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Melinda Gates: „Habe mit Kirche gemeinsame Mission gegen Armut“

Der Willow-Creek-Leitungskongress vereint sowohl unterschiedliche Denominationen, als auch Menschen aus Kirche und Wirtschaft. Aus Neugier kam die Präses der Synode der EKD, Irmgard Schwaetzer, nach Dortmund. In einem Video-Einspieler sprach Geschäftsfrau Melinda Gates von ihrem Kampf gegen Armut.
Von PRO
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Melinda Gates setzt sich im Kampf gegen Armut ein. Beim Willow-Creek-Leitungskongress wurde ein aufgezeichnetes Interview mit der Geschäftsfrau gezeigt. (Archiv)
Melinda Gates setzt sich im Kampf gegen Armut ein. Beim Willow-Creek-Leitungskongress wurde ein aufgezeichnetes Interview mit der Geschäftsfrau gezeigt. (Archiv)

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, hat erstmals den Willow-Creek-Leitungskongress besucht. Ihre Neugier habe den Ausschlag für den Besuch gegeben, sagte sie am Donnerstag auf einem Empfang. „Es ist faszinierend, wahrzunehmen, wie unterschiedliche Menschen im Namen Jesu zusammensein können. Das ist eine wunderbare Erfahrung“, sagte Schwaetzer.

Bezogen auf das Thema des Eröffnungsvortrages, „Respekt“, erklärte sie: „Der Begriff Respekt ist einer, den Menschen verstehen – den sie an vielen Stellen aber ganz bewusst missachten.“ Es sei deshalb wichtig, „dass Christen in der Umsetzung des Liebesgebotes Gottes alles dafür einsetzen, dass Respekt wirklich gelebt wird“. In der Kirche müsse sich manches ändern: Nach dem 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017 habe die Kirche unter anderem als Feedback erhalten, „dass wir vor die Mauern unserer eigenen Traditionen, unserer eigenen Kirchen gehen sollen, weil da Menschen auf uns warten, die neugierig sind“. Das bedeutet für Schwaetzer, „dass wir über die Grenzen der eigenen Kirchen hinausgehen müssen“.

Melinda Gates: Gemeinsame Mission mit der Kirche gegen Armut

In einem vorher aufgezeichneten Video-Interview sprach Melinda Gates mit dem Gründer von Willow Creek, Bill Hybels, über die Arbeit der „Bill und Melinda Gates Foundation“. Sie hob zunächst hervor, dass sich in den vergangenen 25 Jahren auf der Welt viel verbessert habe: So sei die Kindersterblichkeit um 50 Prozent gesunken, ebenso die extreme Armut. Es gebe dennoch viel zu tun – etwa die Versorgung afrikanischer Staaten mit Impfstoffen. Sieben Millionen Kinder seien heute am Leben, weil ihre Stiftung die Medikamente finanziert habe.

Motiviert wird Gates bei ihrer Arbeit nach eigenen Angaben von den Werten, die sie in ihrer Familie und auf ihrer katholischen Schule gelernt habe. Noch heute nehme sie sich täglich eine „Zeit der Stille“: „Ich zünde eine Kerze an, schreibe in mein Tagebuch, bin in der Stille oder im Gebet“, sagte sie. Gates wirbt auch dafür, dass Frauen in der Dritten Welt Zugang zu Verhütungsmitteln erhalten. Sie habe zwar nie das Gesicht einer solchen Kampagne sein wollen, und in den USA sei es nicht immer leicht, über das Thema zu sprechen. „Ich habe mit der Kirche eine gemeinsame Mission gegen die Armut. Aber hier sind die Kirche und ich unterschiedlicher Meinung“, sagte sie. Durch Gespräche mit betroffenen Frauen habe sie erkannt, wie wichtig Verhütungsmittel für sie sind – etwa, damit Schwangerschaften besser planbar seien, um als Familie nicht überfordert zu werden.

Herbst: Kirche muss bei Menschen bleiben

Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie an der Universität Greifswald, rief in seinem Vortrag am Donnerstag Pfarrer und Pastoren dazu auf, Menschen zu „lebendigem und mündigem Christsein“ anzuleiten. „Wir müssen aktive Gemeindeglieder im Glauben stärken und zum Einsatz ihrer Gaben ermutigen“, sagte er. „Und wir sollen uns nach draußen begeben, um die Menschen in unserem Umfeld zum Glauben einzuladen.“ Dies seien Voraussetzungen dafür, dass Gemeinden wachsen können. Herbst wies darauf hin, dass vor allem in ländlichen Regionen Gemeinden ihre Selbstständigkeit verlieren. Weil die Mitgliederzahlen der Kirchen zurückgehen, fusionierten viele aus finanziellen Gründen zu Großgemeinden. Gottesdienste würden dann immer seltener gefeiert, und das kirchliche Leben entferne sich immer mehr aus der Nähe der Menschen. „Was aber fern ist, wird irgendwann auch nicht mehr vermisst“, mahnte Herbst.

Michael Herbst spricht in der Dortmunder Westfalenhalle vor rund 10.000 Teilnehmern des Willow-Creek-Leitungskongresses Foto: Marc Gilgen/Willow Creek
Michael Herbst spricht in der Dortmunder Westfalenhalle vor rund 10.000 Teilnehmern des Willow-Creek-Leitungskongresses

Der katholische Theologe Christian Hennecke, der sich selbst als „Quotenkatholik“ beschrieb, sprach am Donnerstag über die Zukunft der Kirche. Es gehe weder um eine bestimmte Form oder Größe einer Gemeinde, noch um das Alter der Mitglieder oder die Denomination: katholisch oder evangelisch. „Das Entscheidende an der Kirche ist das, was darin ist.“ Wichtig sei stets, sich an Jesus zu orientieren.

Ritz-Carlton-Gründer: Nächstenliebe auch im Arbeitsleben

Am Freitag sprach der Gründer der Hotelkette Ritz Carlton, Horst Schulze, über seine Erfahrungen in Personalführung und darüber, wie diese auch in nicht-unternehmerischen Umfeldern angewendet werden können. „Suchen Sie sich nicht einfach Angestellte, sondern wählen Sie sie sorgfältig aus, beziehen Sie die neuen Mitarbeiter ein in die Vision und das Ziel Ihres Vorhabens“, sagte er vor knapp 10.000 Zuhörern in der Westfalenhalle.

Führungskräfte sollten betonen, dass alle Menschen den gleichen Wert haben, ungeachtet ihrer Position. Entscheidendes Kriterium bei der Auswahl von Mitarbeitern sei nicht deren Intelligenzquotient, sondern seien ihre Talente und Begabungen. Besonders wichtig sei es, das biblische Prinzip „Liebe deinen Nächsten“ auch auf seine Mitarbeiter anzuwenden – „denn Mitarbeiter sind uns sehr nahe!“

Von: Martina Blatt

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