Heinz-Horst Deichmann (rechts) und sein Sohn Heinrich Deichmann (links)

Heinz-Horst Deichmann (rechts) und sein Sohn Heinrich Deichmann (links)

ZDF zeigt den Glauben und die Frauen hinter den Deichmännern

Aus einem kleinen Laden wurde innerhalb weniger Jahrzehnte der größte Schuhgigant Europas. In der Reihe „Deutschlands große Clans“ widmet sich das ZDF der Deichmann-Familie und wendet den Blick dabei auf die öffentlich bisher kaum beachtete Stützen des Imperiums – die Frauen in der frommen Familie Deichmann. Eine Filmkritik von Martin Schlorke

Heinz-Horst Deichmann baute nach dem Zweiten Weltkrieg ein Schuhimperium auf, das in Europa seinesgleichen sucht. Was wohl kaum einer weiß: Ohne die Frauen der Familie Deichmann würde das Familienunternehmen heute wahrscheinlich nicht dort stehen, wo es ist. In der ZDF-Dokumentation „Deutschlands große Clans – Die Deichmann-Story“ wird die Rolle der Frauen bei den Deichmännern genauer unter die Lupe genommen.

Im Essener Arbeiterviertel Borbeck beginnt alles mit einem kleinen Schuhladen und großen ethischen Maßstäben. Obwohl durch die verschiedenen Wirtschaftskrisen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebeutelt, fühlt sich Heinrich Deichmann, Heinz-Horst Deichmanns Vater, den Armen verpflichtet. Tatkräftig wurde er von seiner Frau Julie unterstützt. Der christliche Glaube gebot es ihnen, denen zu helfen, die nichts oder wenig hatten. Nur aus diesem christlichen Glauben heraus könne man das Unternehmen verstehen, erklärt der Biograph Andreas Malessa in der Sendung.

Dieser Glaube war es auch, der während der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland zum Problem werden konnte. Die Familie Deichmann wird in der Dokumentation als bibeltreu und Mitglied einer Freikirche beschrieben. Ein großes Risiko im nationalsozialistischen Deutschland, auch weil sie mit Juden befreundet waren und eine jüdische Vermieterin hatten.

Das Versprechen an Gott

Als 1940 Heinrich Deichmann stirbt, liegt das Geschäft endgültig in den Händen seiner Frau Julie und der gemeinsamen Töchter. Diese halten den Laden in den Kriegsjahren und in der Nachkriegszeit über Wasser und legten durch geschicktes Handeln den Grundstein für den späteren Aufstieg zum Schuhimperium.

Der Schuhmacher Heinrich Deichmann vor seinem Laden in Essen-Borbeck 1921

Der Schuhmacher Heinrich Deichmann vor seinem Laden in Essen-Borbeck 1921

Sohn Heinz-Horst wird im Krieg schwer verletzt. Auf dem Krankenbett und den Tod vor Augen gibt der 18-Jährige ein Versprechen ab: „Wenn Gott ihm das Leben schenkt, will er anderen Menschen helfen.“ Nach dem Krieg versucht er dieses Versprechen einzulösen und studiert Medizin, um später Missionsarzt zu werden. Doch er entscheidet sich nach dem Studium anders und investiert all seine Zeit ins Schuhgeschäft. „Schuhe für den kleinen Geldbeutel“ lautet sein Credo. Auch an dieser Stelle betont die Dokumentation deutlich, wie wichtig die Frauen der Deichmanns sind. Seine Gattin Ruth lernt er, wie sollte es anders sein, in seinem Schuhgeschäft kennen – vorgestellt wird sie ihm von seiner Schwester. Ruth kündigt später ihren Job als Lehrerin, um sich voll ins Familiengeschäft zu investieren. Sie habe alle wesentlichen Entscheidungen der Firma mitgetroffen, so die Macher der Dokumentation.

Auch heute noch gelten die Deichmanns als soziale Arbeitgeber. Seit dem Tod von Heinz-Horst Deichmann 2014 führt dessen Sohn Heinrich die Geschäfte. Deichmann zahlt Hochzeitsgeld und Betriebsrenten. Auch die Gehälter sind höher als sonst üblich in der Branche – im In- und Ausland. Dennoch schaut die Dokumentation auch kritisch in Produktionsländer wie China oder Rumänien. Das ist auch gut so und gehört zur journalistischen Sorgfaltspflicht. Schlussendlich kommen die Macher aber zu dem Schluss, dass Deichmann eine Familie ist, die nahezu frei von Skandalen ihre Erfolgsgeschichte schreibt und trotz des „Patriarchen“ Heinz-Horst Deichmann weiblicher ist, als angenommen. Eine großartige Dokumentation, die beschreibt, wie wichtig Familienzusammenhalt und christlicher Glaube in der Familie Deichmann war und ist.

Corona – Größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg

In der Dokumentation spricht Deichmann auch über die Herausforderungen, die die Corona-Krise für das Unternehmen mit sich gebracht hat. Fast alle Filialen mussten zwischenzeitlich schließen. Es entstand ein monatlicher Schaden im dreistelligen Millionenbereich. An dieser Stelle im Film wehrt sich Deichmann erneut gegen die Vorwürfe, sein Unternehmen hätte ein Gesetz ausgenutzt, um in der Krise keine Mieten zahlen zu müssen.

Zufrieden zeigt sich der gläubige Christ, dass Deichmann trotz des Lockdowns keinen einzigen Mitarbeiter entlassen musste. Das sei sein persönliches Ziel in der Corona-Krise gewesen.

„Deutschlands große Clans – Die Deichmann-Story“, läuft am 28. Juli um 20.15 Uhr im ZDF und in der Mediathek.

Von: Martin Schlorke

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