Mit der Kamera im Einsatz für Menschenrechte

Eine Ausstellung führt Fotografie und Menschenrechtsarbeit zusammen. Die Bilder von Dietmar Roller rücken die geschundene Würde ausgebeuteter Menschen in den Fokus.
Von Norbert Schäfer
„Aus allen Schatten“

Eine aktuelle Wanderausstellung führt Fotografie und Menschenrechtsarbeit zusammen. Im Mittelpunkt stehen die Bilder von Dietmar Roller, dem langjährigen Leiter der Menschenrechtsorganisation International Justice Mission Deutschland (IJM). IJM ist eine international tätige Menschenrechtsorganisation mit christlicher Prägung. Sie setzt sich gegen moderne Sklaverei, Menschenhandel und Gewalt gegen Menschen in Armut ein.

In rund 30 Jahren seines Einsatzes für Menschenrechte hat Roller mit seinen Leica-Fotokameras eindrückliche Aufnahmen gemacht und extreme Lebenswirklichkeiten von Menschen dokumentiert. Eine Auswahl ist derzeit unter dem Titel „Aus allen Schatten“ in der Leica Galerie in Wetzlar zu sehen.

Dietmar Roller, IJM Foto: Helge Eisenberg
Dietmar Roller, IJM


Die teils großformatigen Aufnahmen aus Ländern wie Ghana, Äthiopien, Bangladesch und dem Kongo zeigen sowohl Porträts als auch Menschen bei ausbeuterischer Arbeit, ohne deren Würde zu verletzen. Die Fotos zeugen aber auch vom Mut und der Hoffnung der Menschen – und ihrem Willen zu überleben. Roller nutzt die Bilder auf subtile Art als Mittel, um die ausbeuterische Wirklichkeit sichtbar zu machen und gesellschaftliche Verantwortung zu fördern.

Fotografie gegen das Schweigen

Roller ist Sozialwissenschaftler und Theologe. Er gilt als Experte für moderne Sklaverei und internationale Menschenrechtsarbeit. Seine Erfahrungen aus Entwicklungszusammenarbeit und dem Eintreten für Menschenrechte prägen sowohl seine fotografische Arbeit als auch sein Engagement im Kampf gegen Ausbeutung.

Im Zentrum seiner Arbeit steht der Mensch. Roller geht es darum, „dass die Resilienz und die gottgegebene Würde von Menschen sichtbar wird“. In einer globalisierten Welt seien Orte extremer Ausbeutung näher gerückt: „Wir sind in acht Stunden eigentlich in jedem von diesen Ländern, in denen die Ausbeutung bis aufs Maximale geht“, erklärt Roller im Gespräch mit PRO. Moderne Sklaverei beschreibt er als „eine Verkapitalisierung der Menschen und das Herauskitzeln vom letzten Geld“.

Seine Fotografie soll helfen, Unrecht sichtbar zu machen und gleichzeitig die Stärke der Betroffenen zu zeigen. „Mir ist es wichtig, das Schweigen zu brechen, aber gleichzeitig auch die Würde und die Resilienz dieser Menschen zu zeigen.“

Menschen – hier das Porträt einer Inderin – stehen im Fokus der Foto-Dokumentation

Fotografie könne dabei etwas leisten, was Worte oft nicht schafften. „Beim Schreiben oder beim Reden kriegt man manchmal das nicht rüber, was ein Bild schafft“, erklärt Roller. Der Blick eines Menschen vermittle Identität und Persönlichkeit unmittelbarer als jede Beschreibung. Durch seine Arbeit bei IJM habe er Zugang zu Orten und Situationen, die sonst im Verborgenen bleiben. Er fotografiere bewusst „im Schatten“, also dort, wo Ausbeutung geschieht, und arbeite eng mit den Menschen zusammen, um ihre Geschichten respektvoll sichtbar zu machen.

Begonnen hat Roller seine dokumentarische Arbeit bereits während seiner Zeit bei der „Kindernothilfe“. Seitdem begleitet ihn die Kamera ständig. „Ich habe die Kamera immer wie eine Frau ihre Handtasche mitgetragen“, sagt er. Wichtig sei ihm dabei ein ethischer Umgang mit den Porträtierten: Er informiere die Menschen und baue zunächst eine Beziehung zu ihnen auf, bevor er fotografiere.

Leica und IJM: Bildkultur und ethische Verantwortung

Der traditionsreiche deutsche Kamerahersteller Leica gilt als Pionier der Kleinbildfotografie und steht seit mehr als 100 Jahren für fotografische Präzision und dokumentarische Bildkultur. Die Marke ist eng mit der Geschichte der Reportagefotografie verbunden. Art Director Karin Rehn-Kaufmann erklärt bei einem Charity-Abend die Entscheidung von Leica, die Ausstellung gemeinsam mit IJM auszurichten, mit der besonderen Kraft der Fotografie. Bei Leica gehe es nicht nur um Technik, sondern um Bilder „die beeindrucken, die berühren und die die Situation darstellen“.

Die Zusammenarbeit mit einer Menschenrechtsorganisation sieht Rehn-Kaufmann auch in der Wertehaltung des Unternehmens begründet. Leica stehe für klare ethische Positionen. Diese seien eng mit der Geschichte der Ernst-Leitz-Familie verbunden, die im Nationalsozialismus Verantwortung übernommen und unterdrückten Menschen geholfen habe. Aus dieser Vergangenheit erwachse bis heute ein Auftrag.

Für Rehn-Kaufmann ist es zentral, dass auch Leid und gesellschaftliche Missstände fotografisch dokumentiert werden. „Das ist leider ein Teil unserer Gesellschaft und das muss dokumentiert werden“, sagt sie. Gerade im Zeitalter künstlicher Intelligenz komme es dabei auf Authentizität an. Bilder müssten „wirklich wahrhaftig“ sein. Dokumentarische Fotografie verstehe sie deshalb als wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Wahrnehmung von Verantwortung.

Die Wanderausstellung ist noch bis Mitte April 2026 in Wetzlar zu sehen. Danach macht sie in Leipzig Halt.



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