Heribert Prantl leitet das Meinungsressort der Süddeutschen Zeitung

Heribert Prantl leitet das Meinungsressort der Süddeutschen Zeitung

„Das ist Beihilfe zur Aufplusterei“

Der Journalist Heribert Prantl hat Medien zur Zurückhaltung bei Ereignissen wie neulich in Amberg aufgefordert, nachdem betrunkene Asylbewerber Passanten geschlagen hatten. Die Berichterstattung über angebliche „Bürgerwehren“ sei „Beihilfe zur Aufplusterei“.

„Die Lust auf Erregung und Aufblasen, was wir als Medien machen, ist Beihilfe zur Aufplusterei“, sagte der Journalist von der Süddeutschen Zeitung am Samstag dem Deutschlandfunk. Als Folge einer Schlägerei am Amberger Bahnhof habe die NPD erklärt, „Bürgerwehren“ in die oberpfälzische Stadt geschickt zu haben. „Vier Hampel laufen da in Warnwesten für eine halbe Stunde rum und wir machen eine Aufregung daraus, als wäre dort ein Bataillon von Neonazis aufmarschiert.“ Damit würden Medien der NPD zu einer Bedeutung verhelfen, die sie nicht habe. Prantl forderte Medienverantwortliche zur Zurückhaltung und Maßhalten auf.

„Twitterei“ nicht zu ernst nehmen

In der Medienlandschaft verschärfe sich der Kampf um Aufmerksamkeit. Dabei komme die Verhältnismäßigkeit unter die Räder. Journalisten sollten sich „dreimal überlegen“, ob sie zu Skandalisierungen greifen sollten, so Prantl. Oft werde „eine winzige Teilmenge der Wirklichkeit“ so aufgeblasen, dass der Eindruck entstehe, so sei das große Ganze. Ein entscheidender Faktor bei der Erregung um einen Vorfall sei die Ungewissheit darüber, was wirklich geschehen sei. Gerade bei großen Anschlägen werde das deutlich.

Zudem forderte Prantl, die „Twitterei nicht zu ernst zu nehmen“. Diese werde überbewertet, zumal viele Informationen dort unwahr seien. „Eine meinungsstarke Minderheit bekommt darin eine Aufmerksamkeit, die sie in dieser Fülle nicht verdient.“ Andererseits erhielten andere Ereignisse nicht die nötige Aufmerksamkeit. Als Beispiel nannte Prantl den „Jahrhundertskandal“ der Überwachung von Regierungen und Bürgern durch die NSA. Anders als bei Terroranschlägen fehlten dazu nämlich die aussagekräftigen Bilder.

Von: Nicolai Franz

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