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Mit Gelassenheit gegen Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien und Fake News haben durch die Corona-Pandemie neuen Aufwind erfahren. Doch wie können sich Christen davor schützen? Theologin und Seelsorgerin Martina Kessler zeigt einen Weg auf.
Von Johannes Schwarz
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Martina Kessler ist Mitarbeiterin der Clearingstelle gegen geistlichen Missbrauch

Foto: Martina Kessler (privat)

Die Seelsorgerin Martina Kessler beschäftigt sich seit der Corona-Pandemie mit Verschwörungstheorien

Als im März 2020 eine Freundin Martina Kessler ansprach und meinte, die Corona-Pandemie sei von Mächten gelenkt, wurde die Theologin Kessler hellhörig. Seither beschäftigt sie sich mit Verschwörungstheorien und klärt auf, inwiefern sich Christen dagegen schützen können. In der gegenwärtigen Corona-Situation stünden Menschen in der Gefahr, Verschwörungstheorien zu glauben, sagte Kessler bei einem Vortrag bei der Stiftung Therapeutischer Seelsorge. Denn diese Theorien seien in der Mitte der Gesellschaft angekommen, dies lasse sich unter anderem an der Protestgruppe „Querdenker“ erkennen.

Kessler rät dazu, nicht vorschnell neuen Informationen zuzustimmen, denn alle Menschen seien einem sogenannten verzerrten Denken ausgeliefert, welches vorrangig die Informationen verarbeite, die in das eigene Weltbild passten. Daher sei es wichtig, möglichst viele und unterschiedliche Informationen wahrzunehmen.

Verschwörungstheorien sind oftmals menschenverachtend

Kessler zeigte auf, dass Verschwörungstheorien an sich nicht neu seien, sondern historisch immer wieder vorkämen. Die Gefahr, sich in darin zu verstricken, sei dann gegeben, wenn Menschen nicht mehr nur eine kritische Haltung verträten, sondern stattdessen dem „blinden Misstrauen gegen alles und jedem“ folgten.

Verschwörungstheorien sollten eher Verschwörungserzählungen genannt werden, denn Theorien könnten wissenschaftlich überprüft werden – Erzählungen nicht. Kessler mahnte außerdem dazu, Verschwörungserzählungen auf Inhalt zu prüfen, denn oftmals stünden dahinter antisemitische und menschenfeindliche Ansichten. Diese könnten nicht geduldet werden.

Beziehungen stärken steht im Vordergrund

Verschwörungserzählungen anzuhängen, sei grundsätzlich menschlich, denn Menschen suchten besonders in Zeiten der Angst und des drohenden Kontrollverlusts nach einfachen Erklärungen. Diese seien jedoch meist gefährlich, da sie oft mit populistischen Meinungen einhergingen.

Wenn Menschen aus dem direkten persönlichen Umfeld Verschwörungserzählungen glaubten, sei dies meist belastend. Kessler rät dazu, mit ihnen nicht über die vermeintliche Verschwörung zu sprechen. Speziell in christlichen Kreisen sei es außerdem „keine gute Idee“, von beiden Seiten „mit Bibelstellen um sich zu werfen“ und eine „theologische Schlammschlacht“ zu führen.

Wichtiger sei es, die menschliche Beziehung zu stärken. Sei es durch Gespräche über andere Themen oder gemeinsame Erlebnisse. Außerdem sei es bedeutend, sich nicht über den anderen oder dessen Meinung zu stellen, sondern auf einer gemeinsamen Ebene zu agieren.

Keine Furcht vor der komplizierten Welt

Grundstein, um Verschwörungstheorien zu erkennen und auf diese nicht hereinzufallen, sei es, sich qualifiziert zu informieren. Dabei sei es wichtig, Quellen zu prüfen und nachzuvollziehen, wer was sagt. Kritisches Denken, im Sinne der Wissenschaft, sei Voraussetzung für einen rationalen Dialog, der nicht von Emotionen geprägt ist. Von Vorteil sei außerdem ein Verständnis dafür, wie wissenschaftliche Studien und Methoden aufgebaut seien, denn dann könnten Menschen auf einer sachlichen Grundlage diskutieren.

Martina Kessler führte als Hilfestellung den Bibelvers aus 2. Timotheus 1,7 an: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ An diesem Vers mache sie den Schutz vor Verschwörungen fest. Furcht sei demnach nicht das Göttliche – und auch keine Alternative.

Jedem sei der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit von Gott gegeben. Die Kraft spende den Menschen den Mut, in schwierigen Zeiten durchzuhalten; die Liebe helfe, Menschen mit verdrehten Meinungen zu akzeptieren; und die Besonnenheit prüfe mit Zeit Fakten und handle mit Verstand. Menschen „müssten nicht immer alles sofort verstehen“ und sich eine Meinung bilden, meint Kessler. Wenn sich Christen an der göttlichen Kraft, Liebe und der Besonnenheit festmachten, müssten sie sich nicht scheuen in einer komplizierten Welt zu leben.

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3 Antworten

  1. Ja, es ist eine komplizierte Welt: so ist eben die Gefahr, dass ein Gedankengang, der mehrheitlich nicht gefällt zur Verschwörungstheorie gemacht wird. Die Vorverurteilung von Verschwörungstheorien als rassistisch und menschenfeindlich ist Mainstream, aber fragwürdig. Ein Problem ist, dass sich viele Verschwörungstheorien um einen wahren Kern aufbauen und erst im zweiten Step Erfundenes dazu kommt und es so schwierig wird wahr von falsch zu trennen. Nicht aus Angst zu reagieren ist ein richtiger und guter Aspekt. Trotzdem fordert uns die Schrift auf die Zeichen der Zeit zu prüfen und da wird dann nicht immer ein Ergebnis herauskommen, das dem Mainstream gefällt.

  2. Ich glaube nur was die Regierung und das öffentlich – rechtliche Fernsehen sagt, alles andere sind ja nur Verschwörungen. Man hat sich scheinbar entschlossen alles andere als nicht richtig gelten zu lassen. Wer bestimmt eigentlich was noch Wahrheit ist ? Verschwörung ist alles, was nicht die Mehrheit glaubt und mir als falsch erklärt wird. Wir irren alle mannigfaltig , steht in der Bibel. Aber es sind immer die Anderen. Ich hätte in dem Bericht gerne ein Verschwörungsbeispiel gehabt. Nicht das ich mich ,, Irre ,, und etwas verkehrtes glaube . Wissenschaftler und Experten , haben auch nur Teilerkenntnisse und sind keine Garantie für Wahrheit. Ansonsten prüfet alles und das Gute behaltet.

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