Der christliche Blogger Benjamin L. Corey hat sich einmal die Mühe gemacht, die biblischen Aussagen (vor allem aus dem prophetischen Teil des Buches Daniel) zum Antichristen mit dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zu vergleichen. Der Antichrist werde der Anführer einer Nation sein, die eine militärische Supermacht ist und die Fähigkeit besitzt, die ganze Erde zu unterwerfen. Er werde ein außergewöhnlich arroganter Mann sein, der für seine prahlerischen Reden bekannt ist. Der Antichrist werde viele öffentliche Drohungen aussprechen und vom Siegeswillen besessen sein.
Als mächtiger Mann werde der Antichrist Wege finden, sich und seine Freunde zu bereichern – und zwar auf eine Weise, wie es noch kein Politiker vor ihm getan hat.
Der Blogger überdehnt die Vergleiche an manchen Stellen vielleicht etwas. Und: In der Deutung der Endzeit gehen die Meinungen unter Theologen weit auseinander – auch im evangelikalen Lager. Der Blogger Corey bewegt sich in einem sogenannten prämillennialistischen Verständnis, das von einer zukünftigen Drangsalszeit, einer Entrückung der Gemeinde und einem Antichristen ausgeht, der eine reale Person ist.
Viele Christen teilen diese Sicht. Andere wiederum – etwa im „amillennialistischen“ Ansatz – lesen die Bilder aus Daniel und der Offenbarung stärker symbolisch und verstehen sie als Beschreibung geistlicher Realitäten, die sich durch die gesamte Kirchengeschichte ziehen. Entsprechend groß ist die Zurückhaltung vieler Ausleger, konkrete politische Figuren vorschnell mit endzeitlichen Rollen zu identifizieren. Biblische Prophetie, so betonen sie, will weniger den Lauf der Weltpolitik entschlüsseln als vielmehr zur Wachsamkeit, Nüchternheit und Treue im Hier und Jetzt rufen.
Das Trump-Attentat und die Bibel
Anders Corey: Eine Bibelstelle etwa bezieht er auf das Attentat auf Trump, bei dem dieser am Ohr verletzt wurde: „Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet, und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier“ (Offenbarung 13,3). Anderes wiederum klingt mehr nach Trump und seiner Verschiebung der Grenzen von Anstand und Moral.
In 2. Timotheus 3 heißt es:
„In den letzten Tagen werden schlimme Zeiten kommen. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, schändlich, haltlos, zuchtlos, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Ausschweifungen mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie.“
Manche Beobachter sehen darin Parallelen zu Skandalberichten aus Trumps Umfeld – bei gleichzeitig anhaltender Loyalität seiner Anhängerschaft.
Allerdings heißt es in der Bibel auch, dass sich der Antichrist in den Tempel Gottes setzen und vorgeben wird, Gott zu sein. Das scheint derzeit fern des Möglichen; Trump ist (noch) weit davon entfernt, sich als Gottheit auszugeben, und es gibt (noch) nicht einmal einen Tempel in Jerusalem. Gleichzeitig wird die Beziehung des Antichristen zu Israel eine besondere sein, lehrt die Bibel, und auch Trumps Beziehung zu Israel sticht hervor – nicht nur im Vergleich zu vorherigen US-Präsidenten, sondern auch in Bezug auf sein sonstiges Verhältnis zu schwächer gestellten Staaten, die er mitunter den USA einverleiben möchte.
Beim Krieg mit der Ukraine soll Trump militärische Hilfsgelder für die Ukraine zurückgehalten haben, um den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu erpressen. Das alles ist nur möglich, weil eine Legion von republikanischen Abgeordneten ihn schützt, seine frühere Anwältin ernannte er zur Justizministerin. Kritischen Journalisten droht er, erwirkt deren Absetzung, prangert gleichzeitig „Zensur“ und „Fake News“ bei der „linken Presse“ an. Zusammengefasst lässt sich feststellen: Kaum ein Präsident der vergangenen Jahrzehnten hat christliche Werte derart mit Füßen getreten wie Trump – bei gleichzeitig starker Unterstützung durch Christen.
