Mehrheit der Deutschen sieht soziale Medien als Gefahr für Demokratie

Eine Mehrheit der Deutschen bewertet soziale Medien inzwischen als schädlich für die Demokratie. Eine Studie zeigt, dass die Skepsis seit 2022 deutlich zugenommen hat.
Von Norbert Schäfer
In Frankreich wurde das Social-Media-Verbot für unter 15-Jährige schon wieder gekippt


Die Deutschen beurteilen die Wirkung sozialer Medien auf die Demokratie zunehmend kritisch. Sechs von zehn Deutschen (61 Prozent) haben bei einer Umfrage angegeben, dass soziale Medien eher schädlich für die Demokratie sind. 2022 waren es 41 Prozent. Das ist ein Anstieg von 20 Prozentpunkten. Der Anteil derjenigen, die hierzulande einen positiven Einfluss sehen, sank im gleichen Zeitraum von 57 auf 37 Prozent. Das zeigt eine internationale Untersuchung des „Pew Research Center“ (Pew).

Der Trend zeigt sich nicht nur in Deutschland. In 16 der 26 Länder mit Vergleichsdaten aus den Jahren 2022 oder 2023 hat die kritische Haltung gegenüber sozialen Medien zugenommen. Besonders skeptisch sind die Menschen in den Niederlanden. Dort bewerten sieben von zehn (70 Prozent) der Befragten den Einfluss sozialer Medien auf die Demokratie negativ. In Frankreich sind es fast zwei Drittel (65 Prozent), in den USA 64 Prozent.

Spalterische Wirkung

82 Prozent der Befragten in Deutschland meinen, Internet und soziale Medien hätten die politischen Ansichten der Menschen stärker auseinandergetrieben. 2022 waren es noch 65 Prozent. Damit stieg der Wert in Deutschland innerhalb von vier Jahren um 17 Prozentpunkte.

Im Median aller 37 untersuchten Länder halten jedoch 55 Prozent soziale Medien grundsätzlich für förderlich für die Demokratie. 35 Prozent sehen einen negativen Einfluss. Dabei zeigt sich, dass besonders in wohlhabenden Ländern die Bewertung kritischer ausfällt.

Im Durchschnitt sagen 77 Prozent, Internet und soziale Medien hätten Menschen besser über aktuelle Ereignisse informiert. 60 Prozent meinen, Menschen könnten dadurch ihre politische Stimme besser einbringen. Gleichzeitig sehen 79 Prozent eine leichtere Manipulation durch Falschinformationen und Gerüchte, 68 Prozent eine stärkere politische Spaltung.

Den Pew-Angaben zufolge nutzen junge Menschen und höher Gebildete soziale Medien häufiger. Und in vielen Ländern tendierten sie dazu, mehrere Plattformen gleichzeitig zu nutzen. Befragte, die mehr als drei der in der Umfrage erfassten Plattformen nutzen, gaben im Allgemeinen häufiger als diejenigen, die weniger Plattformen nutzen, an, dass soziale Medien gut für die Demokratie seien.

Für die internationale Untersuchung hat Pew zwischen Februar und Mai 2026 insgesamt 42.151 Menschen in 36 Ländern befragt. Dazu kamen gesondert erhobene Daten aus den USA.

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