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Mit Liebe zum Fremden

Echte Gastfreundschaft geht weit über einen wöchentlichen Besuch von Freunden hinaus. Radikal einfache Gastfreundschaft opfert Zeit und Geld, aber sie belebt das Miteinander und das eigene Leben, meint die Autorin Rosaria Butterfield. Eine Rezension.
Von Johannes Schwarz
Buch "Offene Türen öffnen Herzen"

Foto: Unsplash Arno Smit

Gastfreundschaft öffnet Türen und lädt Menschen ein

Christen leben seit jeher in Gemeinschaft miteinander, das ist bereits ein biblisches Prinzip. Doch mit Nicht-Christen seien Christen weniger in Kontakt, stellt die amerikanische Autorin Rosaria Butterfield fest. Dabei seien dieser Austausch und das Gespräch mit ihnen von großer Bedeutung, meint sie. Ihr 2018 veröffentlichtes Buch zur Gastfreundschaft wurde dieses Jahr auf Deutsch übersetzt und trägt den Titel „Offene Türen öffnen Herzen – Radikal einfache Gastfreundschaft als Schlüssel für unsere nachchristliche Welt“. Butterfield lebt mit ihrem Mann und Adoptivkindern in Amerika und praktiziert, wie sie schreibt, Gastfreundschaft 365 Tage im Jahr.

Nächstenliebe und Freundlichkeit

Für die Autorin ist Gastfreundschaft eine „Kampagne der Nächstenliebe“ und eine Chance, Menschen für Gottes Wort zu gewinnen. Gastfreundschaft könne „Fremde zu Nächsten und Nächste zu Gottes Familie“ machen. Gastfreundschaft, Fremde zu lieben und ihnen Gutes zu tun, sei nicht nur eine Beschäftigung für ruhige Abende, sondern ein täglicher Lebensstil. Es fange damit an, Zeiträume für echte Begegnungen zu schaffen, mehr als für den eigenen Bedarf einzukaufen oder Menschen in Not bei sich zu versorgen.

Anhand ihrer eigenen Lebensgeschichte macht Rosaria Butterfield deutlich, dass Gastfreundschaft das Leben von Menschen nachhaltig verändern kann. Sie selbst ist in einem „schwierigen Elternhaus“ aufgewachsen, koppelte sich früh von ihrer Familie ab und lebte als lesbisch empfindende Frau in der LGBTQ-Gemeinschaft. Vom christlichen Glauben wollte sie nichts wissen. Als sie schließlich von einem christlichen Paar eingeladen wurde, hinterfragte sie ihr Leben. Nach einem langen Prozess und vielen Treffen mit dem Paar wurde sie Christin und verließ die LGBTQ-Gemeinschaft.

Für Gastfreundschaft sollten verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein, damit fremde Menschen sich respektiert und angenommen fühlen. Darunter fällt nach Ansicht Butterfields grundlegend, Menschen so zu empfangen, wie sie sind. Wichtig als Gastgeber sei außerdem, nicht alles perfekt machen zu wollen, sondern einfach und unkompliziert Menschen einzuladen. Butterfield sieht das Geheimnis der Gastfreundschaft darin, tägliche Bibellektüre zu betreiben, sich von Gott vergeben zu lassen und auch und bereit zu sein, „anderen zu vergeben, egal, ob sie darum bitten oder nicht“.

Niemanden alleine lassen

Gastfreundschaft kann laut Butterfield auf ganz unterschiedliche Art und Weisen gelebt werden. Das Zuhause einer gastfreundschaftlichen Familie könne so zu einem „Krankenhaus und Brutkasten“ werden, wenn Menschen praktisch geholfen wird. Butterfield erwähnt in diesem Zusammenhang die Adoption zweier ihrer Kinder. Somit könnten Nicht-Christen „authentisches Christsein hören, sehen, schmecken und fühlen“. Niemand solle alleine gelassen werden, auch nicht Kriminelle oder Suchtkranke. Gastfreundschaft heiße, auch Menschen auf der Straße wahrzunehmen und sich ihrer anzunehmen. Christen bräuchten keine Berührungsängste zu haben, denn Gott befähige Menschen dazu, sich um andere zu kümmern.

Durch ihre zahlreichen und detailreichen Beispiele wird im gesamten Buch deutlich, welche Themen Butterfield im theoretischen Kontext aufgreift. Gastfreundschaft wird dadurch nahbar und der Leser erkennt die Dringlichkeit, wenn die Autorin schreibt: „Gastfreundschaft ist biblisch gesprochen das Thema des christlichen Lebens.“ Immer wieder werden auch einzelne Bibelstellen zur Verdeutlichung herangezogen, wie etwa Matthäus 25, 35–36, in der Jesus aufruft, Menschen mit praktischen Diensten der Fürsorge von Leib und Seele zu helfen.

Niemanden alleine lassen heißt nach Butterfield nicht, alle immer gewähren zu lassen. Gastfreundschaft komme dann an ihre Grenzen, wenn Sünde im geschützten Raum geschehe. Besonders sexuelle Vergehen könnten von Gastfreundschaft nicht gedeckt werden. Butterfield greift hier die Gemeindezucht auf, die Menschen sündiges Verhalten aufzeigt und sie zur Umkehr aufruft. Jedoch stellt die Autorin hier nicht den Bezug zur Gastfreundschaft klar heraus, weshalb das Buch an diesem Punkt schwammig ist.

Gastfreundschaft alltagsnah

Die direkte Nachbarschaft ist laut Rosaria Butterfield das erste und lokalste Anwendungsgebiet für radikal einfache Gastfreundschaft: wenn die Interessen der Nachbarn zum eigenen Anliegen werden. Gastfreundschaft schließe keine Menschen aus – auch keine Kinder und Senioren.

Eindrücklich berichtet die Autorin von Mitgliedern einer Kirchengemeinde, die sich dazu entschlossen haben, in eine Nachbarschaft zu ziehen, die stark von Drogen, Kriminalität und Armut betroffen ist. Die Menschen dienen Gott vor Ort und leisten einen Beitrag. Kurz gesagt: Radikal einfache Gastfreundschaft „begegnet Menschen als Fremden und macht sie zu Nachbarn; sie begegnet Nachbarn und macht sie zur Familie“.

Hoffnung für die Hoffnungslosen

Rosaria Butterfield schreibt in ihrem Buch von vielen Geschichten, die sie mit Fremden und Freunden erlebt hat. Eine zieht sich durch das ganze Buch. Es ist die Geschichte des Crystal-Meth-abhängigen Nachbarn, der eines Tages wegen Zubereitung der Droge festgenommen wird. Seine Freundin, die ebenfalls abhängig ist und ein elendiges Leben führt, findet in einer schlimmen Situation zum Ehepaar Butterfield. Durch Gastfreundschaft und Gebet findet sie zum Glauben und erfährt Hoffnung. Butterfield macht deutlich, dass diese Hoffnung lebenswichtig ist.

Das Buch „Offene Türen öffnen Herzen“ liest sich nicht sonderlich flüssig, da es relativ grob aus dem Englischen übersetzt wurde. Positiv sind jedoch die Beispiele zu bewerten, da der Leser verstehen kann, welche Aspekte Gastfreundschaft umfasst. Es ist ein Buch zum Mitdenken und es fordert den Leser heraus. Es steckt an, selbst Gastfreundschaft zu leben und Menschen auf dem Lebensweg zu begleiten.

Rosaria Butterfield: „Offene Türen öffnen Herzen – Radikal einfache Gastfreundschaft als Schlüssel für unsere nachchristliche Welt“, Christliche Verlagsgesellschaft, 289 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3863537524

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