Trumps enge Verbundenheit mit den Tech-Giganten unserer Tage macht klar: Uns allen steht eine Zukunft bevor, in der die Überwachung der Bürger möglicherweise nicht nur marktwirtschaftlichen Interessen dient, sondern auch politischen. Auch in Europa sind wir in vielen Belangen angewiesen auf amerikanische Software und Apps, ganz zu schweigen von der Abhängigkeit im Bereich der Waffentechnologie. Einer der ältesten und mächtigsten Unterstützer Trumps ist der Multimilliardär Peter Thiel, der mit „Palantir“ eines der mächtigsten Überwachungssysteme mit erschaffen hat, die je auf diesem Planeten existierten. Gepaart wird diese Technologie inzwischen mit Künstlicher Intelligenz und Waffentechnik, die dazu geschaffen wurde, Menschen gezielt zu töten, die in ein bestimmtes, von der KI ausgearbeitetes Raster passen.
Der Antichrist und Israel
Erst eines von vier Jahren Amtszeit ist vorbei, doch besonders die Politiker erkennen die Welt nicht mehr wieder: Bündnisse werden gekappt und an die Stelle von gemeinsamen Werten tritt der pure Kampf um Macht. „Brexit, erst der Anfang“, schrieb Jeffrey Epstein 2016 an Peter Thiel und schwärmte: „Rückkehr zum Tribalismus, als Gegenbewegung zur Globalisierung.“ Der einflussreiche „Präsidenten-Macher“ Thiel, von dem es heißt, es habe auch Trumps Vizepräsident JD Vance fast aus dem Nichts an die zweitmächtigste Stelle der Welt katapultiert, gibt sich als religiöser Mensch mit Kenntnis der biblischen Endzeit.
Erzogen sei er in einem teils evangelikalen Umfeld, in die katholische Gebetsapp „Hallow“ investierte er Millionen, insgesamt erhielt diese über 150 Millionen US-Dollar. Außerdem referiert Thiel seit Jahren ausführlich über den Antichristen, ein Thema, das ihn nicht loslässt. Gleichzeitig kokettiert er damit, man könne den Antichristen unter anderem daran erkennen, dass er viel über den Antichristen rede.
Bei alledem sticht Trumps Beziehung zum Heiligen Land hervor. Trump war der erste US-Präsident, der Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hat und dorthin auch die US-Botschaft verlegte. Seine Vorgänger haben dies allenfalls angekündigt. „Außerdem hat Trump die Golanhöhen formell als Staatsgebiet Israels anerkannt“, sagt Reinhold Federolf, ausgewiesener Kenner der biblischen Prophetie, gegenüber PRO. Auch er deutet die apokalyptischen Texte der Bibel als Ankündigungen konkreter zukünftiger Ereignisse. Der 71-Jährige hat vor kurzem das Buch „Der prophetische Nussknacker“ veröffentlicht, das auch die Rolle Israels in der Endzeit untersucht.
Wer ist der Antichrist?
„Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist Jude“, sagt Federolf, „ich habe ein Foto gesehen, wo sich Trump von einem Rabbiner segnen lässt.“ Der in Baden-Württemberg geborene Bibellehrer arbeitet seit über 50 Jahren in Brasilien für das Missionswerk „Mitternachtsruf“. In Bezug auf Trump sagt er: „Der Antichrist wird absolut gottlos sein – das geht aus Daniel 9 hervor. Aber in Trump sehe ich zumindest im Moment nicht den Antichristen, sondern eher einen verrückten und narzisstischen Mann. Freilich weiß niemand, wie er sich noch entwickeln könnte, aber andererseits ist er ja schon sehr alt.“ Dann fügt Federolf hinzu: „Vielleicht ist er eine Art ‚Vorschatten‘ des Antichristen, wer weiß?“
In seinem Buch warnt er vor allzu kühnen Vermutungen darüber, wer der Antichrist sein könnte. „Es gab schon des Öfteren Skandale, weil falsche Schlussfolgerungen gezogen und Ereignisse angekündigt wurden, die nicht eintrafen“, schreibt er. Aber: „Wir bleiben nicht im luftleeren Raum, wir haben wichtige Informationen die Zukunft betreffend bekommen.“ Jesus ermahnte seine Jünger: das Wetter könnten sie anhand der Zeichen am Himmel deuten, „aber über die Zeichen der Zeit aber könnt ihr nicht urteilen?“ (Mt 11,4)
