Nicht nur über Probleme berichten, sondern auch zeigen, wie Lösungen aussehen könnten: Das fordert Maren Urner von Journalisten

Nicht nur über Probleme berichten, sondern auch zeigen, wie Lösungen aussehen könnten: Das fordert Maren Urner von Journalisten

„Journalismus muss Lösungen zeigen“

Journalismus muss einen konstruktiven und lösungsorientierten Ansatz für Probleme bieten. Ansonsten lässt er gestresste und hilflose Menschen zurück. Diese These vertritt die Journalistin Maren Urner in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Neurowissenschaftlerin bemängelt außerdem bei vielen Nutzern einen zu unkritischen Medienkonsum.

Mediennutzer sollten sich gegen die „Vermüllung ihrer Gehirne“ wehren und Medien nicht zu unkritisch konsumieren. Das sagte die Journalistin und Neurowissenschaftlerin Maren Urner in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Mediennutzer sollten sensibel sein.

Ein zu großer Teil des Medienkonsums geschehe unreflektiert. Es gehe aber darum, die Informationen für sich zu nutzen und eine Medienlandschaft zu vermeiden, die täglich von einer untergehenden Welt spreche, an der ihre Bewohner nichts ändern können. Vor allem im Online-Bereich würden viele Nutzer sich nur noch von Überschriften leiten lassen.

Zudem machte sie sich für einen konstruktiven Journalismus stark. Ihr gehe es nicht darum, nur positiv zu berichten, sondern aufgezeigte Probleme und Herausforderungen anzugehen. Der Online-Journalismus biete Nachrichten im Minutentakt. Diese ständige Informationsflut habe die „Vorliebe fürs Negative in die Perversion“ getrieben. Der Nutzer verfalle in einen Stresszustand – und in den meisten Fällen in Passivität.

Frauen entscheiden sich für positivere Nachrichten

Weder die Nutzer würden Informationen objektiv verarbeiten, noch die Journalisten sie objektiv auswählen. „Da mit einer gesteigerten Transparenz und Ehrlichkeit dranzugehen, halte ich für eine wichtige Forderung an jeden einzelnen Journalisten und jedes Medienhaus. Es wird zu selten konstruktiv berichtet und eingeordnet“, sagte Urner.

Als Beispiel nannte sie die Berichterstattung über die Arbeitsmarktsituation in Deutschland. Diese habe sich von 2000 bis 2008 signifikant verbessert. Trotzdem habe die Tageszeitung Die Welt im Wirtschaftsteil zwanzigmal so oft negativ darüber berichtet wie positiv. Auch das Geschlecht des Chefredakteurs beeinflusse die Berichterstattung. Medienhäuser mit überwiegend männlichen Herausgebern veröffentlichten mehr Nachrichten mit negativem Fokus als jene Redaktionen, „in denen mehr Frauen mitentscheiden“.

Zentrale Frage: Wie kann es weitergehen?

Gegenüber pro hatte Urner 2016 gesagt: „Wenn wir zu viele negative Nachrichten wahrnehmen, fühlen wir uns häufig gestresst und können in eine gelernte Hilflosigkeit geraten.“ Gemeinsam mit dem Physiker Bernhard Eickenberg hat sie die Online-Plattform Perspective Daily gegründet. Sie soll zeigen, „dass es Hoffnung gibt, dass wir etwas tun können“. Dort erscheinen Beiträge, die sich zukunftsorientiert mit gesellschaftlichen Fragen befassen.

Konstruktiven Journalismus sehe sie nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu herkömmlichen Nachrichten, „um ein realistischeres Bild der Wirklichkeit zu zeigen“. Im FAZ-Interview erklärt sie, dass der konstruktive und lösungsorientierte Ansatz ein vollständigeres Bild der Welt liefere und Menschen nicht mehr gestresst, hoffnungs- und hilflos zurücklasse. Nutzer von Medien müssten sich fragen: „Was bringt mich eigentlich weiter und hilft mir auf eine lösungsorientierte Art und Weise, weil ich das Gefühl habe, wirklich etwas dazugelernt und verstanden zu haben?“

Von: Johannes Blöcher-Weil

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