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Orthodoxer Erzbischof nennt Putin „Antichrist“

In der Ukraine hat ein orthodoxer Geistlicher Wladimir Putin als „Antichristen“ bezeichnet. Erzbischof Evstratiy befürchtet, dass bald Priester drangsaliert werden.
Von Norbert Schäfer
Orthodoxe Kirche
Etwa 70 Prozent der rund 45 Millionen Ukrainer sind orthodoxe Christen. Die orthodoxe Christenheit in dem Land teilt sich in zwei Lager: die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats und die die autokephale, eigenständige „orthodoxe Kirche der Ukraine“.

Der ukrainische orthodoxe Erzbischof Evstratiy hat in einem Interview den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Antichristen“ bezeichnet. Zwar erkennt Evstratiy in Putin nicht den „endgültigen“ Antichristen, wie ihn die Offenbarung beschreibe, aber der russische Präsident sei „völlig gottlos“ – wie Hitler oder Stalin. Über die russischen Invasoren sagt er: „Sie kennen keine Moral.“

In dem Interview der Tageszeitung Die Welt erklärte der Erzbischof der orthodoxen Kirche der Ukraine in den Städten Tschernihiw und Nischyn, dass man über den Ausschluss Putins aus der Kirche und von den Sakramenten nachgedacht habe. Allerdings sehe die Kirche diesen Schritt nur vor, wenn ein Mensch gegen die kirchlichen Glaubensgrundsätze verstoße, jedoch nicht bei Kriegsverbrechen.

Moskauzugehörige Kirche schweigt

Erzbischof Evstratiy ist der Sprecher der „orthodoxen Kirche der Ukraine“. Er bemängelt in dem Gespräch, dass die mit Moskau verbundene ukrainisch-orthodoxe Kirche in der Ukraine sich nicht klar gegen Putin stelle. Kirchenoffizielle würden nicht einmal erwähnen, wer der Mörder sei und die Städte bombardiere. Dass in den Gottesdiensten der Moskau zugehörigen orthodoxen Kirche der Name der Schuldigen vermieden werde, sei nicht ausreichend. Zudem gebe es keine Gespräche mit der Kirche in Russland. Die wolle nicht reden. „Sie sitzen stumm und warten“, beklagte Evstratiy, und weiter: „Es gibt keinen Willen, etwas gegen die Invasion zu tun.“

Auf die Frage, welche Rolle seine Kirche im Krieg spiele, antwortete Erzbischof Evstratiy: „Das Wichtigste ist das Gebet.“ Es sei wichtiger als je zuvor und eine Inspiration. „Wir wollen die Menschen dazu inspirieren, dass sie Widerstand leisten. Wir wollen den Glauben an die Nation stärken“, erklärte Evstratiy gegenüber der Zeitung.

Der orthodoxe Geistliche zeigte sich besorgt um die Priester in den von Russland eroberten Gebieten und rechnet mit Repressalien und Entführung. „Die Russen glauben, wenn sie einflussreiche und in der lokalen Gemeinschaft herausgreifen, kontrollieren sie alle anderen,” erklärte Evstratiy und bezeichnete die russische Denkweise, die noch aus Zeiten der Sowjetunion stamme, als „antiquiert“. Die Russen suchten bereits nach Priestern.

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