Good point. Trump is too lightweight to be the real Antichrist, but he exemplifies (esp w/that blasphemous meme) Antichrist spirit. He flips Marx's line on its head: this is Antichrist as farce; when the real one comes, he will be tragic — that is, carry real historical gravity. https://t.co/qfmYsIYwdJ
— Rod Dreher (@roddreher) April 14, 2026
Federolf betont im Interview: „Man darf es nicht übertreiben. Im Internet gibt es viele Spekulationen, um Likes zu bekommen, das grenzt an Missbrauch von Prophetie.“ Während der Corona-Zeit hätten Menschen sogar vor einer Impfung gewarnt mit dem Hinweis, durch die Spritze werde das Zeichen des Tieres in den Körper gespritzt. „Das ist verrückt.“ Federolfs Fazit: „Wir müssen nicht ständig versuchen, den Antichristen zu entdecken.“ Und: „Die Anbetung des Antichristen ist eine ganz bewusste Entscheidung.“
Wie sich aber biblische Prophetie vor unseren Augen enthülle, sei faszinierend zu beobachten, schreibt der Autor. Die Diskussion etwa, ob die Juden wieder ein eigenes Land haben würden, stelle sich nicht mehr. „Israel hat inzwischen sein 75-jähriges Bestehen gefeiert – und die Juden sind wieder in ihr eigenes Land zurückgekehrt!“ Aus der Offenbarung leitet Federolf auch die bekannten 1.260 Tage ab, die er als Zeit der großen Drangsal und des Ausharrens bis ans Ende versteht. „Es braucht nicht viel Anstoß, um das äußerst labile Gefüge der Machtblöcke, von Angriffs- und Abschreckungspotenzial in der Welt aus dem Ruder laufen zu lassen. Wenn Gott am Ende der großen Drangsal nicht eingreift, würde kein Mensch überleben!“ Die Gläubigen der Gemeinde müssten diese Drangsalszeit jedoch nicht fürchten, so seine Überzeugung, denn zuvor komme die Entrückung. „Jesus errettet uns vor dem zukünftigen Zorn“, heißt es in 1. Thess 1,10.
Der „apokalyptische Countdown“
Das nächste, weltumfassende Ereignis nach biblischem Verständnis sei die Entrückung der Gemeinde; darauf folgen die Zornesgerichte Gottes in den sieben apokalyptischen Jahren mit allen Begleiterscheinungen, die sich teilweise schon heute abzeichnen, schreibt Federolf: „Abfall von Gott, Globalisierung, elektronische Zahlungssysteme, Überwachungsmöglichkeiten, der Ruf nach einer Weltregierung und dergleichen mehr – speziell auch Israel, das bereits heute wieder als Volk und Nation existiert.“
In Bezug auf die Plagen, Kriege und Katastrophen in den „letzten Tagen“ ist Federolf überzeugt, dass es bereits jetzt „Vorschatten“ auf jene Zeit geben kann. „Wir können heute anhand von verschiedenen Entwicklungen und Tendenzen erkennen, dass die apokalyptische Weltbühne im Aufbau ist.“ Man könne verfolgen, was „Männer wie Donald Trump und Elon Musk“ tun. Doch Federolf verweist auf 2. Thessalonicher 2,6, wo nach Paulus der Antichrist jetzt noch nicht offenbar werden kann, weil es noch etwas gibt, das ihn zurückhält. „Das ist für mich ein großer Trost“, so Federolf, „Gott muss erst grünes Licht geben.“ Das, was den Antichristen noch zurückhält („Katechon“), ist in seinen Augen die Gemeinde.
Ist Trump der Antichrist? Der amerikanische konservative Autor Rod Dreher sieht das nicht so. „Trump ist zu leichtgewichtig, um der echte Antichrist zu sein“, postete er, nachdem der US-Präsident ein Meme postete, das ihn selbst als Jesus zeigte (PRO berichtete). „Aber er verkörpert (besonders mit diesem gotteslästerlichem Meme) den Geist des Antichristen.“