. 2013 lag dieser Wert noch bei 42 Prozent.

  • 17 Prozent der Befragten wünschen sich eine Konstellation, in der der Mann Vollzeit arbeitet, während die Frau vollzeitlich die Kinder betreut. 2013 lag dieser Wert nur bei sechs Prozent. 41 Prozent wünschen sich, dass der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet – so, wie es von 44 Prozent und damit am häufigsten gelebt wird.

  • 55 Prozent der Befragten wünschen sich ein deutlich höheres Kindergeld, 43 Prozent nennen den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz sehr wichtig. Nur 16 Prozent nannten eine verpflichtende Ganztagsschule als Priorität.

  • 60 Prozent fühlen sich nicht frei in ihrer Entscheidung, ob sie trotz Kind wieder in Vollzeit arbeiten möchten. Die meisten von ihnen haben das Gefühl, man müsse sich für einen schnelleren Wiedereinstieg ins Arbeitsleben entscheiden, auch aus finanzieller Notwendigkeit.

  • 74 Prozent der Frauen sind in ihren Familien allein für die Mahlzeiten zuständig. Frauen bringen für die Hausarbeit im Schnitt 2,1 Stunden, die Männer 1,2 Stunden, auf.

  • An einem normalen Werktag verbringen Väter durchschnittlich 2,4 Stunden mit ihren Kindern, Mütter 4,6 Stunden.

Das Magazin Eltern befragte Barbara Thiessen von der Fakultät Soziale Arbeit an der Hochschule Landshut zu den Ergebnissen. „Bedeutsam scheint mir, dass ein Missverhältnis zwischen dem Angebot in der Kindertagesbetreuung und dem tatsächlichen Bedarf der Eltern existiert“, erklärte sie. Je mehr Angebote für Kinderbetreuung es gebe, desto höher werde auch der Bedarf. „Der Mangel bleibt also. Gleichzeitig wächst mit dem gestiegenen Angebot an Kindertagesbetreuung der Druck auf Mütter, frühzeitig wieder in den Beruf einzusteigen.“

Familienexpertin Kelle: Alle Erziehungsmodelle verdienen gleichen Respekt

Die Journalistin und Expertin für Familienpolitik Birgit Kelle zeigte sich gegenüber pro nicht überrascht von den Ergebnissen der Studie. „Die Politik ist endlich gefordert, das zu tun, was Familien wollen, anstatt uns ständig in neue Lebensmodelle drängen zu wollen, die keine Zeit mehr für Familie lassen“, sagte Kelle. „Stattdessen regiert auch unsere Familienministerin munter an den Familien vorbei, und entwirft Lebensmodelle, in denen beide Eltern zwingend berufstätig sind, um in den Genuss staatlicher Förderung zu kommen.“

Die Expertin für Familienpolitik und Autorin Birgit Kelle sieht die Politik in der Pflicht, die Ergebnisse der Studie ernstzunehmen

Die Expertin für Familienpolitik und Autorin Birgit Kelle sieht die Politik in der Pflicht, die Ergebnisse der Studie ernstzunehmen

„Die Politik könnte den Familien in Deutschland endlich den Gefallen tun, sich aus dem Leben der Menschen rauszuhalten. Macht endlich ein Familiensplitting, lasst Familien mehr Geld in der Tasche, dann müsst ihr sie anschließend nicht mit Sozialleistungen beatmen“, forderte die Vorsitzende des Vereins Frau2000plus. „Alle Erziehungsmodelle verdienen endlich den gleichen Respekt, egal ob man selbst erzieht, oder erziehen lässt. Im Moment strafen wir in Deutschland ausgerechnet diejenigen Eltern ab, die ihre Kinder noch gerne aufwachsen sehen wollen. Das zieht sich bis in die Rentenpolitik durch und das muss endlich aufhören.“

Kelle erklärte, dass das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ nicht nur auf dem Arbeitsmarkt gelten könne. „Wer selbst erzieht verdient genau so viel staatlich Förderung, wie der Kita-Platz kosten würde, wo die gleiche Erziehungsarbeit getan würde. Im Moment sind das rund 1.200 Euro pro Kind und Monat. Wir haben aber selbst das Betreuungsgeld von 150 Euro abgeschafft, und das halte ich für einen Skandal.“ (pro)

Von: mb

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